Vortrag
Bayerns Justizministerin Beate Merk sprach in Heimertingen über Ursachen und Eindämmung der Jugendkriminalität

Diese Bilder haben sich in die Erinnerung vieler Menschen eingeprägt: Zwei Jugendliche schlagen im Dezember 2007 in der Münchner U-Bahn grundlos einen 67-jährigen Mann nieder. Sie treten auch noch auf ihn ein, als er bereits am Boden liegt. Der Vorfall wird von einer Überwachungskamera gefilmt. Doch was sind die Gründe für diese «Orgie blindwütiger Gewalt»? Dieser Frage ging die bayerische Justizministerin Beate Merk bei einem Vortrag zum Thema «Jugendkriminalität» in Heimertingen nach, den der Ortsverband gemeinsam mit dem CSU-Kreisverband organisiert hatte.

Vielen gewaltbereiten Jugendlichen << fehlt schlichtweg das Mitgefühl >>, erklärte Merk. Gerade im Zeitraum zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr, wo die Kinder lernen, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, mit ihnen zu leiden und sich mit ihnen zu freuen, seien Zuwendung, Geborgenheit und Liebe besonders wichtig. Viele Gewalttäter haben nach Angaben der Ministerin dieses Glück nicht und obendrein oft selbst Gewalt im Elternhaus erfahren.

Weitere Gründe sind in ihren Augen Sprachschwierigkeiten. << Nicht nur bei Migranten. Es gibt auch deutsche Kinder, die unsere Sprache nicht richtig sprechen können. >> Hinzu käme der Autoritätsverlust von Schule, Kirche und Polizei. << Im Gegensatz zu früher hat sich viel verändert >>, resümiert Merk. Kinder müssten lernen, dass man nur miteinander leben kann, wenn man sich << an Recht und Regeln hält >>.

Diese sei in erster Linie Aufgabe der Eltern. Falls dies aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist, und auch die Schule dieses Defizit nicht auffangen kann, sei der Staat gefragt. << Wir wollen aber die Eltern nicht überwachen und ihnen die Erziehung auch nicht aus der Hand nehmen >>, betonte die Ministerin. Im Vordergrund stehe << Hilfe bei der Selbsthilfe >>. Neben verschiedenen staatlichen Förderprojekten nannte sie auch die verpflichtende ärztliche Vorsorgeuntersuchung - in enger Zusammenarbeit mit dem Jugendamt, dem Auffälligkeiten gemeldet werden müssten. Außerdem habe man die frühkindliche Sprachförderung und die Sozialarbeit an Schulen verstärkt.

Warnschuss-Arrest

Falls ein Jugendlicher jedoch trotz aller Hilfen auf extreme Gewalt zurückgreift, müsse der Staat ihm zeigen << wo der Bartel den Most holt >>. So habe man bei Mord die Jugendstrafe von zehn auf 15 Jahre erhöht und den sogenannten Warnschuss-Arrest eingeführt. << Dabei bekommt der Jugendliche gezeigt, wie es im Strafvollzug zugeht und was passiert, wenn er sich nicht an seine Bewährung hält. >>

Sie werde sich darüber hinaus weiter für ein Fahrverbot als Strafe und die Beschleunigung der Verfahren vor Gericht einsetzen. Zwar stehe Bayern im Vergleich zu anderen Bundesländern in puncto Jugendkriminalität << noch gut da >>. Damit das auch so bleibt, seien aber eine wirksame Prävention und eine schnelle Reaktion die richtigen Mittel zur Bekämpfung der Jugendkriminalität, so Merk.

Bayerns Justizministerin Beate Merk informierte in Heimertingen vor rund 40 Zuhörern über Gründe, die zur Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen führen. Foto: Rebhan

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