Justiz
Armbrust-Prozess in Memmingen: Angeklagter muss ins Gefängnis

Symbolbild.

Es war versuchter Mord – und das Opfer hat nur durch einen glücklichen Zufall überlebt. Davon ist das Landgericht in Memmingen unter Vorsitz von Richter Christian Liebhart überzeugt. Es verurteilte den 42-jährigen Angeklagten zu sieben Jahren und sechs Monaten Gefängnis, weil er versucht hat, den neuen Lebensgefährten seiner Ex-Freundin mit einer Armbrust zu erschießen. Der 42-Jährige nahm das Urteil nahezu regungslos auf, er saß während der Begründung mit gesenktem Kopf da. Bereits am ersten Prozesstag hatte er den Schuss in einer Erklärung eingeräumt.

Der 42-Jährige hat sich am 14. September 2018 mit einer wenige Tage zuvor in Ulm gekauften Armbrust bewaffnet und auf den Weg nach Volkertshofen (Landkreis Neu-Ulm) gemacht. Dort wohnte seine Ex-Freundin mit ihrem 29-jährigen Lebensgefährten. Als der Nebenbuhler am offenen Fenster der Hochparterre-Wohnung rauchte, schlich der 42-Jährige sich an und schoss nach kurzem Wortwechsel aus nur einem Meter Entfernung einen Pfeil ab. Heimtückisches Vorgehen und damit ein Mordmerkmal, bilanzierte Richter Liebhart in der Urteilsbegründung. Der Geschädigte habe nicht mit dem Angriff gerechnet und sei völlig wehrlos gewesen. Der Pfeil traf den jungen Mann nur zwei Zentimeter über dem Herzen. Dass der 29-Jährige Glück hatte, bezeugten Gutachter: Der Pfeil hätte töten können, wenn er nicht an einer Rippe stecken geblieben wäre.

Das Gericht folgte mit seinem Urteil weitgehend der Argumentation der Staatsanwaltschaft, die acht Jahre und zwei Monate gefordert hatte. Richter Liebhart sah das von Staatsanwalt Thomas Hörmann angeführte zweite Mordmerkmal der niederen Beweggründe jedoch nicht. Der 42-Jährige sei wütend und frustriert über das Verhalten seiner Ex-Freundin gewesen, die ihm abwechselnd Hoffnungen gemacht und ihn abgewiesen habe. Den Geschädigten habe er als mitverantwortlich gesehen, dass er keine zweite Chance bei der Ex bekomme. Dann habe er „aus Wut über seine Lebens- und Beziehungssituation“ den Entschluss gefasst, den Nebenbuhler mit der Armbrust anzugreifen. „Dabei nahm er den Tod billigend in Kauf“, sagte Liebhart. Das Urteil versuchter Mord ergeht in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, da der Mann eine gefährliche Waffe benutzte. Die Armbrust gerät so erneut in die Schlagzeilen: Mitarbeiter einer Pension haben vor kurzem in Passau drei Tote gefunden. In ihren Körpern steckten Pfeile von Armbrüsten. Die Polizei geht von Suizid aus, ermittelt aber noch.

Die Strafe wurde wegen mehrerer Punkte zugunsten des Angeklagten gemildert. Denn eigentlich, so führte Liebhart aus, stehe auch auf versuchten Mord lebenslängliche Haft. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Autor:

Carolin Lindner aus Kempten

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by Gogol Publishing 2002-2019