Badesaison
Rettungstaucher der Wasserwacht Immenstadt: Bergen und Retten

Gleich zu Beginn der Badesaison erschüttert das Allgäu der tödliche Unfall eines 20-Jährigen im Öschlesee bei Sulzberg. Nur fünf von sechs Jugendlichen konnten sich ans Ufer retten, nachdem ihr Ruderboot auf der Seemitte gekentert war. Stundenlang suchten Feuerwehr, Polizei und Wasserwacht nach dem Vermissten. Finden und bergen konnten ihn am Ende Taucher der Wasserwacht Immenstadt.

Mit dabei war Markus Schadeck. Seit vielen Jahren ist der 31-Jährige bei der Wasserwacht. Er sei da einfach "reingewachsen". Als kleiner Junge kam er zum Verein, absolvierte die Sanitätsausbildung und die darauf aufbauende Ausbildung zum Wasserretter. Später folgte die Ausbildung zum Rettungstaucher.

Mittlerweile macht die Wasserwacht einen Großteil seines Lebensmittelpunktes aus. Denn die Kameraden sind gute Freunde, das Team eine starke Gemeinschaft. Der Rückhalt der Gruppe gibt Kraft – gerade nach schweren Einsätzen. Das Gespräch mit den Kollegen hilft, das Erlebte zu verarbeiten.

"Vom Pflaster Aufkleben bis zum gekenterten Segelboot"

Doch nicht nur bei Vermisstensuchen muss die Wasserwacht ausrücken. "Unsere Arbeit reicht vom Pflaster Aufkleben bis hin zum gekenterten Segelboot", sagt Markus Schadeck. Den kompletten Sommer über herrscht bei der Wasserwacht Immenstadt Dienstbetrieb.

An jedem Wochenende und Feiertag zwischen Pfingsten und Herbst ist eine komplette Wachmannschaft am Großen Alpsee ehrenamtlich vor Ort. Sie besteht aus einem Wachleiter, einem Bootsführer, zwei Rettungsschwimmern, zwei jugendlichen Nachwuchs-Rettern und einem Taucher wie Markus Schadeck. 30 aktive Mitglieder wechseln sich regelmäßig ab.

365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag auf Abruf

In Bereitschaft sind die Wasserretter allerdings immer: "365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag,", erklärt Schadeck. Ausgerüstet mit einem Funkmeldeempfänger sind sie – ähnlich wie die Feuerwehr – immer zu erreichen, falls sie bei einem Einsatz gebraucht werden. "Funktionieren kann das nur mit einem verständnisvollen Umfeld, Arbeitgeber und Partner."

Muss ein Taucher bei einem Einsatz ins Wasser, gelten strenge Richtlinien. Zur Sicherheit des Tauchers ist er durch eine Leine mit einem Kollegen an der Wasseroberfläche verbunden, dem Signalmann. "Der Signalmann ist meine einzige Verbindung nach oben," so Schadeck. Ein Reservetaucher ist ebenfalls immer mit dabei, um in einer Gefahrensituation selbst ins Wasser zu steigen und zu helfen.

Durch bestimmte Leinensignale, moderner Weise auch über eine Telefonleitung, können Taucher und Führer miteinander kommunizieren. Bei Suchaktionen kann der Signalmann den Taucher navigieren, der unter Wasser oft in vollständiger Dunkelheit schwebt und nur durch Tasten vorankommt. Die Position des Tauchers macht der Signalmann anhand der Blasen aus, die beim Ausatmen nach oben steigen.

Zur besseren Ortung im Wasser hat die Wasserwacht Immenstadt sich aus eigener Tasche ein Sonargerät beschafft. Damit haben Schadeck und seine Kollegen auch den Ertrunkenen im Öschlesee gefunden. Zwar werden Großgeräte wie Boot und Rettungsfahrzeug vom Staat gestellt, bei Sonderanschaffungen wie <span class=s1>Neoprenanzüge, SAN-Material, Tauchgeräte, Wasserretterausrüstungen oder Ähnliches, </span>sind die Wasserwachtler aber immer auf eigene Reserven angewiesen. Die Ortsgruppe finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden, Zuschüsse, Kursangebote und Gemeinschafts-Aktionen wie etwa einem Grillstand auf dem Weihnachtsmarkt.

Abschalten in der Schwerelosigkeit

Abseits vom Einsatztauchen ist das Tauchen Markus Schadecks große Leidenschaft. Im Urlaub taucht er im Meer. Besonders das Betauchen von vor Jahren versunkenen Schiffwracks hat es Markus Schadeck angetan. "Teilweise ist die Inneneinrichtung noch zu erkennen", schwärmt er.

Doch auch die Allgäuer Seen bieten spannende Anblicke. Unter Wasser trifft Markus Schadeck auf Fische wie Hechte, Barsche, Zander, Aale, aber auch auf alles, "was Menschen so loswerden wollen": Kloschüsseln, Badewannen, Benzinkanister und sogar Autowracks. Er erkundet die Unterwasserwelt in völliger Schwerelosigkeit. Unter Wasser kann Markus Schadeck abschalten, den Alltagsstress vergessen. Auch belastende Einsätze wie den letzten.

Autor:

Anna Hatt aus Kempten

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