Nockherberg 2019
"Großartig", "witzig" und "allgäuerisch": Maxi Schafroth derbleckt als Fastenredner die Politikprominenz

Premiere für den Unterallgäuer Kabarettisten Maxi Schafroth: Zum ersten Mal trat der 33-Jährige am Dienstagabend als Fastenredner beim Münchner Nockherberg auf. Beim "Derblecken" der Politiker trat er damit in die Fußstapfen der Mama Bavaria (Luise Kinseher). Mit 33 Jahren ist Maxi Schafroth übrigens der jüngste Fastenredner der Nockherberggeschichte. Die Politiker waren nach seinem Auftritt sichtlich begeistert. Ministerpräsident Markus Söder spricht von einem "großartigen" Auftritt. 

Anders als seine Vorgängerin las der gebürtige Stephansrieder den Politikern ohne Kostüm die Leviten. In einem Interview vorab hat er bereits verraten, dass er in seiner Predigt nicht den richtenden Blick von oben haben wird, "sondern den eines Menschen, der von der Politik betroffen ist und Stellung bezieht." Auch anders als die Jahre zuvor: Schafroth tritt schon nach wenigen Minuten und ein paar Sprüchen vom Rednerpult zurück. Und holt sich mit dem "Mitarbeiterchor des Heimatministeriums" musikalische Verstärkung  auf die Bühne. 

“Also ich hab mich bewusst gegen eine Rolle entschieden, keine aufgesetzte Schauspielerei, das ist und bleibt dein Kompetenzbereich lieber Markus Söder", scherzte Maximilian Schafroth bereits zu Beginn seiner Predigt zur Erklärung.

Auch die anderen anwesenden Politiker mussten natürlich ordentlich einstecken. Vor allem spottet er über die "neue CSU": "Ihr seid grün, sozial, dynamisch, grün, urban, ihr mögt Bauern und Bienen - da ist alles drin, das erinnert mich so ein bisschen an unsere alte Dorfwirtschaft: Die haben auch kurz vor der Insolvenz noch mal eine ganz dicke Speisekarte gedruckt." 

Nach der CSU nimmt er sich die Freien Wähler vor. Vor allem Hubert Aiwanger, stellvertretender Ministerpräsident, wird richtig derbleckt. Als "kommunales Schlitzohr" und "alkoholisierter Feuerwehrkommandant" wird er von Maxi Schafroth betitelt. Schafroth teilt auch kräftig gegen Verkehrsminister Andreas Scheuer aus: "Der Scheuer ist ein Charakterdarsteller - er steht jeden Morgen auf und spielt einen Audi-Mitarbeiter, der so tut, als wäre er Politiker".

Während der Predigt geht Maxi Schafroth immer wieder auf seine Heimat - das Allgäu - ein. Und auch in seiner Sprache und seinem Verhalten ist seine Herkunft nicht zu verkennen. Claudia Roth, die ebenfalls gebürtige Unterallgäuerin ist, war begeistert: "Er war so allgäuerisch: spöttisch, kritisch und nie bösartig."

Nicht bösartig aber durchaus mahnend waren Maxi Schafroths Abschlussworte gegenüber der nicht anwesenden AfD. "Wer nicht verstanden hat, dass es nur miteinander funktionieren kann, der aus der Vergangenheit nicht gelernt hat, der hat nichts verstanden. Verliert die Empathie nicht, bleibt beim Miteinander", mahnt er die anwesenden Politiker.

Nach seiner Predigt gab es für den Unterallgäuer Kabarettisten viel Applaus und sogar Standing Ovations. Die Politiker waren sich einig und fanden den Auftritt durchaus gelungen. Großes Lob gab es vor allem vom Ministerpräsidenten Markus Söder, der die Rede als nicht verletzend und extrem unterhaltsam empfand. Auch Hubert Aiwanger sprach seinen Respekt aus: "Ich fands sehr tiefgründig. Die Feuerprobe hat er bestens bestanden." Ein bisschen Kritik gab es vom stellvertretenden Ministerpräsidenten aber dennoch. Als Fastenprediger sei Schafroth noch entwicklungsfähig. Er sei noch zu quirlig, nicht gesetzt genug. 

Insgesamt hat die Politikprominenz während der Predigt viel gelacht, auch wenn einigen gut eingeschenkt wurde. Aber "wir sind ja nicht zum Spaß da. Man muss über sich selbst lachen können", so Verkehrsminister Andreas Scheuer. Es scheint, als hätte Maxi Schafroth sein vorgenommenes Ziel erreicht: Nämlich Kritik und Charme perfekt in Einklang zu bringen.

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