Kirchenaustritte
Zahlen der Krichenaustritte in Marktoberdorf gehen zurück, sind aber immernoch hoch

Es ist die niedrigste Zahl von Kirchenaustritten in Marktoberdorf seit fünf Jahren. Insgesamt 47 Menschen haben der Kirche 2011 den Rücken gekehrt, 30 Katholiken und 17 Protestanten. Das ist nach dem dramatischen Anstieg der letzten Jahre (Höchststand 114 Austritte im Jahr 2010) ein starker Rückgang.

Die Schwankungen betreffen vor allem die katholische Kirche. Während aus der evangelischen Kirche in den vergangenen fünf Jahren stets durchschnittlich 17 Mitglieder ausgetreten waren, stieg die Anzahl in der katholischen Kirche von 37 im Jahr 2006 auf 97 im Jahr 2010. Trotz des starken Rückgangs 2011 beschäftigt sich der katholische Stadtpfarrer Wolfgang Schilling mit dem Thema. 'Es ist immer schmerzhaft für mich, wenn Mitglieder der Kirche die Herde verlassen', meint er. Schilling reagiert auf die Austritte.

Zwar suche er ein Gespräch mit den betreffenden Personen 'nicht systematisch', dennoch nähme er immer wieder Kontakt zu jenen auf, die die Kirche verlassen. Wichtig sei für ihn dabei, die Gründe für den Austritt zu erfahren.

Ohne Details aus einzelnen Gesprächen zu verraten, kann Schilling doch sagen, dass die Skandale innerhalb der katholischen Kirche immer noch ein Hauptgrund sind. Konkret benennt er das Bekanntwerden der Missbrauchsfälle in den letzten Jahren, die Vorgänge um die sogenannte Piusbruderschaft und die Vorwürfe gegen Bischof Walter Mixa.

Erstaunt, dass es nicht mehr sind

Angesichts dieser Häufung von Negativschlagzeilen ist Pfarrer Walter Böhmer von der katholischen Gemeinde in Obergünzburg sogar 'erstaunt, dass es nicht mehr Austritte sind.' Auch in seinem Zuständigkeitsbereich war die Zahl der Austritte 2011 wieder gesunken. Gründe für den Austritt zu benennen, fällt Böhmer jedoch schwer. Zwar sucht er brieflich Kontakt zu den Ausgetretenen, diese wollten jedoch meist in Ruhe gelassen werden.

Versuchen die Pfarrer, die Ausgetretenen umzustimmen? Wolfgang Schilling verneint: 'Dies wäre auch nicht sinnvoll, da einem solchen Schritt meist eine lange Überlegung vorausgegangen ist'.

Ähnliches sagt auch der evangelische Pfarrer Friedrich Martin in Obergünzburg, der vorübergehend auch in der Johanneskirche in Marktoberdorf die pfarramtliche Geschäftsführung innehat. 'Der Austritt', so Martin, sei ja nur 'der letzte Schritt' für die, die schon lange mit der Kirche nicht mehr im Reinen sind. Auch er sucht in seiner Heimatgemeinde Obergünzburg nach Motiven für die Austritte, ohne einen Hauptgrund zu finden. Bisweilen spielten hier aber wohl steuerliche Vorteile eine Rolle.

Der katholische Dekan Erwin Reichart würde deswegen statt der Kirchensteuer eine Kultursteuer nach italienischem Vorbild begrüßen (siehe Infokasten). Denn Geld dürfe kein Beweggrund für einen Kirchenaustritt sein, sondern nur der Abfall vom Glauben.

Darüber hinaus bedauert Reichart, dass die Austrittswilligen nicht im Vorfeld das Gespräch mit ihm suchen. Würde etwa der Austritt statt im Standesamt in den Pfarreien registriert werden, könnte er leichter mit den Austretenden ins Gespräch kommen. Traurig sei auch, dass die Skandale der vergangenen Jahre nach wie vor für viele ein Grund zum Austritt sind. 'Die Kirche ist viel mehr, als die schwachen Menschen', meint er.

Dass die aktuell diskutierten Pläne des Bistums, bis 2025 die Kirchen zu fusionieren, künftig wieder mehr Leute zum Austritt bewegen könnten, glaubt Reichart nicht.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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