Ausstellung
Yasam Sasmazer stellt die Frage nach der Identität: Ausstellung im Marktoberdorfer Künstlerhaus

Es geht um Identität. Und um viele Fragen, die die Auseinandersetzung mit dem Ich aufwerfen kann. In ihrer Ausstellung 'Doppelgänger' begibt sich die türkische Künstlerin Yasam Sasmazer auf die Suche. Ihre aus Holz geschnitzten Figuren enthüllen Fremdes und Vertrautes, Verstörendes und teils sogar Furchteinflößendes. Und dennoch haben sie immer mit dem zu tun, der sie betrachtet. Den 'Versuch eines Blicks in den Spiegel' nennt die Künstlerin ihr neues Projekt, das sie jetzt im Marktoberdorfer Künstlerhaus präsentiert.

Und es gelingt ihr, auch den Betrachter dazu zu bewegen, sich zu hinterfragen. Ein weiteres wichtiges Element dieser Ausstellung sind Zitate aus Büchern der Weltliteratur, die den einzelnen Figuren zugeordnet sind.

Unversehens sich selbst gegenüber

'Entweder sie oder ich, aber beide – das ist unmöglich' – diesen Satz aus Dostojewskis 'Der Doppelgänger' schreibt sie ihrer Skulptur zu, die zwei Liegende im Bett darstellt.

Die eine schläft, die andere liegt mit offenen Augen daneben. Die Schlafende betrachtet sich also selbst, so wie der Ausstellungsbesucher in den Figuren unversehens sich selbst gegenübersteht.

So wie Dr. Jekyll und jener Mr. Hyde in dem bekannten gleichnamigen Roman von Robert Louis Stevenson, der das gleichzeitig Gute und das Böse im Menschen thematisiert.

Damit greift auch die Künstlerin ihr Hauptanliegen auf: Das Abbilden der dunklen, oft verdrängten, und der hellen Wesenszüge, die jeden Menschen ausmachen, die untrennbar miteinander verbunden sind. Yasam Sasmazer ist 1980 in Istanbul geboren, lebt heute in Berlin und Istanbul.

Das Künstlerhaus habe sie für ihre neuen Arbeiten inspiriert, sagte sie am Rande der Ausstellungseröffnung. Wie die Kuratorin Maya Heckelmann bei der Vernissage erklärte, lote die Künstlerin die Möglichkeiten einer Person aus. Der Mensch als Geschlagener, als Verletzter, ja sogar als Toter: Das löse im Betrachter etwas aus wie Mitgefühl und Erschrecken. Schockierendes sei hier behutsam gestaltet.

Diese schonungslose Direktheit berühre. Und dabei würden die Figuren auch zum Doppelgänger des Betrachters. Frühere Arbeiten der Künstlerin sind im Altbau im Dr.-Geiger-Haus zu sehen.

Ermöglicht wird diese Ausstellung durch die Franz-Schmid-Stiftung. Deren Gründer, Altbürgermeister Franz Schmid, unterstrich, dass das Künstlerhaus die ganze Bandbreite von Kunst präsentieren will und jetzt auch eine internationale Künstlerin eingeladen habe.

Zu der Ausstellung 'Doppelgänger' ist eine Broschüre erschienen. Geöffnet ist die Ausstellung bis 23. September jeweils dienstags bis freitags von 15 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr. Die nächste Führung findet am 25. Juli um 16.30 Uhr statt. Info-Telefon 08342/918339.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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