Pausen
Wenn Ostallgäuer Arbeitgeber Rauchern Entwöhnungskurse zahlen

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Rauchen am Arbeitsplatz: kommunikative Pause, die gut für das Betriebsklima ist, oder sinnlos verplemperte Zeit, die dem Arbeitgeber Schaden zufügt? Nach Ansicht der Unternehmerverbände soll das Rauchen während der Arbeitszeit in Deutschland generell verboten werden (siehe Infokasten). Bei den meisten Firmen und Behörden in Marktoberdorf stellte sich das Problem nicht mehr: Wer raucht, muss eine Pause nehmen und ausstempeln, heißt es dort. Nur Nestlé in Biessenhofen geht das Thema gelassener an.

'Kein Handlungsbedarf'

Feste Raucherpausen gibt es im Landratsamt in Marktoberdorf nicht. Wegen der ohnehin flexiblen Arbeitszeiten habe sich nie ein Problem ergeben, berichtet Pressesprecherin Susanne Kettemer. Die mit dem Personalrat abgestimmte Regelung sei ganz einfach: Wer rauchen geht, meldet sich über die Stechuhr ab. Nimmt er seine Arbeit wieder auf, meldet er sich an.

Ähnlich wird bei der Firma Kaes mit seinen V-Märkten verfahren: Während der reinen Arbeitszeit ist das Rauchen tabu. Wer seine Zigarette braucht, muss dafür eine offizielle Pause einlegen. Es müsse ausgestempelt werden, erklärt Unternehmenssprecher Sylvester Greiter.

Im Marktoberdorfer Rathaus herrscht kein Kommen und Gehen auf den Fluren. Raucher geduldeten sich bis zur normalen Pause, zögen vor der Arbeit, in der Mittagspause oder nach Dienstschluss an der Zigarette, sagt Hauptamtsleiter Rupert Filser. 'Bei uns besteht überhaupt kein Handlungsbedarf, deshalb haben wir auch kein Problem mit der Zeiterfassung.'

Werner Gloning, Regionsvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), ist gegen ein gesetzlich geregeltes Rauchverbot am Arbeitsplatz. In seinen Augen haben die Unternehmerverbände eine 'überflüssige Scheindiskussion' angezettelt, weil es keinen Rechtsanspruch auf die Zigarette am Arbeitsplatz gebe. Gloning setzt auf das Fingerspitzengefühl der Arbeitgeber.

Damit befindet er sich auf einer Linie mit Nestlé in Biessenhofen. 'Bei uns gibt es Raucherpausen, die Arbeitszeit sind', erklärt der stellvertretender Werkleiter, Stephan Kühn. Gründe dafür nennt er gleich mehrere: Zum einen sei es viel zu aufwendig, bei den Raucher unter den 730 Arbeitnehmern die einzelnen Raucherpausen zu erfassen. Zum anderen werde auch nicht gemessen, wie lange sich jemand aus religiösen Gründen zum Gebet zurückzieht, in den Kopierraum geht und sich dort unterhält oder eine Kaffeepause einlegt. Sehr wohl werde den Rauchern zum Nachdenken mit auf den Weg gegeben, dass in der Zeit des Rauchens ein Nichtraucher seine Arbeit übernehmen müsse. Kühns Fazit: 'Es gibt viele Fälle, die den Arbeitgeber Geld kosten, die aber nicht ,Rauch' heißen.'

'Gut für mich' – und für Betrieb

Weil Rauchen grundsätzlich der Gesundheit schadet, der Betrieb aber auf gesunde Mitarbeiter angewiesen ist, bietet Nestlé einmal jährlich mehrwöchige Entwöhnungskurse unter ärztlicher Anleitung an. Das Unternehmen setze auch in anderen Bereichen auf Gesundheitsprävention. Das Ziel: Der Mitarbeiter sollen erkennen, 'das ist gut für mich' – und unter dem Strich dank vermutlich geringerer Ausfallzeiten auch gut für den Betrieb, sagt Kühn.

Die Eigenverantwortung betreffe auch die Pausen durchs Rauchen oder andere Tätigkeiten. 'Wenn sich alle daran halten, dass es maßvoll geschieht, dann ist das in Ordnung.' Denn ein kurzer Plausch unter Kollegen sei manchmal wichtig für ein gutes Betriebsklima. Und darum sei der Konzern sehr bemüht. 'Je mehr sich jemand in einer Firma unwohl fühlt, umso eher ist er bei einem Schnupfen nicht da.' Im Vergleich dazu seien die Raucherpausen wirklich nur Kleinigkeiten. (af/ses)

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