Alleinerziehende Info
Wenn Liebe in Verachtung mündet

Um die Sorgen von alleinerziehenden Eltern geht es in einer Serie, die wir vor einiger Zeit ins Leben riefen. Beim letzten Mal war deren Doppelbelastung durch Beruf und Erziehung Thema. In der heutigen Folge geht es vor allem um die emotionale Komponente.

Marktoberdorf/Ostallgäu Beim Bringen kein Wort, kein Blick - «Es gab nur noch Verachtung zwischen meinen Eltern», berichtet Jasmin. Als sie neun Jahre alt war, hat die heute 15-jährige Ostallgäuerin miterlebt, wie sich ihre Eltern trennten und ihr Vater auszog, bevor sie bei ihrer - dann alleinerziehenden Mutter - aufwuchs.

Das Schlimmste daran, so meint Jasmin, sei nicht die Trennung der Eltern gewesen, «sondern wie sie miteinander umgingen». Beide machten einander Vorwürfe und sagten auch der Tochter, warum sie den jeweils anderen Elternteil nicht mögen. «Ich war davon nur verwirrt», erzählt Jasmin von ihrem damaligen Gefühlsleben.

«Wer war jetzt der Böse?» Solche «Loyalitätskonflikte» und «emotionalen Brüche» hätten Kinder von Scheidungskindern häufig zu verkraften, erklärt Peter Seider, Leiter der Erziehungsberatung in Marktoberdorf.

Sich «verkriechen und zu nichts mehr Lust haben

Das fällt ihnen schwer: Es kann passieren, dass die Kinder verhaltensauffällig, krank oder aggressiv werden oder «sich verkriechen» und zu nichts mehr Lust haben. «Schule und Freunde waren mir egal», sagt Jasmin. Hier setzt die Beratung an: Es geht um die «Gesundung des Elternverhältnisses», betont Seiders Kollege Michael Hartwig von der Erziehungsberatung Kaufbeuren. Dabei behalte der Berater aber «einen neutralen Stand» und ergreife nicht Partei für einen Elternteil, so Hartwig.

Apropos Elternteil: Auch den betroffenen Eltern werde vermittelt, dass die Kinder nicht die Bösen sind, sagt Seider. Außerdem müssten sie ihre Trennung verarbeiten: «Zum Beispiel geht es darum, wie sie mit ihren eigenen Aggressionen umgehen, die aus der Trennung resultieren - und die parallel zu denen ihrer Kinder sein können», so Seider.

Gerade alleinerziehende Eltern kommen oft nicht dazu, sich um sich selbst zu kümmern und eine schwierige Scheidung zu verarbeiten. «Sie müssen im Prinzip 24 Stunden parat sein für die Kinder - auch wenn es ihnen schlecht geht», sagt Susi Thanheiser, selbst alleinerziehende Mutter: «Alles allein stemmen und noch gegenüber dem Kind die Starke mimen. Das ist nicht leicht.»

Deshalb rät Thanheiser, die in Kaufbeuren eine Selbsthilfegruppe für Alleinerziehende leitet, ihren Leidensgenossen dazu, professionelle Hilfe anzunehmen - und sich mit anderen alleinerziehenden Eltern auszutauschen. Auch in Marktoberdorf und in Buchloe gibt es solche offenen Gruppen, die auch mit Betreuungsangeboten für die Kinder verbunden sind.

In Marktoberdorf bietet Diakon Elmar Schmid seit über fünf Jahren Gruppen für Alleinerziehende an, in denen diese miteinander reden und ihre Gefühle aufarbeiten. Oft sei zudem jemand von einer «sozialen Fachstelle» eingeladen, der finanzielle oder rechtliche Fragen erläutert. «In der Gruppe Fragen zu stellen, ist leichter, als selbst zu einer Behörde zu gehen», so Schmid.

Das Ganze kann in Freizeitaktivitäten und private Hilfe münden. «Es geht nicht nur um die Gruppenstunde, sondern auch um gegenseitige Unterstützung, zum Beispiel im Rahmen einer Fahrgemeinschaft», sagen Schmid und Thanheiser. Oder beim Babysitting. Nach dem Motto: «Dieses Wochenende geht Ihr abends fort und wir nehmen die Kinder. Nächstes Wochenende machen wirs umgekehrt.»

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