Digitalfunk-streitigkeiten
Von wegen Funkstille

Bald wird er also kommen, der Digitalfunk für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS). Sehnsüchtig erwartet ihn aber kaum einer, so scheint es. Außer die Sicherheitsbehörden selbst vielleicht. Kritikpunkte gibt es einige: Die Technik sei veraltet und gefährde die Gesundheit, bemängeln viele. Die Staatsregierung wiederum wollte die Standorte aus Sicherheitsgründen zunächst nicht preisgeben, scheint nun aber kompromissbereit.

Seit Längerem regt sich in Schweinlang bei Kraftisried der Widerstand. Dort soll ein 40 Meter hoher Sendemast installiert werden, damit der Funk auch dort ankommt, wo er benötigt wird, nämlich auf den neuen Geräten der Feuerwehrler, Sanitäter und Polizisten. Im gesamten Ostallgäu sollen 20 Anlagen errichtet werden. Rund eine Milliarde Euro kostet der Aufbau des Netzes nach offiziellen Angaben in Bayern.

Für Marktoberdorf steht der Standort des erforderlichen Masten laut städtischem Bauamt noch nicht fest. Ein Mobilfunkbetreiber - an den sich dann der Digitalfunk anschließen will - habe bezüglich einer Erhöhung des 31 Meter hohen Masten am Hochbehälter bei Bertoldshofen angefragt. Dies ist laut Stadt aber nicht möglich. Nun fragte der Betreiber wegen eines rund 50 Meter hohen Masten an. Die Entscheidung über Standort und Zeitplan stehe noch aus: Es wird noch verhandelt.

Die Schweinlanger ihrerseits kletterten schon kurz nach Bekanntwerden der Pläne zum Bau des Masten in ihrem Weiler auf die Barrikaden. Ihre Argumente: Hohe Strahlungsbelastung und Verschandelung der Landschaft durch den geplanten Funkriesen beim Hochbehälter - in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung. Ortssprecher Michael Abel fasst die Stimmung klar zusammen: «Hier sind alle gegen den Mast.» Abel kritisiert außerdem den nicht nur nach Ansicht vieler Schweinlanger veralteten Tetrafunk: «Das ist ein nicht tragbares System, das 20 Jahre alt ist. Man darf doch da nicht nur an Sprechfunk denken, sondern auch an die Datenübertragung.» Die sei mit diesem System nicht sehr gut.

Die Staatsregierung ihrerseits behauptet das genaue Gegenteil und bezeichnet den Tetrafunk als «eines der modernsten Digitalfunknetze im Sicherheitsbereich», das «weltweit bewährt» sei.

Mehrere Alternativstandorte

Mittlerweile haben die Schweinlanger Alternativstandorte auserkoren, die derzeit von der mit der Standortprüfung beauftragten Firma untersucht werden. «Danach werden wir reagieren», sagt Kraftisrieds Bürgermeisterin Jutta Breitenmoser, die sich in einer schwierigen Lage befindet: «Natürlich verstehe ich die Schweinlanger, wenn sie sich Sorgen um ihre Gesundheit machen», sagt sie. «Aber ich verstehe auch die andere Seite. Nun müssen wir einfach beide Parteien und ihre Interessen unter einen Hut bekommen.»

Erhebliche Bedenken gegen den Tetrafunk hat die Vorsitzende der Mobilfunkinitiative Ostallgäu, Renate Marek. Zum einen beklagt auch sie, dass das System veraltet sei. Zum anderen zeigt sie sich über die Dauerstrahlung des Tetrafunks besorgt. «Außerdem ist die Informationspolitik der Staatsregierung mangelhaft», sagt Marek. Man bekomme nur auf Anfrage und dann nur für einen bestimmten Ort Informationen zu den Standorten der Masten. «Das wird an die Kommunen abgeschoben und auf deren Rücken ausgetragen.» Zudem ist sie sicher, dass 20 Masten im Ostallgäu nicht ausreichen werden. Nach Ansicht der Staatsregierung ist der Tetrafunk «gesundheitlich unbedenklich» und die Grenzwerte seien «nicht in Zweifel zu ziehen».

Marek dazu: «Viele Studien, die das behaupten, dürften in der Diskussion keine Rolle spielen, da sie mit Industriebeteiligung erstellt wurden.»

Jutta Breitenmoser nimmt die Staatsregierung in Sachen Informationspolitik in Schutz: «Sie stellt sich nicht gegen unsere Vorschläge, sondern arbeitet mit uns zusammen.» Breitenmoser: «Ich bekomme die Infos, die ich brauche.» Und schiebt nach: «Wenn nicht von der Staatsregierung, dann von den Firmen.»

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