Kirche
«Vom Bild des Dorfpfarrers verabschieden»

Die katholische Kirche und damit auch das Bistum Augsburg steht in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen. Denn die Zahl der hauptamtlichen Laien sinkt ebenso wie die der Priester. Rund 200 Geistliche werden es in absehbarer Zeit nur noch sein, weshalb immer größere Pfarreiengemeinschaften gebildet werden sollen. «Pastorale Raumplanung 2025» lautet das Konzept. Das hat etwa im Dekanat Marktoberdorf zur Folge, dass die 29 Pfarreien künftig in nur noch fünf großen Pfarreiengemeinschaften zusammengefasst werden.

Dabei ist der «alte» Prozess der Bildung kleinerer Pfarreiengemeinschaften noch nicht einmal abgeschlossen. Eine entsteht im Herbst, wenn Dekan Erwin Ruchte in den Ruhestand tritt. Dann wird Görisried mit Unter- und Oberthingau zusammengeführt. Doch das sei schon seit langem geplant, erklärt Dr. Armin Ruf, Referent für Gemeindeentwicklung.

Längerfristiger Prozess

So sei auch die neue Reform ein Prozess, der nicht von einem Tag auf den anderen umgesetzt werde, sondern erst bei einer personellen Veränderung. Das heißt: Wenn ein Pfarrer in den Ruhestand tritt oder ein Klosterpriester von seinem Orden abgezogen wird, wird die Stelle nicht neu besetzt. Dann werden die Gemeinden zusammengelegt.

Der Entwurf liegt seit kurzem den Pfarrgemeinderäten und Kirchenverwaltungen zur Beratung vor. Bis Ende Juni sollen sie dazu Stellung beziehen. Bis Oktober will das Bistum einen verbindlichen Personalschlüssel vorlegen, ehe danach die Namen für die Pfarreiengemeinschaften festgelegt und das Projekt nach und nach verwirklicht werden.

Die Folgen seien weitreichend, sagt Ruf. Denn die wenigen Priester seien nicht nur Seelsorger, sondern auch Leiter der Pfarreiengemeinschaft. Angesichts der Verantwortung für Mitarbeiter - vom Organisten über Gemeindereferentin bis zum Ruhestandsgeistlichen - seien sie gleichsam Chef eines kleinen mittelständischen Betriebes. Die Zeit für die eigentliche Seelsorge werde zwangsläufig kürzer. «Wir müssen uns verabschieden vom Bild des Dorfpfarrers.»

«Schmerzliche Einschnitte»

Die Zusammenlegung der weiterhin eigenständigen Pfarreien bringe es mit sich, dass nicht mehr jeden Sonntag oder Feiertag an jedem Ort die Eucharistie gefeiert werden kann, dass also abgewechselt werden muss. «Da wird es schmerzliche Einschnitte geben.» Die Gläubigen müssen dann zur Messe in Nachbarorte fahren.

Rufs Aufgabe ist es, Pfarrern wie Laien Gestaltungsmöglichkeiten aufzuzeigen, wie der Glauben im täglichen Leben trotz Priestermangels nicht verkümmert. Da gehe es - aber keinesfalls als Ersatz für die Eucharistiefeier - auch um neue Formen des gemeinsamen Betens in der Gemeinde. Das bedinge, dass der Pfarrer Verantwortung abgibt, ohne dass der Laie ein «kleiner Priester» wird. Der müsse Gestaltungsfreiheit erhalten und dürfe nicht ausführendes Organ sein.

Unterstützung kommt beispielsweise durch einen Gemeindereferenten, wie ihn die neue Pfarreiengemeinschaft Görisried, Unter- und Oberthingau erhält. Solche Berufsbilder gelte es gerade in der jetzigen Zeit zu fördern und attraktiv zu machen. Denn eines steht fest: «Ein Zurück in die bisherige Kleinstruktur gibt es nicht mehr.»

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