Planung
Verkehrskonzept für Marktoberdorf - Nach fast 25 Jahren drängt die Umsetzung

Es gibt Jubiläen, die eigentlich nicht als solche bezeichnet werden können und die auch niemand will. Das der Verkehrsplanung in Marktoberdorf zählt dazu. Bereits 1987, also bald vor 25 Jahren, gab es eine Verkehrserhebung, aus der ein Konzept erarbeitet worden war. Allerdings verschwand das mehr oder weniger in der Schublade. 'Der Bürger schaut sich seit mehr als zwei Jahrzehnten die Entwicklung an. Wenn er nun hört, es soll sich für ihn eventuell weiter verschlechtern, reagiert er kritisch', sagt Stadtbaumeister Peter Münsch.

Achse für Radler und Fußgänger

Bereits zum damaligen Zeitpunkt hätten die Verkehrsplaner erkannt, dass die Schwabenstraße stark von Fahrzeugen belastet ist. Diese sei aber eine wichtige Achse für Fußgänger und Radfahrer vom Norden in Richtung Zentrum, erinnert Münsch im Gespräch mit der AZ.

Vorgeschlagen worden sei eine Entlastung über die parallel dazu verlaufende Ruderatshofener und die Kaufbeurener Straße, was wiederum die Wohnqualität in der Schwabenstraße hätte steigern können.

Ebenso, verweist Münsch beim Blick auf das Gutachten von damals, seien die Hochwiesstraße, die Bahnhofstraße und die Ruderatshofener Straße als eine innerstädtische Hauptverkehrsachse herausgearbeitet worden. Deshalb sei damals eine Verlängerung der Ruderatshofener Straße über die Moosstraße mit Anbindung an die Gewerbestraße überlegt worden.

'Warum wurde bei der innerstädtischen Entwicklung nicht mehr Rücksicht darauf genommen?', hinterfragt er die Entscheidungen des Stadtrats. Denn größere Schulen und Einkaufsmärkte sorgten nun einmal zwangsläufig für mehr Verkehr auf diesen Straßen. Auch die Verkehrserhebung 2003/04 und darauf fußend das Gutachten von 2009 hätten die Problematik in diesen Straßen aufgezeigt.

Die Situation von der Hochwiesstraße bis zur AOK-Kreuzung sei schwierig in den Griff zu bekommen. In Richtung Norden sei immer wieder die große Nordspange (aus Richtung Thalhofen über die Johann-Georg-Fendt-Straße, Dieselstraße und Weitfeldstraße, weiter um Ennenhofen herum zur Gewerbestraße) angedacht und vor zehn Jahren in den Flächennutzungsplan aufgenommen worden. Eine 'effiziente Ergänzung' sei da der Anschluss an die B 12 bei Geisenhofen.

Zu lange, kritisiert Münsch, warte der Stadtrat auf den Bau der Umgehung von Bertoldshofen und verbinde das mit der Hoffnung, dies bringe auch eine Entlastung für die Marktoberdorfer Innenstadt – für den Stadtbaumeister mit Blick auf den hohen Anteil von Ziel- und Quellverkehr ein Trugschluss. Entlang der Bundes- und Kreisstraßen sei inzwischen an einigen Stellen einen Lärmpegel erreicht, der nicht einmal in einem Industriegebiet zulässig sei. Da seien Landkreis und Bund in der Pflicht, für Abhilfe zu sorgen. Auf ihren Straßen leiste die Stadt ihren Beitrag, indem sie heuer bereits 170 Kanaldeckel ersetzte, damit etwa Anhänger nicht mehr 'springen'. Über kurz oder lang komme man nicht mehr drumherum, auf viel befahrenen Straßen Flüsterasphalt aufzubringen, will man eine 'hörbare Minderung' des Lärms erreichen.

Münsch appelliert an den Stadtrat, der alle Maßnahmen entscheidet, nicht wieder so viel Zeit verstreichen zu lassen. Das Verkehrskonzept sei 'ein entscheidender Punkt in der Stadtentwicklung'. Es gehe dabei um die nächsten 15 bis 20 Jahre – wie in dem Gutachten von 1987, dessen Prognosen eingetroffen seien.

Infoabend für die Bürger

Carl Singer (Freie Wähler) hatte in der jüngsten Sitzung des Stadtrats gefordert, die veröffentlichten Zahlen aus dem Verkehrsgutachten auf die Homepage der Stadt zu stellen. Nur Zahlen im Internet zu präsentieren, lehnte Bürgermeister Werner Himmer ab. Es sei schwer, sie zu interpretieren, ohne das umfangreiche Gesamtwerk zu kennen. Deshalb plane er für Januar eine Informationsveranstaltung für die Bürger.

In die ähnliche Richtung ging Jutta Jandl (SPD): 'Wir könnten uns viel Ärger ersparen, wenn wir den Bürgern rechtzeitig erklären, was und warum wir was machen.'

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