Interview
Um die Tiere ging es noch nie: Vizie-Chefin des Marktoberdorfer Tierheims erhebt schwere Vorwürfe gegen Vorstand

Sabine Helbig (48) ist ausgebildete Sozialpädagogin und arbeitet seit dem Jahr 2010 im Marktoberdorfer Tierheim. Seit August 2013 fungiert sie als stellvertretende Tierheimleiterin.

Frau Helbig, Sie sind Angestellte des Tierschutzvereins und äußern öffentlich Kritik an Ihrem Arbeitgeber. Regelt man so etwas normalerweise nicht intern?

Helbig: Mit dem Gang an die Öffentlichkeit sehe ich die einzige Chance, dass sich etwas tut. Die jetzt geäußerte Kritik schwelt ja bereits seit Jahren. Ändert sich nichts, ist meiner Ansicht nach der Fortbestand des Tierheims Marktoberdorf in Gefahr.

Der Vorstand des Tierschutzvereins sagt, die Kritik an den Verantwortlichen sei gesteuert. Und Sie verfolgten letztendlich nur das Ziel, die Leitung des Tierheims zu übernehmen. Was sagen Sie zu diesen Vorwürfen

Helbig: Wissen Sie, ich leite das Tierheim jetzt seit eineinhalb Jahren stellvertretend. In dieser Zeit hatte ich keinen Urlaub, dafür aber eine Unmenge unbezahlte Überstunden. Mir geht es ganz sicher nicht um die Position der Tierheim-Leitung. Wenn ich wüsste, der Laden läuft ohne mich, würde ich gehen. Ich habe auch überlegt aufzuhören, weil die Situation unglaublich belastend ist. Derzeit würde vielleicht durch meinen Weggang die Situation deeskaliert, aber die Verhältnisse blieben die gleichen. Das Ziel, das ich verfolge, ist ein anderes: Ich wünsche mir einen Vorstand, der transparent sowie satzungsgemäß arbeitet - und der sich bewusst ist: Wir vertreten den Verein lediglich, er gehört uns nicht.

Miteinander reden hilft ja oft bei Problemen. Gab es denn Gespräche?

Helbig: Für mein Empfinden lässt der Vorsitzende, Herr Krämer, keine Kommunikation zu. Gespräche bleiben fruchtlos, weil man immer nur zu hören bekommt: Das hat Sie nicht zu interessieren! Mein Verhältnis zu Herrn Krämer als schwierig zu bezeichnen, das wäre wohl zu platt.

Entzündet hat sich der Streit an der Mitgliederversammlung im November. Was war da los?

Helbig: Es fing damit an, dass der Vorstand meiner Meinung nach unglücklich und unprofessionell auf sachlich vorgetragene Kritik reagiert hat. Es ging zum Beispiel um die Kassenaufstellung, um die Frage, warum nicht gezahlte Mitgliedsbeiträge nicht angemahnt werden oder warum die Stelle der Tierheimleitung nach eineinhalb Jahren noch nicht neu besetzt ist. Das sind Fragen, die man stellen darf, finde ich. Wir sind schließlich ein gemeinnütziger Verein. Herr Krämer hat beleidigt reagiert, abgeblockt und die acht neuen Mitglieder, von denen die kritischen Fragen kamen, anschließend aus dem Verein ausgeschlossen.

Krämer sagt, das sei das Recht des Vorstands.

Helbig: Das mag sein. Es ist nur so, dass das Vorgehen bei der Aufnahme neuer Mitglieder sonst ein anderes war: Anträge gingen an die Steuerkanzlei, die die Mitglieder verwaltet, und dann wurde der Mitgliedsbeitrag abgebucht - fertig. Dass auf einmal der Vorstand darüber entscheiden muss, halte ich für eine Schutzbehauptung. Hier geht es darum, sich Kritiker vom Leib zu halten.

Sie sagen, Ihnen geht es um den Verein als Ganzes. Was läuft Ihrer Ansicht nach falsch?

Helbig: Der Tierschutzverein hat sich selbst runtergewirtschaftet. Die rund 400 Mitglieder sind überaltert, wir bräuchten dringend junge Leute, Familien. Man müsste zudem die Ehrenamtlichen viel stärker einbinden. Aber da fehlt es an Gesprächskultur - das hat schon viele Leute verprellt. Und für die Mitarbeiter kann ich sagen: Dieser Job ist so grottenschlecht bezahlt, da müsste man wenigstens ein Klima schaffen, bei dem sich mit Freude arbeiten lässt. Dass dies nicht der Fall ist, zeigen die dauernden Personalwechsel.

Der Vorstand wirft Ihnen in diesem Zusammenhang vor, dass es keine vollständigen Aufzeichnungen über die Pensionstiere gibt.

Helbig: Das stimmt nicht. Alle Pflegeverträge werden von mir in einem Ordner gesammelt. Diesen Ordner hat Herr Krämer mitgenommen und aus ihm die Zahlen entnommen, die er bei der Mitgliederversammlung vorgetragen hat. Hätte etwas nicht gestimmt, dann hätte man es ja merken müssen.

Man gewinnt den Eindruck, in diesem Streit geht es gar nicht mehr um die eigentlichen Hauptdarsteller: die Tiere.

Helbig: Um die Tiere ging es noch nie. Das ist ein reines Machtspiel des Vorstands.

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Das komplette Interview lesen Sie in der Allgäuer Zeitung, Ausgabe Marktoberdorf vom Samstag, 30.01.2015.

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