Parteien Grafik
Überalterung der Parteien

63 Jahre beträgt das Durchschnittsalter der Stadt-CSU, 58,1 Jahre sind es beim Ortsverband der Christsozialen in Leuterschach. Doch auch die anderen Parteien in Marktoberdorf beklagen selbstkritisch ihre «Überalterung». «Mit einem Altersdurchschnitt von knapp 60 sind wir stark unterjüngt», sagt etwa SPD-Chef Christian Wagner.

«Wir müssen versuchen, das Interesse der Jungen an Politik zu wecken», betont Eduard Gapp, CSU-Vorsitzender in Marktoberdorf. Parteiübergreifend. Denn Gapp zufolge ist es generell schwer geworden, junge Menschen an Parteien zu binden. Er erklärt sich das mit der Tendenz, sich eher zeitlich begrenzten Aktionen anzuschließen. «Das sehe ich an meinen Kindern», so Gapp. «Die halten sich bis zuletzt alles offen.» Was langfristige politische Arbeit aber erschwere.

Christian Wagner bestätigt Gapps Einschätzung. «Die Jungen denken projektbezogen, unterschreiben Onlinepetitionen gegen Atomkraft oder die Kopfpauschale», so Wagner, oder engagierten sich bei Verbänden wie Greenpeace für «ihre» Themen. Dieses projektbezogene Denken halte viele möglicherweise davon ab, in eine «breiter aufgestellte» Partei einzutreten.

Zumal diese in der Regel nicht mit schnellen Ergebnissen aufwarten könne.

Junge Menschen ziehen weg

Einen anderen Aspekt bringt Axel Maaß (Grüne) ein. Die jungen Leute ziehe es beruflich oder zum Studieren vielfach nach Kempten, Augsburg oder München. Deshalb seien sie für die politische Arbeit vor Ort in Marktoberdorf verloren, so Maaß. Diese Tatsache spiegle sich in den niedrigeren Altersschnitten seiner Partei in Großstädten. «Bei uns sind es die 20- bis 25-Jährigen, die fehlen», ergänzt Grünen-Ortssprecherin Gerti Kustermann. «Wenn Mitglieder dazukommen, sind es meist 40-Jährige, deren Kinder schon aus dem Gröbsten heraus sind.

» Sorgen macht Kustermann wegen des Nachwuchsmangels die Kommunalwahl 2014: Es sei zumindest fraglich, ob die Stadträte Axel Maaß, Clara Knestel und Gerhard Küster nochmals anträten.

Gelassener sieht Dr. Hermann Seiderer, Ortsvorsitzender der Bayernpartei, die Lage: «Klar hätten wir gern mehr Jüngere. Andererseits ist die größte Wählerschicht mittlerweile eh zwischen 60 und 70 Jahre alt.» Auch Peter Grotz, Ortsvorsitzender der Freien Wähler, sieht in dem Fehlen der Jungen kein allzu großes Problem: «Die Leute interessieren sich nun einmal erst später für die Politik.»

Das sehen die Jüngeren selbst anders. Landwirt und Stadtrat Christoph Knestel etwa, mit seinen 36 Jahren drittjüngstes Mitglied der CSU Leuterschach: «Es ist schade, dass sich so wenige engagieren.» Dadurch bestehe Gefahr, dass die Interessen der Jungen vernachlässigt werden. Ihm selbst sei es ein Bedürfnis, die Belange der Landwirtschaft im Stadtrat zu vertreten.

Der zweite Grünen-Ortssprecher Stefan Sepp wiederum ist mit 33 jüngstes Mitglied der Marktoberdorfer Ökopartei. Auch er beklagt «totales politisches Desinteresse» vieler Junger - und singt ein Loblied der Kommunalpolitik: «Im Stadtrat könnte man doch direkt Einfluss nehmen und etwas bewegen.»

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen