Pfarrkirche 'St. Nikolaus'
Süßer die Glocken nie klingen als zur Weihnachtszeit

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Ein Wintergewitter versetzte die Bewohner des Ortes Wald am frühen Abend des 5. Januar vergangenen Jahres in Angst und Schrecken. Ein Blitz schlug in den Kirchturm der Pfarrkirche 'St. Nikolaus' und hinterließ seine Spuren leider nur zu deutlich. Der 1493 erbaute Turm der Kirche brannte und die Spitze in 60 Metern Höhe fiel dem Feuer komplett zum Opfer.

Die 220 Feuerwehrleute sowie viele Bürger der 1100-Einwohner-Gemeinde kämpften gegen die Flammen, doch Teile des Turms wurden zerstört. Das Wahrzeichen des Ortes stürzte ein. Bis nach Mitternacht waren die Helfer auf den Beinen und verfolgten im dichten Schneetreiben die Rettungsaktion.

Sechs Stunden lang hatte so das Feuer im Turm der katholischen Kirche gewütet. Anfänglich war es nicht klar, ob eine Sanierung möglich ist, oder ob der Kirchturm neu gebaut werden muss. Das traurigste Kapitel jedoch war, alle fünf Glocken wurden bei dem Feuer zerstört. Auch die älteste aus dem Jahr 1651 stammende ist zerbrochen. Monatelang konnten so die Walder nicht mehr durch das Glockengeläut zum Gottesdienst gerufen werden. Doch die Walder hatten noch Glück im Unglück.

Das Kirchenschiff blieb unversehrt und es wurde niemand verletzt. Umfangreiche Reinigungsarbeiten sämtlicher Ausstattungsgegenstände und der Orgel wurden gemeistert. Monatelang war es eine Baustelle auf der sich viele 'Helfende Hände' der Bewohner die Türe in die Hand gaben. Das gemeinsame Ziel aller war es, bei diesem Gemeinschaftsprojekt 'Spätestens zum Patronziniumsfest am 6. Dezember 2013 – dem Nikolaustag soll alles fertig sein.' Nachdem alles vom Ruß befreit war, erstrahlte das Kircheninnere im März wieder im gewohnten Glanz. Langsam kehrte für die Kirchengemeinde und Pfarrer Dr. Heinrich Krowicki wieder die Normalität im Ablauf der Gottesdienste ein. Die Messen wurden doch bis dahin in der Mehrzweckhalle und später im Pfarrhof gefeiert.

Konstruktion heute ganz anders Die 21 Meter hohe Turmspitze wurde in Segmente aufgeteilt und wurde wettergeschützt am Boden des Pfarrhofs gebaut. Allein das untere Segment, das bereits im November nach der Sanierung des Mauerwerks vergangen Jahres auf den Turm gehievt wurde, wog 7,5 Tonnen. Die Arbeiten am Kirchenturm waren natürlich aus wetterabhängig, denn die Arbeit in 60 Metern Höhe erforderte sichere Bedingungen. Windstille, wenig Schnee und Temperaturen über dem Gefrierpunkt waren notwendig. Die Spengler arbeiteten auf Hochtouren und verblechten die Holzkonstruktion. Eine weitere Firma plante den Glockenstuhl. Dann wurden noch neue Glocken bei einer Gießerei in Auftrag gegeben, da eine Reparatur nicht möglich war. Wichtig für alle Walder wurde die Findung des Klangbildes ihres Glockengeläuts. Darauf sollten die bestellten Glocken angepasst werden.

Der Bürgermeister Josef Ampßler rief seine Bürger zum Informationsabend zusammen. Die Anwohner sollten helfen und ihre privaten Aufnahmen nach Tonaufnahmen des örtlichen Geläuts durchsuchen. Das Vorhaben gelang. Am 8. September 2013 war es soweit. Der Weihbischof em. Josef Grünwald weihte die fünf neuen Walder Glocken. Anschießend feierte das ganze Dorf bei strahlendem Sonnenschein. Eine Woche später wurden diese bei Regenwetter aufgezogen. Ein Kran beförderte zuerst die kleinste, die Magnusglocke nach oben. Auch die zweite, die Nikolausglocke wurde vom Kranführer Helmut Müller millimetergenau mit dem 55-Meter-Ausleger in die Luke befördert, wo sie von den Mitarbeitern der Regensburger Turmuhrenfabrik mit einem Flaschenzug ins Innere gezogen wurde.

Die Chirstkönigsglocke mit über 2,2 Tonnen machte anfänglich Schwierigkeiten. Einige Steinbrocken wurden aus der Deckenmauer gebrochen. Die letzten beiden Glocken waren dann kein Problem mehr für den Kranführer und die Glockenbauer. Die Kirchturmrenovierung ging somit in die Endphase. Erstmals am 1. Dezember erklangen die Glocken für die Walder Bürger und viele angereiste und interessierte Ostallgäuer.

Besonders werden diese fünf Glocken aber am 24. Dezember die Menschen wieder zur Kindermette um 16 Uhr und zur Christmette, um 21 Uhr, in die Kirche St. Nikolaus rufen. 'Süßer die Glocken nie klingen als zur Weihnachtszeit' dies wird 2013 für die Menschen in Wald zutreffen. Der Klang steht als Symbol für Friede, Freude und Weihnachtswonne.

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