Porträt
Stadtgeschichte bewegt sie

Über die Stadtgeschichte näherte sie sich den Wurzeln Marktoberdorfs. «Ich bin hier schnell angekommen», sagt Ursula Thamm, die vor neun Jahren nicht nur aus der Stuttgarter Gegend nach Bertoldshofen zog, sondern seither auch als Marktoberdorfer Stadtarchivarin arbeitet. Im kommenden Frühjahr will sich die 62-Jährige in den Ruhestand verabschieden.

Ihr Amt wird dann Katharina Maier (27) übernehmen. Aber die Marktoberdorfer Stadtgeschichte wird Ursula Thamm so schnell nicht loslassen. Denn sie ist im Archiv auf viel Interessantes gestoßen, was sie noch publizieren will. Ganz konkret ist sie schon damit beschäftigt, eine Bertoldshofener Chronik zu verfassen. Und sie will noch ein paar Marktoberdorfer Biografien veröffentlichen. Eigentlich, so sagt sie, wäre es auch an der Zeit, die Stadtchronik von Martin Dömling, die 1952 endet, fortzuschreiben. Und eine Sulzschneider Chronik fehle auch noch.

Zuerst Lehre in der Metzgerei

Ursula Thamm ist eine sogenannte Quereinsteigerin. In Kaufbeuren geboren, in Irsee und Landsberg aufgewachsen, machte sie zunächst eine Lehre im elterlichen Metzgereibetrieb. Über den zweiten Bildungsweg absolvierte sie ein Studium zur Grund- und Hauptschullehrerin und arbeitete acht Jahre lang bei Esslingen in diesem Beruf. Nach der Geburt ihrer Tochter widmete sie sich ganz der Familie. Der Weg zurück in den Beruf war ihr 15 Jahre später aufgrund eines Lehrereinstellungsstopps, den die Landesregierung angeordnet hatte, verwehrt. In dieser Situation half ihr ihr Interesse an Geschichte. Sie bekam eine Stelle im Esslinger Stadtarchiv und eignete sich in ihrer zehnjährigen Tätigkeit dort das nötige Fachwissen als Archivarin an.

Archiv alles andere als trocken

Aber sie wollte zurück ins Allgäu. Und als ihr Mann 2001 in den Ruhestand ging, fand das Ehepaar in Bertoldshofen sein neues Zuhause. Just zu der Zeit, als in Marktoberdorf ein Nachfolger für Alfred Schauerte gesucht wurde, der das Archiv wie alle seine Vorgänger ehrenamtlich betreute.

Ursula Thamm ist die erste hauptamtliche Archivarin in Marktoberdorf geworden. Fünf Jahre arbeitete sie an der Sichtung, Neuordnung und Erfassung der Materialien aus den Ortsteilen. «Ich war fasziniert, wie viel Geschichte in den Akten registriert war.» Denn die Arbeit eines Archivars sei - entgegen der landläufigen Meinung - alles andere als trocken, sondern etwas sehr Spannendes und Lebendiges. Und gerade das Wissen um die Stadtgeschichte verbinde auch die Menschen, die in diesem Ort leben. Sie stifte Identität.

Um die Nutzung zu vereinfachen, führte Ursula Thamm ein professionelles Archivsystem ein. Es ist nach Beständen wie Urkunden, Akten, Schulen, Protokollbücher, Stiftungen, Theater, Museen/Galerien oder Nachlässe geordnet und zudem chronologisch in abgegrenzte Zeitabschnitte eingeteilt. In einem sogenannten Findbuch sind Stichworte und kurze Beschreibungen niedergelegt. Zukunftsmusik ist, dieses Findbuch - von persönlichen Daten befreit - ins Internet zu stellen.

Das wird nicht mehr ihre Aufgabe sein. Denn Ursula Thamm freut sich jetzt darauf, mehr Zeit mit ihrem Mann verbringen zu können und bei schönem Wetter spontan sagen zu können: Heute gehen wir in die Berge.

Auch etliche Bücher in ihrem Regal waren darauf, gelesen zu werden und sie will auch wieder verstärkt Klavierspielen, «was ich in den vergangenen Jahren stark vernachlässigt habe». Es gibt für sie also noch viel zu tun.

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