Beschluss
Stadt baut in Zukunft nur noch Passivhäuser

Egal ob Auto oder Haus: Oft wird nur auf die Anschaffungs- oder Baukosten geschaut, nicht aber auf die Folgekosten. Das sei bei städtischen Gebäuden früher nicht anders gewesen, stellte Richard Siegert vom Stadtbauamt fest, als er dem Stadtentwicklungs- und Umweltausschuss einen Überblick über den Energieverbrauch städtischer Liegenschaften gab.

Daraus entwickelte er gemeinsam mit Stadtbaumeister Peter Münsch und anderen Fachleuten eine Leitlinie, an die sich die Architekten zu halten haben. Das Wichtigste: Neue städtische Gebäude müssen Passivhausstandard haben, bei Generalsanierungen muss ein Standard eingehalten werden, der 40 Prozent über den Forderungen der Energieeinsparverordnung 2009 liegt.

«Es kann nicht sein, dass wir immer nur das bauen, was gerade verpflichtend ist», sagte Münsch. Als weitere zentrale Punkte stellte er die Forderung nach Langlebigkeit der Produkte und nach geringem Energieverbrauch heraus. Hintergrund ist auch ein Beschluss des Kreistages, das Ostallgäu bis zum Jahr 2020 zu 50 Prozent aus erneuerbaren Energien zu versorgen. Mit einem Anteil von 43 Prozent im vergangenen Jahr (im Jahr 2008 lag er bei fünf Prozent) sei die Stadt auf einem guten Weg. Das Ziel werde mit dem Neubau oder der Sanierung der St. Martinschule erreicht.

Auch die zum Teil kostenträchtigen Energiesparmaßnahmen, die der Stadtrat ergriffen habe, zahlten sich aus. Siegert nannte als Beispiele das Modeon, das Hallenbad und die Mittelschule. Bei allen städtischen Gebäuden habe der Gesamtverbrauch an Wärme im Jahr 2008 bei 12,3 Millionen Kilowattstunden gelegen, im vergangenen bei 9,8 Millionen. Das bedeute - trotz inzwischen deutlich gestiegener Energiekosten - einen Ausgabenrückgang von 774000 auf 610000 Euro.

Wesentlich schwieriger sei es, Strom zu sparen. Aber auch da wurden 14 Prozent oder 752000 Kilowattstunden weniger benötigt.

Insgesamt hatte Siegert, der aufgrund einer umfassenden Zusatzausbildung zertifizierter Gebäudemanager ist, 126 städtische Gebäude unter die Lupe genommen. Noch nicht erfasst sind rund 100 städtische Wohnungen. Doch die Tendenz sei deutlich: Von den Gesamtausgaben, die ein Gebäude vom Bau bis zum Abriss verursacht, gehe nur ein Drittel auf die Baukosten. Mit einem Betriebskonzept lasse sich dieses Verhältnis verbessern, sagte er. Die Folgekosten sollten deutlich niedriger sein als die Baukosten.

Vorbild über Landkreis hinaus

Dies soll durch die neue Leitlinie erreicht werden, von der Münsch überzeugt war, dass sie Vorbildcharakter in einem großen Umkreis über das Ostallgäu hinaus besitzt. Ganz genau ist in dem Katalog aufgeführt, was in Zukunft an Baustoffen verwendet werden darf und was nicht.

Ganz begeistert war Gerhard Küster (Grüne) davon - und das nicht nur, weil er darin «Uraltforderungen der Grünen» festgeschrieben sah. Das Konzept nehme dem Stadtrat auch viel Arbeit ab, weil nicht mehr bei jedem Projekt über Baustoffe und anderes debattiert werden müsse. Auch Wolfgang Hannig (SPD) sah darin einen «großen Schritt für die Zukunft». Als «wegweisend und nachhaltig» beschrieb Walter Breiner (Freie Wähler) das Werk. Bei zwei Gegenstimmen (Andreas Wachter, CSU, und Peter Grotz, FW) wurde es verabschiedet.

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