CSU
Staatssekretärin referiert über Ärztemangel und Pflegeberufe

Ob es einen Ärztemangel gibt, ist eine Frage der Perspektive. Dies wurde bei einer Veranstaltung der CSU Ostallgäu mit Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz (CSU) aus dem Bundesgesundheitsministerium deutlich. Denn seit 1990 ist die Zahl der Ärzte stark gestiegen. Die Frage ist allerdings, ob diese am richtigen Ort arbeiten. Zudem steht in vielen Praxen ein Wechsel an und ein Nachfolger ist oft schwer zu finden. Der Ostallgäuer Bundestagsabgeordnete Stefan Stracke ergänzte, dass von 140 Ärzten im Ostallgäu (mit Kaufbeuren) rund ein Drittel älter als 60 Jahre sind. Auch die Zukunft der Pflege im Heim und Zuhause war Thema der Diskussion, zu der 50 Zuhörer ins Gasthaus Burger nach Marktoberdorf gekommen waren.

Eine Frage der Sichtweise

Auch wenn die Klinikdebatte die politische Agenda im Landkreis bestimmt, war diese beim Besucher der Staatssekretärin - sie führte am Nachmittag Fachgespräche in der Reha-Klinik Enzensberg - nur ein Randaspekt. In Enzensberg bemängelten die Teilnehmer aus der gesamten Gesundheitsbranche vor allem die lähmende Bürokratie, die das Leben schwer mache. Widmann-Mauz versprach, die Anregungen mit nach Berlin zu nehmen.

Den Schwerpunkt legte Stracke, Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestages, am Abend auf allgemeine Entwicklungen: Bei Ärzte- und Pflegekräftemangel gehe es darum, die Versorgungsqualität flächendeckend sicherzustellen.

1990 sprach man bei 92000 Ärzten von einer Ärzteschwemme, nun befürchte man bei aktuell 138000 Ärzten einen Notstand, leitete Widmann-Mauz ins Thema ein. Das Problem sei, dass in dünn besiedelten Gebieten mit vielen kranken Senioren oft die Mediziner fehlen. Die Bundesregierung versuche, steuernd einzuwirken. Ein Schritt war die Anhebung der Arzthonorare - vor allem dort, wo die Einkünfte niedriger waren. Beim Versorgungsgrad, der für die Praxiszulassung maßgebend ist, müsse man zudem die Randbezirke stärker gewichten und mehr Entscheidungskompetenz in die Region verlagern. Auch Praxen seien denkbar, in denen mehrere Fachärzte im Wechsel Patienten behandeln. Erleichtern könne man zudem, dass Klinikärzte ihre Dienste ambulant anbieten.

Wichtig, so Widmann-Mauz, sei zudem die Pflege zu sichern. Ob das << gelebte Modell >>, dass vor allem zu Hause gepflegt wird, auf Dauer Zukunft hat, sei fraglich. Denn die Aussicht, dass sich pflegende Angehörige finden, werde immer schlechter. Nötig sei ferner, die Pflegebedürftigkeit neu zu definieren. Denn momentan finde der Betreuungsaufwand bei Demenz in der Pflegestufe keinen Niederschlag.

Neben einer guten Bezahlung von Ärzten und Pflegekräften müsse auch eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie gewährleistet werden. Wichtig werde auch ein neues Berufsbild. Derzeit gebe es Krankenpfleger, Kinderkrankenpfleger und Altenpfleger. Ziel müsse eine gemeinsame Ausbildung vor der Spezialisierung sein.

Kritische Wortmeldungen

Die anschließende Diskussion leitete Dr. Christian Alex (Waal), Vorsitzender des gesundheitspolitischen Arbeitskreises der CSU ist. Eine Zuhörerin sprach die mangelnde Bereitschaft junger Ärzte an, die Verantwortung für eine eigene Praxis zu übernehmen. Dr. Sabine Sprich drückte den Wunsch aus, wieder zu den alten Hausarztverträgen zwischen Krankenkassen und Medizinern zurückzukehren. Eine Zuhörerin kritisierte, dass die Bürger immer mehr zahlen, das Geld aber nur bei der Pharmaindustrie ankomme. Ihr widersprach die Politikerin vehement. In der Kritik beim Publikum war auch der hohe Bürokratieaufwand in der Altenpflege. Gefordert wurde zudem, mehr Gewicht auf die Prävention zu legen.

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