Neujahrsempfang
Spezialisierungen sollen Kliniken gesund machen

Mit fünf Flugzeugen im Landeanflug verglich Verwaltungsratsvorsitzender Stefan Bosse die Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren bei ihrem Neujahrsempfang am Mittwochabend im Modeon. Damit die Landung auch gelingt, müssten nun «intelligente Lösungen» gefunden werden. Bosse sieht diese vor allem in einer Strukturreform. Das heißt: «Nicht jeder macht alles und wir dürfen uns nicht gegenseitig Konkurrenz machen.» Große Hoffnungen setzen die Verantwortlichen dabei auf die engagierte Unternehmensberatung Kienbaum.

Sie sucht laut Bosse derzeit nach einem dritten Vorstand für den Bereich Organisation. Er soll möglichst bald eingestellt werden und ein sechsstelliges Jahresgehalt bekommen, wie Bosse im Gespräch mit der AZ erläuterte.

Zum wiederholten Male machte der Kaufbeurer Oberbürgermeister deutlich, dass der Verwaltungsrat an allen fünf Kliniken festhalten will. Denn Schließungen einzelner Häuser seien meist «der Anfang vom Niedergang» eines Verbundes. Und es sei «kein Hexenwerk», gute Lösungen im medizinischen und betriebswirtschaftlichen Bereich zu erlangen. «Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir auch ernst machen», betonte Bosse. Denn das Defizit von jährlich sechs Millionen Euro sei nicht erträglich. Das Geld fehle Stadt und Landkreis für andere wichtige Maßnahmen.

Die Ursache der hohen Defizite sei im Prinzip ganz einfach: «Wir nehmen weniger ein als wir ausgeben. Und das muss sich ändern.» Deshalb habe sich das Kommunalunternehmen jetzt mit Kienbaum noch Fachkompetenz an Bord geholt. Die Beraterfirma verstärke das Cockpit mit den Vorständen Ludwig Lederle und Dr. Joachim Klasen. Es könne zudem den Verwaltungsräten in der Business Class bei Bedarf die Leviten lesen.

Bosse räumte unumwunden ein, dass der Berater von 2010 die Kliniken nicht weiter gebracht habe. Denn die im Gutachten von Professor Vetter vorgeschlagene Erhöhung der Patientenzahlen allein, funktioniere nicht. Die Mitarbeiter in den Krankenhäusern «überschlagen sich bereits». Ihnen könne nicht noch mehr Arbeit aufgebürdet werden. Sie hätten zudem das finanzielle Defizit gar nicht zu verantworten.

Vielmehr müssten sich die einzelnen Häuser spezialisieren. Bosse machte deutlich, dass er es auch den Kaufbeurern zumuten werde, für bestimmte Eingriffe woanders hinfahren zu müssen. Unter einer wohnortnahen Versorgung und schneller Hilfe verstehe er eine halbstündige Anfahrt. Abschließend hoffte Bosse, dass er in einem Jahr ganz entspannt beim Neujahrsempfang sitze, während sein jetziger Stellvertreter und dann wieder Verwaltungsratsvorsitzender Landrat Johann Fleschhut über gute Ergebnisse spreche.

Vorstandsvorsitzender Ludwig Lederle hatte eingangs die Veränderungen in den einzelnen Kliniken in Füssen, Obergünzburg, Marktoberdorf, Kaufbeuren und Buchloe im Jahr 2010 erläutert. In vier Häusern fand demnach ein Generationswechsel bei den Chefärzten statt. Damit sei auch eine neue Ära angebrochen. Die neuen Chefärzte prägten die Zusammenarbeit im Verbund medizinisch, organisatorisch und menschlich.

In seinem Ausblick auf das Jahr 2011 machte Ludwig Lederle deutlich, dass eine perfekte medizinische Versorgung in Kliniken mit Hotelcharakter direkt vor der Haustüre nicht finanzierbar sei. Deshalb müsse es Strukturveränderungen geben. Diese böten die Chance zu qualitativen Verbesserungen.

Künstlerisch gestalteten den Abend die Musikkabarettgruppe «Maulquappen» aus Buchloe und Akrobaten von «Artistica Anam Cara» aus Kaufbeuren mit.

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