Gericht
Sexuelle Belästigung nicht beweisbar - Freispruch vor Kaufbeurer Gericht

'Es kann gut sein, dass es so war, wie in der Anklage geschildert, aber die Tat muss nachgewiesen werden,' meinte die Richterin am Ende eines Missbrauchsverfahrens vor dem Kaufbeurer Gericht. Einem heute 26-Jährigen aus Marktoberdorf war vorgeworfen worden, im Dezember 2010 eine damals 13-jährige Schülerin trotz Kenntnis ihres Alters zum Geschlechtsverkehr aufgefordert und sich damit des sexuellen Missbrauchs eines Kindes schuldig gemacht zu haben.

Vor Gericht bestritt er dies vehement. Weil es in den Aussagen des Mädchens Ungereimtheiten gab, wurde er nach dem Rechtsgrundsatz 'Im Zweifel für den Angeklagten' freigesprochen.

In Lokal begegnet

Der Angeklagte und die 13-Jährige waren sich am fraglichen Abend in einem Marktoberdorfer Lokal begegnet, wo die Mutter des Mädchens als Aushilfe tätig war. Laut Aussage des Mädchens hatte der junge Mann sie nach einem kurzen Gespräch aufgefordert, mit ihm nach draußen zu gehen, und sie dann am Arm zu einem gegenüberliegenden Schuppen gezogen.

Hier habe er sie gefragt, ob sie mit ihm Sex haben wolle. Dann habe ihr Handy geklingelt – ihre Mutter wollte wissen, wo sie sich aufhielt –, woraufhin sie und der Angeklagte wieder zurück in die Gaststätte gegangen seien.

Der junge Mann schilderte das Geschehen ganz anders: Er habe das Lokal zunächst allein verlassen, um zur Bank zu gehen. Auf dem Weg dorthin habe er gemerkt, dass ihm das Mädchen gefolgt sei. Schließlich habe sie ihn zur Seite gezogen und versucht, ihn zu küssen – woraufhin er sie weggeschubst habe.

Mehr sei nicht gewesen. Während der Angeklagte das Alter des Mädchens erst im Nachhinein erfahren haben wollte, war sich die Mutter der Schülerin vor Gericht sicher, dass der junge Mann sie vor dem Vorfall nach dem Alter ihrer Tochter gefragt habe.

Der Angeklagte beharrte vor Gericht darauf, dass die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen falsch seien. Für ihn handelte es sich um einen Rache-Akt des jungen Mädchens, weil er es nicht angerufen habe, nachdem es ihm am fraglichen Abend einen Zettel mit seiner Handynummer zugesteckt hatte.

Bei der Polizei hatte die Zeugin die Übergabe der Telefonnummer anfangs abgestritten, später dann aber doch eingeräumt. Die Richterin hielt es jetzt im Urteil für denkbar, dass das junge Mädchen seinerzeit verärgert war, weil sich der Angeklagte nicht gerührt hatte. Sie fügte hinzu: 'So könnte es gewesen sein –es muss aber nicht so gewesen sein.' Letztlich reiche die Beweislage im vorliegenden Fall aber für eine Verurteilung nicht aus.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen