Zugunglück
Schweres Bahnunglück bleibt unvergessen

Zehn Tote sind die traurige Bilanz des Zugunglücks, das sich am Samstag vor einer Woche in Sachsen-Anhalt ereignete. Eine noch größere Tragödie ereignete sich heute vor 40 Jahren, am 9. Februar 1971 in Aitrang: Bei dem zweitschwersten bayerischen Bahnunglück nach dem Zweiten Weltkrieg kamen 28 Menschen zum Leben.

Zudem gab es 19 Schwer- und 23 Leichtverletzte, als der Trans-Europ-Express (TEE) «Bavaria» auf der Fahrt von München nach Zürich gegen 18.44 Uhr nahe des Aitranger Bahnhofs entgleiste. Der Schaden belief sich auf gut 2,6 Mio. Mark.

Diese Katastrophe ist den Menschen in der Region noch präsent. Am Montag befasste sich der Aitranger Gemeinderat damit: Denn bis dato gibt keinen Gedenkstein, der an das Geschehen erinnert. Geht es nach Bürgermeister Jürgen Schweikart und Pfarrer Pater Johnson, wird sich das bald ändern.

«Ich habe den Räten eine steinerne Gedenktafel vorgeschlagen», so Schweikart. «Da es sich um eine emotionale Geschichte handelt, sollen sie aber erstmal darüber nachdenken.» Einen Beschluss werde der Rat am 14. März fällen. Schon mehrfach, zuletzt 2001, als sich das Unglück zum dreißigsten Mal jährte, gab es das Bestreben, am Unglücksort einen Gedenkstein zu errichten.

Die Bahn lehnt ein Mahnmal auf ihrem Gelände dort aber ab. «Deshalb würde unsere Gedenktafel auf Gemeindegrund aufgestellt, in der Kurve, in der das schreckliche Unglück passierte», so Schweikart.

Als Text soll die Tafel eine Beschreibung der Tragödie sowie die Namen der Opfer enthalten. An den Kosten von 500 Euro würde sich neben der politischen Gemeinde Aitrang auch die Pfarrgemeinde beteiligen, stellte Pater Johnson in Aussicht. Zudem soll beim Sonntagsgottesdienst am 13. Februar (um 9 Uhr in der Kirche St. Ulrich) der Opfer des Unglücks gedacht werden.

Doch was ist damals, an jenem nebligen und kalten Abend des 9. Februar 1971 eigentlich passiert?

Wie sich Chronisten erinnern, verlässt der TEE «Bavaria» den Hauptbahnhof in München fahrplanmäßig um 17.48 Uhr. Knapp eine Stunde später passiert er den Bahnhof von Aitrang und fährt in dichtem Nebel in eine enge S-Kurve ein. Obwohl dort maximal 80 Stundenkilometer erlaubt sind, rast der Zug mit 128 km/h durch Aitrang. Der Zug entgleist, Steuer- und Personenwagen stürzen über die Böschung, ein Personenwagen stellt sich quer zur zweigleisigen Strecke. Passagiere des TEE werden aus den Fenstern des Zuges geschleudert, 26 Menschen kommen ums Leben.

Nur wenige Minuten später prallt ein Schienenbus, der aus Kempten kommt, mit 40 Stundenkilometer in die Zugtrümmer, obwohl der Busfahrer noch eine Notbremsung einleitet. Auch im Bus sterben zwei Menschen, sechs Personen werden verletzt.

Ursache nie geklärt

So weit der Hergang der Katastrophe: Trotz genauer Untersuchungen konnte deren Ursache bis heute nicht geklärt werden. Immer wieder tauchte die Frage auf, weshalb der Lokführer so schnell fuhr.

Bei dem Mann handelte es sich um einen erfahrenen Mitarbeiter, der die Strecke kannte. Dass er einen Herzinfarkt erlitten haben könnte, schloss eine Obduktion aus. Unbestätigt blieb auch die Vermutung, dass die Bremsleitungen des Zuges defekt oder eingefroren waren.

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