Beschlossen
Schmiede für Radtalente stellt ihre Arbeit ein

Das Radsport-Gymnasium Marktoberdorf schrieb einst Geschichte. Es war das erste seiner Art in Bayern und sollte Zweiradtalente an große Erfolge heranbringen. Nun ist es selbst Geschichte. Es wurde dieser Tag aufgelöst. Die meisten Schüler kehrten an ihre Wohnorte zurück. Nur zwei blieben und wollen in Marktoberdorf ihr Abitur erreichen, sagt der Leiter des Gymnasiums, Wilhelm Mooser.

Der Schließung vorausgegangen waren Auseinandersetzungen zwischen dem Bayerischen Radsportverband (BRV) und dem Landestrainer Mountainbike, Karlheinz Buhl, der die Schüler in Marktoberdorf betreut hatte. Im Juli 2010 stand dessen Vertrag zur Verlängerung an. Am Ende habe es nur einen Übergangsvertrag bis Ende vergangenen Jahres gegeben, schildert Karl Höß, Vorsitzender des Vereins Radsportförderung Allgäu.

Höß nimmt Trainer in Schutz

In der Folge wurde viel schmutzige Wäsche gewaschen, unter anderem auf der Internetseite des BRV. Doch Höß, zugleich BRV-Vizepräsident für Breitensport, nimmt den Trainer in Schutz: «Es ist nicht wahr, was über Buhl erzählt wird.

» Denn seiner Arbeit sei es zu verdanken gewesen, dass Marktoberdorf sportlich das wurde, was es zuletzt war. «Er ist ein Supertrainer, der auch Ecken und Kanten hat, der aber auf die Belange der Sportler eingegangen war und sogar noch eigenes Geld in das Projekt investiert hat.» Zahlreiche Titel und Medaillen auf Welt- und Europaebene hätten seine Schützlinge geholt, dazu unzählige deutsche Meisterschaften. Durch Buhls auch vom Bundestrainer anerkanntes Engagement habe das Gymnasium das Prädikat Schwerpunktsportart Mountainbike erhalten, was wiederum Fördermittel auch des Bundes freigesetzt habe.

Viele zogen an einem Strang

Gleichsam mit auf dem Sattel saß der Förderverein mit Ostallgäus Landrat Johann Fleschhut als Präsident und Höß als Vorsitzendem. Allein im vergangenen Jahr habe der Verein über 100000 Euro für das Projekt eingeworben. «Sponsoren, Schule, Arbeitgeber - alle standen an unserer Seite.» Ebenso das Kultusministerium.

Auswirkungen auf Schule und Internatsbetrieb habe der Rückzug der Radsportler nicht, sagt Mooser. «Wir kommen mit den Belegzahlen im Internat so hin, dass wir in den schwarzen Zahlen sind.» Auch für ihn ist dies eine «traurige Angelegenheit»: «Wir haben alles geboten, was wir bieten konnten. Aber alles ist im Sande verlaufen».

Ein anderer Grund für den Rückzug sei, sagt Höß, dass der Deutsche Olympische Sportbund in Bayern nur zwei Olympiastützpunkte für den Radsport will: München und Nürnberg. Und eben in Nürnberg soll das Marktoberdorfer Modell neu aufgebaut werden. Höß kritisiert den Beschluss des BRV als «Fehlentscheidung». Denn Marktoberdorf habe keine Konkurrenz für diese Stellen dargestellt, sondern sollte Schmiede für junge Sportler sein. «Hier ist ein gutes Netzwerk leichtfertig aufgegeben worden.»

«Wir lassen uns nicht entmutigen. Wir werden andere Möglichkeiten suchen und finden, die Talente in unserer Region zu fördern.» Leicht, weiß Höß, werde das nicht. Denn der Radsport besitze wegen der Dopingfälle keinen allzu guten Ruf. Umso wichtiger war für Höß der Radsport-Stützpunkt Marktoberdorf als Leuchtturmprojekt.

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