Gericht
Scharfe Pistole im Schlafzimmerschrank

Was der Angeklagte als Racheakt einer eifersüchtigen Ex-Freundin schilderte, war für die Richterin im Strafverfahren vor dem Kaufbeurer Amtsgericht ein Fall von unerlaubtem Waffenbesitz, den sie mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 20 Euro ahndete. Der 36-jährige Landwirt aus dem mittleren Landkreis hatte nach Überzeugung der Richterin und der Staatsanwaltschaft im Frühjahr 2009 eine scharfe Pistole besessen, obwohl er dazu keine Erlaubnis hatte. Dass er mit der Waffe damals möglicherweise eine kranke Kuh erschossen hatte, spielte zwar strafrechtlich keine Rolle, war aber offenbar ein Auslöser für die Anzeige der Frau gewesen.

Weiterhin auf Kontaktsuche

Die 36-Jährige hatte den Landwirt Anfang vergangenen Jahres im Internet kennengelernt und war nach einem zweiwöchigen Urlaub im Februar dann im März mit ihren beiden Kindern ins Ostallgäu gezogen. Im Sommer ging die Beziehung auseinander - offenbar, weil die Frau nicht zu Unrecht vermutete, dass der Mann weiterhin im Internet auf Kontaktsuche war.

Der Vorfall mit der Waffe hatte sich laut Aussage der 36-Jährigen während ihres Urlaubs ereignet. Als sie sich damals mit ihrer besten Freundin, die zu Besuch war, im Schlafzimmer aufgehalten habe, sei der Angeklagte an der Terrassentür erschienen. Er habe sie aufgefordert, ihm aus einem Schrank seine Pistole zu reichen, damit er eine kranke Kuh erschießen könne. Sie habe ihm gesagt, «dass ich die Waffe nicht anfasse».

Daraufhin habe ihm ihre Freundin die Pistole gegeben, die unter der Wäsche lag. Die Freundin bestätigte dies als Zeugin und erinnerte sich daran, dass die Waffe «schwarz, kalt und sehr schwer» gewesen sei.

Auch die 16-jährige Tochter der Ex-Partnerin hatte laut eigener Aussage eine Pistole gesehen. Ob der Angeklagte mit der Waffe, die bei einer späteren Hausdurchsuchung nicht gefunden wurde, tatsächlich eine Kuh erschossen hatte, ließ sich vor Gericht nicht klären. Anders als der Verteidiger, der im Plädoyer von «abgekarteten Aussagen» der Zeuginnen sprach, hielt die Vorsitzende deren detaillierte Angaben für glaubhaft.

In Widersprüche verwickelt

Dagegen müssen zwei Zeugen aus dem Bekanntenkreis des Angeklagten wohl mit Falschaussageverfahren rechnen. Sowohl ein ehemaliger Betriebshelfer (22) als auch ein Freund (56) der Familie verstrickten sich bei ihren entlastenden Aussagen in deutliche Widersprüche -wobei der 56-Jährige nach Einschätzung der Richterin «den Vogel abschoss». Auf die Frage, ob er beim Angeklagten jemals eine Pistole gesehen habe, hatte der Mann nur geantwortet «Ich war nie im Schlafzimmer».

Erst auf den konkreten Vorhalt des Verteidigers, ob er denn vom Angeklagten erfahren habe, dass man ihm das Vorhandensein einer Waffe im Schlafzimmer vorwerfe, wollte er sich dann an ein solches Gespräch erinnern. (bbm)

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