Sanierung
Schaden an Sulzschneider Kirche viel höher als angenommen

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Die Sünden der Vergangenheit haben die Sulzschneider jäh eingeholt. Weil beim Bau der Pfarrkirche St. Pankratius beim Innenausbau nicht alles so gefertigt wurde wie üblich, muss auch das Gewölbe restauriert werden.

Kirchenpfleger Armin Klaus wird es angesichts der Zahlen allmählich schwindelig, denn bereits die momentane Sanierung von Fassade, Dach, Turmkreuz samt Kugel und anderem mehr verschlingt 600.000 Euro. Die Dachbalken, die eigentlich das Kirchendach tragen sollten, waren stellenweise so morsch, dass sie sich bei genauerer Untersuchung zu Holzmehl zerfielen.

Um die Belastung auf das Kirchenschiff mit seinen Deckengemälden und Stuckarbeiten so gering wie möglich zu halten, wurde deshalb auch innen ein Gerüst aufgestellt. Zum Glück, atmete nicht nur Architekt Christian Eger auf. Denn es hätte durchaus passieren können, dass das Innengewölbe herunter gebrochen wäre.

Ältere Sulzschneider erinnern sich noch gut daran, als in den 1970er Jahren schon einmal Teile des Gewölbes zu Boden stürzten. Schon damals wurde die Gefahr erkannt, dass sich mehr lösen könnte. Deshalb drehten die Handwerker an einigen Stellen massive Schrauben in die Decke - ungeachtet dessen, welche Schäden das in den Gemälden anrichtete.

Inzwischen steht fest, warum sich die Decke löst: << Die Bauarbeiter haben damals beim Kirchenbau die Schichten verkehrt aufgetragen >>, schilderte Eger den Mitgliedern von Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat beim Ortstermin. Der Laie wundert sich, der Fachmann klärt auf.

Schichten trennen sich

Das Gewölbe besteht zunächst aus einem Holzgerüst, das an den Kanten v-förmig zuläuft. Darauf sollte eigentlich der Unterputz aufgetragen werden, damit ein Teil der Masse in dieses V dringt und damit gleichsam einen Pfropf ausbildet, an dem der Unterputz hält.

Danach wird von oben die sogenannte Boxhaut aufgetragen. Die beiden Schichten bilden eine Einheit, die noch eine dritte Schicht - etwa für Gemälde und Stuck - halten kann. In Sulzschneid jedoch wurde erst die Boxhaut auf das Lattengerüst aufgetragen.

So konnte der Unterputz nicht mehr in den Hohlraum eindringen und hängt nur an wenigen Punkten. Die wiederum können nicht mehr das Gewicht halten. Die Schichten trennen sich voneinander.

Höchste Vorsicht angesagt

Weil aber die Gemälde nach Auffassung des Landesamts für Denkmalpflege unbedingt erhalten werden müssen, wurde fieberhaft nach einer Lösung gesucht und vermutlich gefunden. Mit einem feinen Bohrer arbeitet sich ein Experte von Dachboden aus bis zum Unterputz durch, fixiert ihn mit einer Schraube, an dessen Spitze sich ein Spezialkleber befindet, und verdrahtet das Ganze an der Boxhaut.

Solche Schrauben müssen im Abstand von zehn bis 15 Zentimetern gesetzt werden. Außerdem muss sehr vorsichtig gebohrt werden, damit die Gemälde nicht noch mehr Schaden leiden.

Wie lange sich die Arbeiten hinziehen, weiß niemand. Auch die Kosten lassen sich nicht beziffern, außer: << Sehr viel. >> Deshalb soll demnächst die Kirchengemeinde informiert werden, um gemeinsam zu überlegen, wie Geld für dieses Projekt geworben werden kann.

Wenigstens geht es mit der Außensanierung flott voran. Die Arbeiten liegen laut Eger im Zeitplan.

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