Tanken
Roulette an der Zapfsäule - Rekordpreise auch in Marktoberdorf

Tanken ist dieser Tage wie Roulette spielen. Füllt man den Tank bis zum Rand, sinkt der Spritpreis wenig später garantiert um zehn Cent ab. Im Mittel verharren die Preise jedoch auch in Marktoberdorf auf Rekordhöhen. Kein Glück an der Zapfsäule hat gestern Vormittag Manuela Glaser (26), 1,679 Euro pro Liter Superbenzin ist da zu lesen. Die Marktoberdorferin gibt deshalb nur 30 Euro aus. Wegen der hohen Spritpreise fahre sie aber nicht weniger. Sie brauche ihr Auto, weil sie in Kaufbeuren arbeitet. Das um drei Cent günstigere E 10 tankt sie 'aus Prinzip nicht', weil sie das Geschäft mit dem Biosprit nicht unterstützen will.

'In der Stadt erledige ich alles mit dem Fahrrad', erzählt Helmut Frei. Doch aufs Auto verzichten kann auch der 65-jährige Marktoberdorfer nicht – und so greift er ebenso zum 'Superhahn'.

'Die Leute sind sehr preisbewusst', sagt Heinz Groß von der Jet-Tankstelle. 'Bei hohen Preisen tanken sie wenig oder gar nicht und andersherum stehen die Autos Schlange, wenn es günstiger wird.' Das gleiche sich in der Summe aber aus. Auf Preisschwankungen habe er vor Ort keinen Einfluss, er erfahre Veränderungen meistens auch erst 15 Minuten vorher.

Von Tanktouristen erzählt Hermann Kopetschke, Inhaber von Opel Huber in Marktoberdorf mit eigener Tankstelle. 'Man merkt es deutlich, dass die Leute hier weniger tanken und dann nach Österreich fahren, wo der Sprit billiger ist', sagt Kopetschke. Das werde auch offen so gesagt.

Warten auf größere Reichweiten

Dass die Spritpreise so stark schwanken, kann Kopetschke nicht nachvollziehen. Nutznießer könnten andere Treibstoffe sein, das Interesse am Autogas steige jedenfalls wieder. Für die circa 2500 Euro teure Umrüstung müsse man 20 000 Kilometer im Jahr fahren, damit sie sich rechnet.

Beim Elektroantrieb seien viele potenzielle Autokäufer noch zurückhaltend: 'Da wird oft auf größere Reichweiten und sinkende Preise gewartet', sagt Kopetschke. Der Dieselantrieb bleibe wegen seiner Sparsamkeit aber auch in Zukunft attraktiv.

'Kleine Motoren und niedriger Verbrauch sind gefragt', sagt Harald Kraus, Geschäftsführer von Ford Kraus in Marktoberdorf. Auch bei ihm sei die Nachfrage nach Gasfahrzeugen gestiegen. Hybridauto – kombinierter Elektro- und Benzinantrieb – hat er hingegen keines im Angebot: 'Die kommen erst im Laufe des Jahres".

Die Laster des Marktoberdorfer Transportunternehmens Röhlich fahren mit Diesel und auch der ist inzwischen teuer: 'Wir müssen die steigenden Dieselpreise an unsere Kunden weitergeben', sagt Sonja Röhlich.

Vor Jahren seien die stark anziehenden Spritpreise aber ein größeres Problem gewesen, mittlerweile habe man sich damit arrangiert. Trotzdem: Der Dieselkraftstoff ist der größte Kostenfaktor des 70 Mitarbeiter und 40 Laster starken Unternehmens. Deshalb tanken die Italienfahrer auch regelmäßig in Österreich.

'Hybrid noch zu teuer'

Als der Ruderatshofener Florian Aufmuth gestern Mittag an die Marktoberdorfer Jet-Tankstelle kommt, kostet Superbenzin immer noch knapp 1,68 Euro. 'Da nehme ich diesmal das günstigere E 10.' Sein Skoda verträgt es, sagt der 26-Jährige. Privat versuche er, Fahrgemeinschaften zu bilden.

Für die Arbeit braucht Aufmuth aber das Auto. Ein Hybridauto sei ihm zu teuer. 'Es wird noch einige Jahre dauern, bis das für die Masse interessant wird', meint der Automechaniker.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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