Jugendkneipe
Protest gegen Kneipenpläne in Marktoberdorf

'Die Disco dort ist vom Tisch', sagten Jörg Neumann und Horst Gedler von der Firma Projekt2 bei der mit knapp 70 Gästen gut besuchten Anliegerversammlung zum Thema Jugendkneipe. Dieser Versuch, die Wogen zu glätten, scheiterte: 'Wir wollen unsere Ruhe' und 'Macht’s die Kneipen im Süden draußen. Da ist das Krankenhaus frei' schallte es ihnen entgegen.

Ständige Zwischenrufe

Ständige Zwischenrufe einzelner Bewohner des 'Gewerbegebietes Nord' störten den Vortrag Neumanns, der das 'Marktoberdorfer Weggeh-Projekt' vorstellte. Wie berichtet, will die Firma Projekt2 mithilfe eines Investors im Bürogebäude des insolvent gegangenen Betriebs 'Henninger' an der Ecke Gewerbe-/Kaufbeurener Straße mehrere Kneipen errichten. Er und Gedler wollten etwas gegen das Kneipensterben unternehmen, so Neumann. Als nach der Schließung von Stephan Lahrs 'Aha' 'Flair'-Pächter David Taube nach Kaufbeuren abwandern wollte, sei die Zeit zum Handeln reif gewesen.

Zumal zeitgleich das Henninger-Gebäude frei wurde und seitdem geradezu 'nach Nachnutzung' schreie, sagte Neumann, bevor ihn ein Anlieger rüde unterbrach: 'Mach’s doch in Stötten, wo Du herkommst', schrie dieser. Gemäßigter im Ton, aber zustimmend in der Sache äußerten sich andere: Der Standort sei 'absolut ungünstig'. Kneipen gehörten in die Stadtmitte, meinte etwa Simone Posner. Die Angst vor Lärm, Müll und Vandalismus eint die Anwohner, wie in der Versammlung deutlich wurde.

Zudem äußerten sie Unverständnis darüber, dass die Jugendkneipe nicht im ehemaligen Papillon entstehe. 'Wir wollen auch was für 16- und 17-Jährige schaffen', entgegnete Neumann. 'Beim Papillon wäre, mit einer Spielhalle im Haus, einer daneben und dem benachbarten Table-Dance-Schuppen, der Jugendschutz passé.'

Im Zentrum sei kein Projekt wie das geplante erlaubt. 'Letztlich ist das nur im Gewerbegebiet möglich', so Neumann.

In seinem Vortrag nannte er mehrere Argumente, warum sich die Lärmbelästigung in Grenzen halten würde: Da der Raucherbereich im Innenhof des Gebäudekomplexes geplant sei, gäbe es draußen kein 'Rumgegröle'. Zudem sei eine Disco in der Planung beim 'Henninger' gar nicht mehr vorgesehen.

'Nur zehnmal im Jahr ginge eine laute Halligalli-Veranstaltung in der Halle, selbst wenn wir genug Parkplätze bekämen', sagte Neumann. Damit machte er ein neues Fass auf.

Wie viele Parkplätze es geben werde und für wie viele Besucher die Kneipen ausgerichtet wären? 35 Parkplätze seien auf dem Areal nötig, laut derzeitiger Planung gebe es 43. Alle Kneipen insgesamt dürften 'nur' auf maximal 200 Besucher ausgerichtet sein, so Neumann.

Eineinhalbstündige Diskussion

'Wo parken die dann alle?' wollten empörte Anlieger anschließend wissen – wohl doch in ihren Wohnsiedlungen? Rasch kristallisierte sich heraus, dass die Anwohner nicht Musik und Lautstärke drinnen, sondern den Lärm draußen, etwa durch Soundanlagen der Autos fürchten.

Nach eineinhalbstündiger Diskussion beendete Neumann schließlich die Veranstaltung. Zuvor hatte ein Anlieger noch deren Ergebnisse zusammengefasst: 'Ihr könnt ja machen was Ihr wollt', sagte er zu Neumann. 'Mit Parkplatzsituation und Lärm sind wir nicht einverstanden. Aber das müsst Ihr lösen und sehen, dass Ihr nicht auf mehr als die erlaubten 45 Dezibel kommt.'

Laut Bürgermeister Werner Himmer schiebt die Stadt das Projekt ebenso wenig an wie sie es verhindert: 'Wenn Statik, Lärm- und Brandschutz geprüft sind, befürworten wir das Vorhaben formell. Aber für die baurechtliche Entscheidung ist das Landratsamt zuständig.'

Enttäuscht zeigte er sich vom Verhalten mancher Anlieger: 'Wenn ich wo eingeladen bin, höre ich zu und diskutiere dann kultiviert', so Himmer nach der Veranstaltung.

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