Feierstunde
Prof. Dr. Ulrich Sprandel tritt nach 27 Jahren als Chefarzt in Marktoberdorf in den Ruhestand

Mucksmäuschenstill lauschten sie seinen Worten. Als Prof. Dr. Ulrich Sprandel am Mittwochabend im Modeon-Foyer seinen Rückblick schließlich beendet hatte, sprangen die Gäste fast auf, um ihm zu applaudieren.

Der lange Beifall galt zum einem dem scheidenden Chefarzt der Abteilung Innere Medizin am Krankenhaus Marktoberdorf, zum anderen seiner beeindruckenden Rede. In dieser hatte er sich ohne Umschweife zur Schließung der Kreisstadt-Klinik geäußert:

"Das ist nicht gut für Marktoberdorf, das ist nicht gut für die Menschen und das war nicht gut gemacht." Sprandel war 27 Jahre Chefarzt und tritt nun mit 65 Jahren in den Ruhestand.

Die Laudatoren hatten Sprandel zuvor unter anderem als 'Brückenbauer' und Mensch mit Stil bezeichnet. Diese Charakterisierung bestätigte er mit seiner Abschiedsrede, in der er sehr deutlich, aber nie scharf die Klinikschließung kritisierte. Verlierer seien vor allem die älteren Menschen.

Die Region verliere nicht nur die Klinik, sondern laufe auch in Gefahr, viele Ärzte, qualifizierte Pflegekräfte, Notarzt und Fachärzte zu verlieren. Er erinnerte daran, Marktoberdorf habe seit 1501 ein Spital. Nun in Zeiten 'höchsten Reichtums' werde das Haus 'mutwillig und ohne Zwang gegen den Willen der Bürger geschlossen.

Ich frage mich: Ist es noch zeitgemäß, so am Willen der Menschen vorbei zu entscheiden?' Nun gelte es aber, nach vorne schauen und zusammenhalten: 'Wir brauchen einen starken Klinikverbund zum Wohl der Menschen.'

An die Beschäftigten appellierte er: 'Sie haben Gutes getan, machen Sie weiter so.' Menschliche Atmosphäre und Patientennähe seien das 'Markenzeichen' der Abteilung gewesen. 'Die Arbeit mit Ihnen für die Patienten hat mir Tag und Nacht Freude bereitet', dankte er den Mitarbeitern.

Ebenso dankte er den Belegärzten und niedergelassenen Ärzten für das Miteinander. Sein besonderer Dank galt seiner Frau Anna Maria und der ganzen Familie, die oft auf ihn verzichten musste.

Zu Beginn hatten die Klinik-Verantwortlichen das langjährige große Engagement des Chefarztes gewürdigt. Vorstandsvorsitzender Ludwig Lederle unterstrich, Sprandel habe immer den Patienten im Blick gehabt und sich durch Freundlichkeit, Patientennähe und Menschlichkeit ausgezeichnet, gepaart mit Führungsqualität und wirtschaftlichem Denken.

Verwaltungsratsvorsitzender Stefan Bosse nannte Sprandel einen Brückenbauer in mehrfacher Hinsicht: So habe dieser nach den turbulenten Zeiten ausdrücklich gewünscht, dass er, Bosse, bei seinem Abschied spreche.

Als Mitglied des Rotary Clubs habe Sprandel sich für eine gute medizinische Versorgung der Menschen in der dritten Welt eingesetzt, und bei den Kliniken habe er immer einen positiven Weg in die Zukunft gesucht: 'Es sind immer Menschen, die den Verbund tragen.'.

Landrat Johann Fleschhut sagte, Nachfolge-Überlegungen gebe es nicht, da sich am Haus Marktoberdorf bekanntlich 'einiges verändern wird'. Es freue ihn, dass es zumindest gelungen sei, eine Nachnutzung des Hauses zu finden.

Er betonte: 'Sie haben viele Jahre die Krankenhausentwicklung in Marktoberdorf und im Landkreis ganz entscheidend geprägt.' Auch seien in seiner Zeit wichtige medizinische Neuerungen eingeführt worden.

Worte des Dankes sprach ferner Dr. Georg Lederle, einst als Student, später als Assistenzarzt in der 'Inneren'. Er betonte Sprandels Kompetenz als Mediziner und seine 'Engelsgeduld mit Studenten'.

Der Kaufbeurer Radiologie-Chefarzt Dr. Wolfgang Beinborn (Flügelhorn, Flügel), sein Sohn Niclas (Tenor) und Klinikärztin Dr. Annette Ruffer (Flügel) gaben der Feier mit Stücken von Händel, Mandel und Kosma einen festlichen Rahmen. Beinborn hatte sie speziell für den Musikliebhaber Ulrich Sprandel ausgewählt.

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