Vortrag
Politikwissenschaftler Niemann bei Veranstaltung von VHS und AZ-Leserakademie in Marktoberdorf

'Wenn Sie in Zukunft ruhig schlafen wollen, sollten Sie den heutigen Abend besser woanders verbringen' – so begrüßte Ingmar Niemann seine Zuhörer im Rathaussaal. Die Volkshochschule und die Leserakademie der Allgäuer Zeitung hatten den Politikwissenschaftler und Philosophen, Rechtswissenschaftler und Japanologen für einen Vortrag über die Staatsverschuldung engagiert.

Mit zwei Billionen Euro war Deutschland 2011 verschuldet, stieg Niemann ins Thema ein und zeigte auf, wie sich der Schuldenstand seit den 70er-Jahren immer mehr aufgeschaukelt hat. Fatal sei, dass die Maastricht-Kriterien nicht eingehalten würden und dass sich Deutschland, trotz derzeit sehr guter Wirtschaftslage, immer weiter verschulde.

Schulden hätten aber auch die Unternehmen und die Konsumenten. Die Zinslast verschlinge einen großen Teil der Wirtschaftsleistung.

Zusätzlich zu den ausgewiesenen Schulden hat laut dem Referenten der Staat auch noch eine erhebliche 'versteckte' Verschuldung angehäuft: Das seien Zahlungsverpflichtungen und Zusagen für die Zukunft.

Eine sogenannte 'Generationenbilanzierung' nennt für Deutschland eine implizite Verschuldung von 251 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (zum Vergleich: USA 567 %, Großbritannien 530 %, Frankreich 255 %). Kritisch werde es in Deutschland, wenn die 'Babyboomer-Generation' in einigen Jahren in Rente gehe und dann ein großer Teil dieser Rentenverpflichtungen fällig werde.

Manipulierte Inflationsrate beklagt

Dabei brauche unser kreditgesteuertes Geldsystem Schulden, um zu funktionieren, sagte Niemann. Der Zins sei ein Verstärker des Konsums.

Problematisch sei es, wenn –wie aktuell – die Zinsen sehr niedrig sind: Dies führe zu einem gigantischen Wachstum der Geldmenge und das wiederum ziehe Inflation nach sich.

Die 'Inflationsrate' in Deutschland basiere auf einem Warenkorb, in dem Wohlstandsgüter überhaupt nicht enthalten seien. Als Inflations-Zeitbombe sieht der Referent die riesigen Geldmassen, die in Derivate gehen.

Ingmar Niemann zeigte Zusammenhänge und Fehlentwicklungen auf und legte den Finger in die Wunden unseres maroden Finanzsystems und des Euro-Raums.

Das Publikum beteiligte sich rege an der Diskussion. Denkanstöße zu geben und fehlendes Wissen zu vermitteln, ist dem Referenten ein großes Anliegen. Er bedauert, dass die Führungskräfte von Morgen ihr Abitur mit nur einem Jahr Wirtschaftsunterricht bauen können.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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