Bundespräsident
Politiker aus Marktoberdorf begrüßen Parteienkonsens in der Nachfolgefrage

Nun doch Gauck. Zwei Tage nach dem Rücktritt des bisherigen Bundespräsidenten Christian Wulff scheint dessen Nachfolger bereits festzustehen. CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne im Bund haben sich auf Joachim Gauck als ihren Kandidaten für das höchste Amt im Staat verständigt und damit auf den Mann, der im Juni 2010 schon einmal dafür im Rennen, aber im dritten Wahlgang gegen Christian Wulff gescheitert war. Gauck 'sehr authentisch'

Politiker aus der Region begrüßen den Konsens in der Nachfolgefrage und die Entscheidung für den einstigen DRR-Bürgerrechtler und Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde. Bei einer AZ-Umfrage Anfang Januar zu den Rücktrittsforderungen gegenüber Wulff hatte Stephan Stracke zu den Politikern gezählt, die für ihn Partei ergriffen.

Heute sieht der CSU-Bundestagsabgeordnete in den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen einen 'qualitativen Sprung' in der Causa Wulff, der dessen Rücktritt letztlich notwendig machte. Stracke begrüßt die Entscheidung, nun Gauck für das Amt aufzustellen.

Er habe diesen vor einiger Zeit in Kaufbeuren als einen 'sehr authentisch' wirkenden Menschen mit hervorragender Rhetorik erlebt. Auch könne er seine Anliegen gut vermitteln. 'Sehr, sehr gut' findet Stracke auch, was Gauck kürzlich äußerte: Den Deutschen gehe es gut.

Sie müssten aber immer das richtige Maß halten und ihre 'Verantwortung wahrnehmen'.

Kritischer Präsident gewünscht

Eduard Gapp, Vorsitzender des CSU Marktoberdorf, war bei der AZ-Umfrage auf klare Distanz zu Wulff gegangen. 'Sein Rücktritt war überfällig', kommentierte er gestern dessen Schritt. Besonders freut den CSU-Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat, dass Gauck sich auf eine parteiübergreifende Zustimmung stützen kann und er 'sehr große Sympathien in der Bevölkerung genießt'.

Gauck sei sicherlich manchmal unbequem für die Parteien. 'Doch das macht nichts', meint Gapp. Die Bürger 'wollen und brauchen einen Bundespräsidenten, der sich auch kritisch äußert, unabhängig ist und quer denken kann'.

Das habe schon immer gute Präsidenten ausgezeichnet.

'Ich habe mich sehr gefreut, als ich erfuhr, dass er es wird', hält SPD-Fraktionschef Wolfgang Hannig mit seiner Sympathie für Gauck nicht hinterm Berg: 'Ich glaube, dass wir mit ihm einen richtig guten Bundespräsidenten bekommen, vor allem einen für alle Deutsche'.

Schon bei Gaucks erster Kandidatur habe er das Gefühl gehabt, dass 'die große Mehrheit der Deutschen für ihn ist'. Froh ist Hannig, dass es ein 'All-Parteien-Vorschlag' ist – doch hätte man 'dabei die Linken mitnehmen sollen'. Den Ruf nach einer 'Frau Bundespräsidentin' kann Hannig zwar verstehen, aber in der aktuellen Situation sei Gauck 'die richtige Wahl'.

'Frau wäre richtiger gewesen'

Eben dieser Meinung ist Axel Maaß nicht. Der Stadtrat der Grünen hat zwar nichts gegen Joachim Gauck, 'doch wäre eine Frau nach einer so langen Zeit der Emanzipationsbewegung an der Spitze des Staates richtig'. Er könnte sich dafür zum Beispiel die evangelische Theologin Margot Käßmann vorstellen oder die Grünen-Politikerin und Bundestagsvizepräsidentin Kathrin Göring-Eckhardt.

Jedenfalls war nach Meinung von Maaß der Rücktritt von Wulff 'längst überfällig'. Wäre Wulff 'viel früher in die Offensive gegangen, wäre ihm nicht sonderlich viel passiert', schätzt der Stadtrat.

Ob Gauck nun die beste Nachfolgelösung ist, wage er nicht zu beurteilen, zumal es nach seiner Einschätzung 'eine ganze Reihe geeigneter Personen für das Bundespräsidentenamt gibt'.

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