Operette
Operette Im Weißen Rössl im nicht vollbesetzten Modeon in Marktoberdorf

'Die Operette ist tot, es lebe das Musical.' Immer wieder hört man diese schwarz-weiß gemalten Vergleiche, aber stimmen sie wirklich? Natürlich gibt es unzählige, mit platten, verstaubten Handlungen und billigen Gags durchsetzte Operetten, die mit Recht verschwunden sind, aber viele sind Meisterwerke der leichten Muse und werden zum Entzücken des Publikums auch heute noch gespielt.

Das Freie Landestheater hatte "Im Weißen Rössl" von Ralph Benatzky im Gepäck, als es im nicht ganz vollbesetzten Modeon gastierte.

Farbenprächtige Szenerie

Voraussetzung und wichtiger noch als bei einer Oper sind bei ihrer Schwester der leichten Muse eine flotte Inszenierung, eine farbenprächtige Szenerie, bunte Kostüme und straff geführte, humorvolle Texte. Das Produktionsteam des Landestheaters hatte mit der Wahl gerade dieser Operette eine dramaturgisch glückliche Hand bewiesen. Das 'Weiße Rössl' lebt von einer schwungvollen, nie in Plattitüden abdriftenden Handlung, sie hat Witz, auch ein wenig Herz-Schmerz, der Kontrast zwischen Spree–Berlin und Wolfgangsee bringt auch sprachlich Vergnügliches und die Melodien sind zu Ohrwürmern geworden: 'Im Weißen Rössl', 'Im Salzkammergut…', 'Was kann der Sigismund dafür…', es gäbe noch manches aufzuführen.

Dass sich zum Schluss die drei Paare kriegen, die das Textbuch vorgesehen hat, war den Zuhörern von Anbeginn klar, auch wenn es bei der schönen Wirtin und ihrem Zahlkellner Leopold recht lang gedauert hat. Für die Vermittlung der zündenden Musik zeichnete Dirigent Rudolf Maier-Kleeblatt verantwortlich und das bestens disponierte Orchester gab der Handlung ordentlich Schwung.

Bei all seinen bisherigen Gastspielen hat sich das Freie Landestheater Bayern stets durch eine fantasievolle und sorgfältig durchdachte Regie ausgezeichnet. Die Choreografie aller auf der Bühne agierenden Personen stimmt bis ins Detail. Der Handlung angepasste, variantenreiche Kostüme und Trachten tun ebenso ein Übriges dazu wie der Griff in die gut sortierte Requisitenkammer.

Ein paar Beispiele? Die Badeszene mit den züchtigen Trikots, Federballspiel auf der Bühne, das altmodische Fahrrad oder der 'Zug' auf den Schafberg. Kaiser Franz Joseph II., eine herrliche Karikatur in der Person von Max Mühlbauer.

Fesch und stimmgewaltig

Überhaupt waren die Darsteller durchweg 'Top in Form'. Elisabeth Neuhäusler als fesche Wirtin eine Augen- und Ohrenweide, ebenso ihr Verehrer Leopold, alias Kurt Schober, Christian Theodoridis als Berliner mit entsprechendem Tonfall, der schöne 'Sigi', für Wolfgang Wirsching eine Paraderolle.

Die Damen Doris Langara (Ottilie), Jana Gräfin von Matuschka (Klara), die herrlich jodelnde Anja Hoffmann als Kathi trugen wie alle anderen zu einem erfolgreichen Abend bei. Die Operette lebt doch!

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen