Fastenmonat
Nichts essen und trinken: Mit Gottes Hilfe «kein Problem»

Den ganzen Tag nichts essen und nichts trinken - und das auch bei über 30 Grad Celsius. So fasten in diesem Monat viele Muslime in Marktoberdorf. Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang dauert jetzt im Ramadan jeden Tag die Durststrecke. Am Montag, 29. August, endet der Fastenmonat. Das Fasten entschlackt den Körper, findet die Ehefrau des 27-jährigen Savas Güngör. Sie fühlt sich gut dabei, weil der Körper so Gifte abbaue und sie sich trotzdem jeden Tag auf das abendliche Essen freuen darf. Ihr Mann musste das Fasten dagegen unterbrechen: << Weil ich ein Antibiotikum gegen Grippe nehme. >> Der Gesundheit darf der Ramadan nicht schaden.

Jeden Abend nach Einbruch der Dunkelheit hat für die Marktoberdorfer Muslime das Warten ein Ende: Dann tischt auch die türkischstämmige Marktoberdorfer Familie Sagir zum Fastenbrechen groß auf. Am Mittwochabend finden sich Familie Sagir, Nachbarn und Imam Ismail Senkul rechtzeitig am reich gedeckten Tisch ein. Um 20.24 Uhr ist es dann soweit, die Sonne ist untergegangen. Nach gut 16 Stunden darf Cemal Sagir, Vorsitzender der türkisch-islamischen Gemeinde, jetzt wieder essen.

Das Fasten scheint sich gelohnt zu haben. Gebratene Rindfleischwürfel, Sarma (Hackfleisch und Reis in Weinblätter eingewickelt), Türlü (Beilage aus grünen Bohnen, Kartoffeln und Tomaten), getrocknete Bohnen, gemischter Salat und das Gebäck Börek haben die Frauen Sennaz Sagir und Perihan Beyaz am Nachmittag vorbereitet.

Geselligkeit ist wichtig

Manche der gekommenen Fastenden beginnen das Essen mit einer Dattel, wie es der Prophet immer getan hat. Andere löffeln zuerst die Joghurtsuppe mit Kichererbsen. Sie alle genießen dabei nicht nur das Essen. Auch die Geselligkeit ist im Ramadan wichtig. Jeden Abend lädt ein andere türkische Familie zum gemeinsamen Essen ein.

Bei Temperaturen über 30 Grad nichts zu trinken, mache ihnen nichts aus, beteuern Cemal Sagir und Bahattin Beyaz. << Gott gibt Geduld >>, sagt Beyaz. Ein bisschen Erfahrung brauche man aber schon: << Wir frühstücken nichts Scharfes, damit wir keinen übermäßigen Durst bekommen. >> Und gefrühstückt wird im Ramadan sehr früh. Sagir steht jeden Morgen um vier Uhr auf, isst und trinkt etwas, bevor er in die Moschee zum Beten geht. Danach kann er sich nochmals hinlegen. Der Fendtler hat Urlaub.

Gefastet wird auch bei der Arbeit

Doch auch während der Arbeit sei Fasten kein Problem, versichern Sagir und Beyaz: << Man gewöhnt sich daran. >> Und am Abend winkt die Belohnung. Nach dem Hauptgang dürfen da Schwarztee und Baklava (eine himmlisch-süße, orientalische Nachspeise mit Nussfüllung) nicht fehlen.

<< Manchmal sitzen wir bis zwei oder drei Uhr in der Nacht zusammen >>, erzählt Sagir. Am Abend gibt es eben viel nachzuholen.

Dazu treffen sich die Muslime aus dem Raum Marktoberdorf heute Abend in der Moschee - an einem noch größeren, reich gedeckten Tisch. Sie feiern gemeinsam die Offenbarung des Koran gegenüber dem Propheten. << Eigentlich müsste die Moschee jeden Abend ein Essen anbieten >>, sagt Sagir. Doch derzeit lohne sich das kaum, weil viele Türken gerade ihren Sommerurlaub in der Heimat verbringen. Aber egal wo, feiern die Muslime diesmal am 30. August mit dem Zuckerfest das Ende das Ramadan. Da entschädigen viele süße Köstlichkeiten für die Entbehrungen des Fastenmonats.

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