Weiberfasnacht
Neun Leuterschacher Hexen stürmen Marktoberdorfer Rathaus und Polizei

Neun Weiber schnattern durcheinander, eine schminkt die andere, ein Schlückchen Kaffee da, ein Schnäpschen dort. Es ist Weiberfasnacht, halb neun Uhr morgens und die Leuterschacher Hexen bereiten sich für allerlei Narretei vor - und zwar im Haus von «Hexen-Mama» Anneliese in Leuterschach. «Mei, sind wir schee», loben sich die flotten Hexen selbst.

Und Recht haben sie. Keine Spur von Hexenbuckeln und krummen Nasen. Fesche lila Hexenkostüme samt Besen tragen sie allesamt. Anneliese dirigiert mit ihren 71 Jahren den Hexen-Nachwuchs (zwischen 20 und 40 Jahren). Nach anderthalb Stunden haben sich endlich alle geschminkt und ein bisschen Mut angetrunken. Jetzt kommt der Einsatz von Chauffeur Magnus, erste Station ist die Polizei in Marktoberdorf.

«Dürfen wir Bullen sagen», fragt Anneliese dort aufgeregt Polizeichef Alfred Immerz. «Jetzt ist es schon egal», findet «der Bulle von Marktoberdorf» lachend und die Hexen legen singend los: «Gestürmt wird von uns das neue Haus, heut holen wir die Bullen raus.» Gesagt, getan: Ein Polizist muss mit. Und so «kidnappen» die wild gewordenen Weiber den Beamten Rudolf Stiening. Ihr «Rudi» begleitet sie ins Rathaus, wo jetzt Bürgermeister Werner Himmer an die Reihe kommt.

Der kann sie schon von Weitem hören: «Komm, hol den Charly raus, wir stürmen heut das Rathaus», trällern die Hexen auf ihrem Beutezug durch die Marktoberdorfer Stadtverwaltung. Doch dort haben die weiblichen Angestellten um elf Uhr vormittags schon ganze Arbeit geleistet. Die Krawatten hängen auf Halbmast, das hindert die Hexen aber nicht daran, sich von Münsch, Guggenmos, Filser und Co. noch ein Stückchen Krawatte für die private Hexensammlung abzuschneiden. «Das ist aber nicht Ihre neueste», schimpfen die Hexen auf Filsers Krawattenwahl. Und über solche Umwege landen die Hexen dann schließlich beim Bürgermeister. Den fragt Anneliese gleich: «Charly, hast Du schon geküsst?» Das lässt sich das Stadtoberhaupt nicht zweimal fragen und meldet sich zum «Kuss-Contest».

Auf eine Siegerin legt sich das Stadtoberhaupt zwar nicht gleich fest. Es kann aber eigentlich nur Anneliese gewonnen haben: Sie ist die «Chefküsserin», da bleibt kein Mund und keine Wange trocken.

Allgäuer Zeitung auch besucht

Ebenso wenig bleibt die Allgäuer Zeitung von einem Besuch der Hexen verschont. Doch die Enttäuschung der Leuterschacher Weiber ist groß, als sie im ganzen Haus keine einzige Krawatte abschneiden können. «Krawattenpflicht» schreiben sie deshalb für nächstes Jahr groß in den Kalender, bevor sie ein Haus weiterziehen - zur Stärkung mit Weißwürsten. Der Tag ist noch lang, bis acht Uhr abends wollen die Hexen durch die Kneipen ziehen.

Im richtigen Leben sind fast alle der Hexen verheiratet, ihr Hauptberuf: Mama. Doch am Gumpigen Donnerstag gelten nun mal eigene Gesetze. Das wissen auch die Männer der Hexen, die zuhause Dienst tun - auch 2012, wenn es wieder heißt: «Hee - Duu - hee, sind die Leuterschacher Hexen schee.»

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