Integration
Neue Zuwanderer müssen in ihrer Wahlheimat im Ostallgäu zunächst Schulbank drücken

3Bilder

Bianka Tanushi aus Thalhofen ist freiwillig im Deutschkurs für ausländische Mitbürger. Die 27-jährige Albanerin paukt Tag für Tag in fünf Schulstunden die deutsche Sprache. Ihr Ziel: deutsche Staatsbürgerin werden. Dafür nutzt sie einen Kurs des Kolping-Bildungswerks in Kaufbeuren, das Deutschunterricht seit dem Zuwanderungsgesetz im Jahr 2005 auch in Marktoberdorf anbietet.

Außer Tanushi kommen zwei weitere Teilnehmer auf eigene Initiative zum Kurs. Sie leben schon länger in Deutschland. Ebenso besuchen derzeit 15 Neu-Zuwanderer (überwiegend Frauen) einen Kurs in Marktoberdorf, weil sie vom Landkreis bei der Einreise 2011 dazu verpflichtet wurden. Im Vorjahr schickte die Ausländerbehörde im Ostallgäu 50 Leute zu Integrationskursen.

'Jeder Neu-Zuwanderer, der sich dauerhaft niederlassen möchte, muss einen Kurs machen', erklärt Karl Geiger, Leiter der Ausländerbehörde im Landratsamt – außer die neuen Mitbürger beherrschen schon gut Deutsch und können das auch nachweisen. Eine Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr haben alle Ausländer im Kurs und sie müssen bei der Einreise auch bereits einen Anfängerkurs in Deutsch aus ihrer Heimat vorweisen.

In 600 Stunden lernen sie dann in Deutschland zuerst die deutsche Sprache, ein 45-stündiger Orientierungskurs über Gesellschaft und Recht schließt sich an. Asylbewerber dürfen die Integrationskurse nicht besuchen.

Kompliziert und anstrengend

'Ich will mehr verstehen, aber Deutsch ist sehr kompliziert für mich', sagt die Brasilianerin Leoneide Lima-Zeizel (26). Abends arbeitet sie als Pizzabäckerin, so hat sie tagsüber Zeit für den Unterricht. Bianka Tanushi aus Albanien ist seit acht Jahren in Deutschland. In Thalhofen betreiben sie und ihr Mann ein Restaurant. Außerdem hat sie drei Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren. Und dann noch Deutschkurs. 'Das ist schon anstrengend', sagt sie.

Die Kursteilnehmer kommen unter anderem aus der Türkei, Russland und Thailand. Sie alle verbindet das Ziel, in Deutschland bleiben zu wollen. Vom Landkreis zum Kurs geschickt wurde zum Beispiel Soner Dorgun. Der 28-jährige Türke lebt erst seit sechs Monaten hier und spricht noch wenig Deutsch.

Sich besser verständigen zu können, findet er aber wichtig, um eine Arbeitsstelle zu finden.

Bis jetzt kein Bußgeld nötig

Im Kurs sind die Niveaus bunt gemischt: Am Ende steht eine gemeinsame Prüfung. Wer durchfällt, wird aber nicht gleich ausgewiesen. Das Zertifikat 'Integrationskurs' – also gute Deutschkenntnisse sowie Grundwissen zur deutschen Rechts- und Gesellschaftsordnung – ist jedoch notwendig, um unbefristet in Deutschland bleiben zu dürfen. Früher oder später müssen die neuen Zuwanderer den Test also bestehen.

'Erscheinen sie nicht im Unterricht, droht den zum Kurs Verpflichteten ein Bußgeld', sagt Geiger, 'aber bis jetzt mussten wir keines verhängen'.

'Die Leute sind sehr interessiert, egal ob sie verpflichtet wurden oder freiwillig kommen', sagt Deutschlehrer Alois Buchner. Weil viele Teilnehmer Familie haben, bleibt jedoch wenig Zeit zum Lernen. Ein bisschen Angst vor dem Test hätten sie schon, erzählen die Deutsch-Schüler. Für Bianka Tanushi ist die anstehende Prüfung vorerst nur der erste Schritt. Für die Einbürgerung muss sie einen weiteren Test mit 33 Fragen zu Deutschland bestehen. (tjb)

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ