Klinikzukunft
Nach Krankenhaus-Einigung lassen viele Kreisräte Dampf ab

Dampf ablassen, Wäsche waschen, Scherbenhaufen, Verrat. Ungewöhnliche Begriffe hörte man gestern im Kreistag. In dem Gremium stand ein Nachtarocken zur Entscheidung des Klinikverwaltungsrates an. Gleichzeitig ging es um die Zukunft – im Klinikunternehmen sowie in der Zusammenarbeit im Kreistag und mit der Stadt Kaufbeuren. In den oft emotionalen Wortmeldungen wurde klar, wie sehr die Debatte die Kommunalpolitiker persönlich bewegt – und teilweise auch entzweit hat.

Halb voll oder halb leer?

Eine wichtige Frage war, wie der 17:1-Beschluss im Verwaltungsrat für Marktoberdorf als ambulantes Operationszentrum und Geriatriestandort zu bewerten sei. Für Landrat Johann Fleschhut steht fest, dass dieser 'positive Beschluss' den Forderungen im Ostallgäu entspricht.

Zumal der Schließungsbeschluss vom Juli rückgängig gemacht sei. Für ihn sei es ein 'magischer Satz', dass nun alle fünf Standorte erhalten bleiben. Die Kosten für einen Abriss des Bettenhauses in Marktoberdorf seien schon durchgerechnet gewesen. Nun soll in diesen Trakt eine zentrale Geriatrie fürs Ostallgäu einziehen.

Für die FW-Fraktion sagte Werner Himmer (Marktoberdorf): Diese 'positive' Lösung 'akzeptieren wir soweit'. Es gehe nun darum, das 'halb volle Glas mit Geschmack' anzureichern. Dazu erwarte er von einem Klinikgutachten der Stadt Anregungen. Für den SPD-Fraktionschef Wolfgang Hannig ist das Glas halb leer, da man Marktoberdorf als Krankenhaus nicht mehr im Verbund haben wolle und die Geriatrische Reha mit einem privaten Partner erst 'angedacht' sei.

Welche Garantiedauer gilt?

Der Verwaltungsrat hat beschlossen, dass sich die Endoprothetische Fachklinik (Obergünzburg) und Teile des Darmzentrums (Buchloe) bis Ende 2017 bewähren können. Fleschhut betonte, dass ein Verfehlen der Ziele keine Automatismen wie eine weitere Schließung nach sich ziehe.

Wichtig sei, Fälle in diesen Kliniken zu bündeln. Hintergrund der Bestandsgarantie sei, Ruhe ins Unternehmen zu bringen und dem Personal eine Perspektive zu bieten. Andreas Rösel (FDP) bemängelte, dass die Füssener Geburtshilfe bereits Ende 2012 auf den Prüfstand komme.

Für das ambulante Operieren und die Geriatrie gibt es keine Garantie. Aber ein Defizit von 500 000 Euro im OP-Zentrum soll nicht überstiegen werden. Laut Fleschhut sollen die Operationen in Marktoberdorf dazu beitragen, die Kostenstruktur der anderen Häuser zu verbessern.

Daher brauche man ein Gesamtbudget der Krankenkassen für den Klinikverbund und nicht für jedes einzelne Haus. So könne man Defizite in Marktoberdorf tolerieren.

Wo bleibt die Solidarität?

Einige Kreisräte bemängelten, dass der Füssener Stadtrat die ursprünglich in Füssen geplante Geriatrie einforderte. Hintergrund ihrer Aussage in Füssen war laut Uschi Lax (CSU), dass über Monate nur noch über Marktoberdorf, nicht aber über die anderen Kliniken gesprochen worden sei. Dr. Anni Derday (FW), die sich als Stadträtin nachträglich von der Füssener Resolution distanzierte, bezeichnete den Beschluss als 'unnötig und ungut'.

Fleschhut stellte klar, dass die Entscheidung, die Geriatrie nach Marktoberdorf zu verlagern, das Ende einer 'Hängepartie' bedeute. Für den Neubau des Bettentrakts in Füssen seien 6,6 Millionen Euro Förderung abrufbar, die – ergänzt durch Geld aus dem Klinikverbund – nun investiert werden könnten.

'Die 64 Tage zwischen den beiden Sitzungen hätte es nicht gebraucht', meinte Fleschhut zu den Debatten im Sommer, durch die viel Schaden auf allen Ebenen entstanden sei. Um wichtige Zukunftsfragen zu meistern, müsse man nun wieder an einem Strang ziehen. Zumal die Arbeit nun erst richtig beginne, wenn es an die Umsetzung geht, wie es Dr. Christian Alex (CSU) formulierte.

Hubert Endhardt (Grüne) mahnte wieder eine konstruktive Zusammenarbeit im Kreistag und mit Kaufbeuren an, denn 'eine Scheidung macht keinen Sinn'. Beppo Zeislmeier (SPD) riet, Lokalpatriotismus und Parteipolitik künftig außen vor zu lassen.

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