Müllanalyse
Müllanalyse - Im Ostallgäu sind zu viele organische Stoffe im Restmüll

Bereits seit 1995 lässt der Landkreis Ostallgäu einmal jährlich mehrere Kubikmeter Hausmüll genau unter die Lupe nehmen. Das Stochern im Abfall zeigt Klaus Rosenthal vom Landratsamt eines sehr deutlich: Fast die Hälfte des Abfalls gehört eigentlich zum Wertstoffhof (19,1 Prozent) oder in die Grünguttonne (28,1 Prozent). Positiv bewertet er aber, dass der Anteil organischer Abfälle wieder leicht rückläufig war.

Jedes Jahr im Frühjahr startet die Analyse. Im städtischen Bereich, auf dem flachen Land und in Tourismusgebieten wird je eine Ladung Müll kräftig gemischt. Zwei Kubikmeter landen im Labor und werden genau sortiert: Problemmüll und Textilien, Knüllpapier, Gartenabfall, Schaumstoff und Glas, um nur einige zu nennen. Um Ausreißer zu vermeiden, wird die Untersuchung nach zwei Wochen wiederholt.

Seit Beginn der Analysen hat sich schon viel getan. So erreichte die Gesamtmenge des Hausmülls 1995 noch 160,8 Kilo pro Einwohner und liegt nun nach dem besten Ergebnis von 110 Kilo (2004) bei 115,1 Kilo (2011). Durch Ausbau des Wertstoffhofnetzes und Einführung des Grünen Sacks schrumpfte der Wertstoffanteil von 26 Prozent (1995) und einem Zwischenhoch von 32 Prozent (2003) auf nunmehr 19,1 Prozent.

Organische Abfälle machten 1995 noch 33,6 Prozent des Hausmüllls aus. Durch die Einführung der Biotonne und deren stetigen Ausbau sank der Anteil des Biomülls auf 28,1 Prozent. Der langjährige Durchschnitt von 22,9 Prozent und der Spitzenwert von nur 15,7 Prozent (1999) zeigen aber, dass hier weitere Reduzierungen möglich sind. Rund ein Drittel des organischen Abfalls, so Rosenthal, könnten die Bürger noch rausholen. Dabei handelt es sich um Abfälle von mehr als vier Zentimetern Größe.

Günstige Biotonne

Rosenthal verwies in diesem Zusammenhang auf die extrem niedrigen Kosten für die Biomülltonne, die ab 2 Euro pro Monat erhältlich ist. Sie sei eine ideale Ergänzung zum eigenen Komposthaufen, der im ländlichen Bereich sehr verbreitet ist.

Eine Werbekampagne führte dazu, dass die Zahl der Biotonnen von 14350 (2009) auf 17000 stieg.

Rosenthal ordnete die Zahlen auch überregional ein. Bayernweit lag der Organikanteil mit 22,5 Prozent deutlich unter dem diesjährigen Ergebnis für das Ostallgäu (28,1 Prozent). Bei den Wertstoffen schneidet der Landkreis (19,1 Prozent) hingegen besser ab als der übrige Freistaat mit 26,4 Prozent.

Nach Rosenthals Einschätzung ist das Ostallgäu mit seinem System in der Abfallwirtschaft sehr gut aufgestellt. Denn durch ein neues Gesetz haben Privatunternehmer die Möglichkeit, Wertstoffe gewerblich zu sammeln, sofern der öffentlich-rechtliche Sammler, also der Kreis, kein gutes System anbietet. Trotz des engmaschigen Netzes an Wertstoffhöfen seien Konflikte durch die Neuregelung vorprogrammiert.

Teures Verwiegesystem

Clara Knestel (Grüne) erinnerte im Kreisentwicklungsausschuss an den alten Wunsch ihrer Partei, den Müll bei der Abholung zu wiegen und dementsprechend die Gebühren zu verlangen. Dadurch würde schwerer Organikmüll vermieden. Landrat Johann Fleschhut und Rosenthal erwiderten, dass die Kosten für eine Verwiegung die Müllabfuhr stark verteuern würden, ohne dass sich der Service verbessert.

Wolfgang Hannig (SPD) verwies auf Probleme von Senioren, ihre Wertstoffe zu den Sammelstellen zu bringen. Rosenthal erklärte, dass dies häufig die Hausmeister in Wohnanlagen übernehmen. Zudem gebe es einige private Dienstleister für diesen Service. Diskutiert wurde, hier ehrenamtliche Hilfe zu stärken.

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