Natur
Mehr Biber, mehr Konflikte

Bis vor gut zwei Jahren konnte der Landwirt Markus Fichtl bei der Bewirtschaftung seines Landes noch ganz an den Schmelzbach heranfahren. Seit sich an diesem Seitenarm der Wertach aber der Biber angesiedelt hat, ist die Wiese oft auf einer Breite von mehreren Metern durchnässt oder gar überschwemmt. Noch mehr schmerzt Fichtl und seinen Vater Engelbert, dass der Nager nach und nach die Gehölze frisst, die aus Naturschutzgründen vor 30 Jahren am Bachufer angepflanzt wurden. Der Landwirt fühlt sich machtlos. Denn so richtig Abhilfe ist nicht in Sicht, auch nachdem sich das Bibermanagement (Holger Voß) vom Landratsamt der Sache angenommen hat.

Der Biber steht unter Artenschutz und muss, so Voß, dort bleiben. So wollten es die Bestimmungen. Der Konflikt, so Ulrike Wörz als Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde, tauche an vielen Stellen im Landkreis auf. «Wir haben Verständnis für die Landwirtschaft, müssen uns aber an die Rechtslage halten.»

Nicht unbegrenzt Platz

Etwa 550 dieser Nager tummeln sich laut Landratsamt (geschätzt) in 80 Revieren im Ostallgäu - dreimal so viele als noch vor acht Jahren. Vom Norden kommend ist der Biber jetzt auch im Süden am Bannwaldsee angekommen. Dass die Tiere jedoch - wie kürzlich im Landtag behauptet - «überhand nehmen», das will der ehrenamtliche Biberberater Helmar Schreiter (Obergünzburg) so nicht bestätigen. Die Tiere lebten schließlich in einem Reviersystem, da gebe es ja nicht unbegrenzt Platz.

So könne sich der Biber auch nicht endlos vermehren. Dass er aber Probleme mit sich bringe, sei unbestritten. Beispiel Elbsee: Durch den Bau eines Dammes setzte der Biber dort nicht nur eine Wiese unter Wasser, sondern auch die Ökokläranlage außer Betrieb. Die Fachleute sorgten für Abhilfe, indem sie in die Biberdämme Drainagen einbauten. Problem gelöst.

Schützende Drahtgeflechte

Aber nicht immer gibt es bei Konflikten von Biber und Kulturlandschaft solche Lösungen. Präventiv hat Voß zwar inzwischen um einige Bäume von Landwirt Fichtl aus Ennenhofen schützende Drahtgeflechte angebracht. Fichtl erwägt, einen Antrag auf Schadensersatz zu stellen. Denn der bayerische Staat hält einen Biberfonds bereit, der jüngst von 250000 auf 350000 Euro aufgestockt wurde.

Viel verspricht sich Fichtl davon aber nicht. Das Angebot, die Fläche in ein Naturschutzprogramm aufnehmen zu lassen erscheint Fichtl nicht ausreichend wirtschaftlich. Den Biber umzusiedeln, wie er es wünscht, geht jedoch laut Voß nicht.

«Wir wollen den Biber nicht prinzipiell weghaben, aber es muss bald eine Bestandsregelung geben», meint Thomas Kölbl, Geschäftsführer des Bauernverbands Ostallgäu. Es gebe schließlich auch Konflikte innerhalb des Naturschutzes, wenn zum Beispiel seltene Pflanzen und Insekten Überschwemmungen zum Opfer fallen. Er verweist auf ein Schreiben des Umweltministeriums vom April 2010, in dem unter anderem steht: «In dauerhaft schadensgeneigten Bereichen hat daher in aller Regel eine gezielte Bestandsregulierung Vorrang.»

Gesellschaftliches Anliegen

Für eine friedliche Koexistenz plädiert Peter Guggenberger-Waibel vom Projektbüro Stiftung KulturLandschaft Günztal. Entlang der Günz habe die Stiftung durch Flächentausch oder -kauf von ufernahen Flächen schon vielfach den Konflikt lösen können. Wenn es um die Bedrohung von Fischzuchten oder Kraftwerken ging, seien Biber auch schon eingefangen und getötet worden. Naturschutz sei aber ein gesellschaftliches Anliegen. Und der Biber richte schließlich nicht nur Schäden an, sondern tue auch Gutes: Er helfe, die Gewässer wieder naturnaher zu machen.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen