MEG Ostallgäu meldet sich zu Wort: "Nichts ist mehr, wie es vorher war"

 Laut dem Vorsitzenden Gerhard Metz hält der Durchschnittsbetrieb etwa 33 Kühe, die rund 250.000 Kilo Milch produzieren.
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  • Laut dem Vorsitzenden Gerhard Metz hält der Durchschnittsbetrieb etwa 33 Kühe, die rund 250.000 Kilo Milch produzieren.
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Allgäuer Landwirtschaft ist prädestiniert für die Milchwirtschaft. Pressegespräch in Marktoberdorf:

Mit 182 Mitglieder und einer Milchmenge von rund 50 Millionen Kilo ist die Milcherzeugergemeinschaft Ostallgäu eine der größten Vermarktungsorganisationen im hiesigen Raum. Im Forum der Filmburg Marktoberdorf lud die Vorstandschaft zum Pressegespräch: Laut dem Vorsitzenden Gerhard Metz hält der Durchschnittsbetrieb etwa 33 Kühe, die rund 250.000 Kilo Milch produzieren. Bis auf wenige Ausnahmen liegen die Mitgliedsbetriebe allesamt im Berggebiet mit über 700 Meter Meereshöhe. In Bayern seien das 51,5 Tiere, in Deutschland 89,9 Kühe. Das Allgäu sei also immer noch geprägt von einer kleinbäuerlichen Struktur, hinter der Hunderte von Familienbetrieben ohne Fremdarbeitskräfte stehen. Die Tierschutzskandale im Unterallgäu seien von zwei Milchviehbetrieben ausgelöst worden, von denen einer sogar mehr als 1.000 Kühe hielt: >Seit dem ist nichts mehr, wie es vorher war!< Diese Betriebsdimensionen seien laut Metz >die absolute Ausnahme und spiegeln in keinster Weise das Bild der Allgäuer Milchwirtschaft wider. Von den Berufsvertretungen wie Bauernverband (DBV) oder Bundesverband der Milcherzeuger (BDM) hätte der Biobauer erwartet, >dass dieses Thema schon ein bisschen aggressiver angegangen wäre<. Die Landwirtschaft sei aber von Anfang an in der Defensive gewesen. Der Öffentlichkeit müsse nun erklärt werden, >dass die Allgäuer Landwirtschaft viel mehr ist als Tierquälerei!<

Das Bild von der >Heilen Welt Allgäu – braune Kühe auf gelber Löwenzahnwiese mit herrlicher Bergkulisse im Hintergrund< habe mit den Skandalen einen herben Schlag abbekommen. Dabei liege der Grünlandanteil laut einer Mitgliederbefragung zu 99 Prozent der MEG-Mitglieder bei über 75 Prozent. 85 Prozent aller Betriebe bewirtschaften ausschließlich nur Grünland (43 Prozent der Betriebe extensiv im Kulturlandschaftsprogramm KULAP). Tendenziell pflegen viele Allgäuer Milcherzeuger nur eine gemäßigte Erwartungshaltung gegen ihre wichtigste Mitarbeiterin, der Kuh<. In der BZG MOD, dem Haupteinzugsgebiet der MEG OA, geben die 17.726 Kühe durchschnittlich 7.671 Kilo Milch; das Allgäu sei also definitiv nicht das Land der Turbokühe<. Die Braunviehkuh, das mediale Aushängeschild des Allgäus gebe zwar etwas weniger Milch, lebe dafür aber länger. Der Eindruck, dass die Allgäuer Milchwirtschaft ein grundsätzliches Problem mit Umwelt- und Tierschutz habe, sei absolut falsch: Aufgrund ihrer kleinbäuerlicher Strukturen, dem hohen Grünlandanteil und der tendenziell eher extensiven Bewirtschaftung im Berggebiet sei die Allgäuer Milchwirtschaft besonders nachhaltig.

Viel zu niedrige Milchpreise, so Metz, immer neue Auflagen (etwa Düngeverordnung und Walzverbot) oder die fachlich total überzogene Handhabung der Blauzungenkrankheit befeuern den Strukturwandel massiv. Damit passiere genau das Gegenteil, was eigentlich passieren müsste: >Die besonders nachhaltige Allgäuer Landwirtschaft wird weiter zerstört, anstatt sie geschützt würde<. Zu den von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber kritisierten Radikalisierung der Bauern meinte Metz: >Wer von den Landwirten immer mehr fordert, gleichzeitig aber ruinöse Erzeugerpreise stillschweigend hinnimmt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er von den Bauern plötzlich nicht mehr gewählt wird!<
Der MEG-Vorsitzende sieht die Ursache der Tierskandale in einem Systemfehler, denn die niedrigen Erzeugerpreise ließen den Bauern nur zwei Möglichkeiten: >Wachsen oder aufhören!<
Wachstum bedeute eine massive Verschuldung und zwinge die Betriebe zu weiterer Intensivierung; mit allen negativen Konsequenzen für Umwelt und Natur. Dazu komme eine enorm hohe Arbeitsbelastung; ein gefährlicher Cocktail für den Landwirt und seine ganze Familie!

Wünsche
• Wer die kleinbäuerliche Struktur im Allgäu erhalten will – so Metz - muss sich über Schutzprogramme Gedanken machen: Es dürfe nicht sein, dass ein Allgäuer Grünlandbetrieb genauso behandelt wird, wie Großbetriebe mit mehreren hundert Tieren. Österreich und Tirol unterstützen ihre Bergbauern mit Sonderregelungen bei Tierhaltung und Düngerecht.
• Im Bereich der Biokäserei gelte es, neue Verarbeitungskapazitäten und Produkte zu entwickeln, da Bergbauern nicht zu Weltmarktpreisen produzieren können.
• Bezüglich der neuen DüV sei eine Differenzierung notwendig; kleine Betriebe im Berggebiet sind nicht die Verursacher von Umweltproblemen, sondern Teil der Lösung. Zu strenge Umweltauflagen bezüglich der höchst umstrittenen Gülle-Ausbringtechnik schädige den Boden, überfordere die Betriebe und gefährde deren Existenz.
• Auch die Milcherzeuger selbst sind gefordert: Anstelle von großen, überregionalen Zusammenschlüssen ist eine landkreisübergreifende, regionale Bündelung der Allgäuer Bergbauernmilch Erfolg-versprechender.
• Wegen der Blauzungenkrankheit wird das Allgäuer Braunvieh zwischen den Ristrektionen und Vermarktungshemmnissen zerrieben: Entweder die Politik lockert die fachlich total überzogenen Sanktionen, oder sie muss die gewaltigen Schäden finanziell ausgleichen.

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