Wertachtal
Marktoberdorfer Wertachtal-Werkstätten bieten neuerdings Ausbildungsplätze für Jugendliche an

Michael Fischer und Andreas Ziegele sind beschäftigt: Während Andreas Garnspulen aus Plastik zusammensteckt, befüllt Michael Tütchen mit Ersatzteilen für Fendt. Ihr 'Meister' Stefan Thiel geht ihnen dabei auch mal zur Hand. Seit September arbeiten der Steinbacher Michael und Andreas aus Marktoberdorf in den Wertachtal-Werkstätten in Marktoberdorf. 'Berufliche Bildung' heißt ihr 27-monatiges Programm. Ein Neubeginn ist das nicht nur für die Jugendlichen. Auch für die Wertachtal-Werkstätten in Marktoberdorf hat ein neuer Abschnitt begonnen: In den vergangenen 15 Jahren war die Berufliche Bildung nur am Standort Kaufbeuren angesiedelt.

Doch die beiden 19-Jährigen sind keine klassischen Auszubildenden. Sie haben das Down-Syndrom und sind nun nach der Förderschule in die Arbeit eingestiegen. In Marktoberdorf machen Michael, Andreas und ein weiterer Mann mit Behinderung ihre ersten Arbeitsschritte.

Weiterer Nachwuchs wird folgen, sagt Stefan Gerlach vom Sozialdienst der Wertachtal Werkstätten. 'In Marktoberdorf wurde die Berufliche Bildung wieder möglich, weil der Bezirk Schwaben neue Plätze genehmigt hat.'

Stefan Thiel leitet die Marktoberdorfer Gruppe, Michael, Andreas und er duzen sich. An ihren Tischen erledigen die jungen Männer ihre Aufgaben. Beiden macht ihre Arbeit Spaß. 'Ich will jetzt lieber arbeiten', sagt Michi, wie er von vielen auch genannt wird, lachend. 'Er geht gerne hin und war froh, dass er die Schule nach zwölf Jahren abgeschlossen hat', bestätigt Michis Mutter Rosi Fischer.

Suche nach bestem Weg

Gearbeitet wird täglich von 8 bis 15.45 Uhr, natürlich mit Pausen. 'Aber das ist keine klassische Berufsausbildung', sagt Stefan Gerlach vom Sozialdienst der Wertachtal Werkstätten. Die Fähigkeiten von Menschen mit Behinderung würden ermittelt und geschaut, welcher Werkstattbereich am besten zu ihnen passt. Nur ganz wenige können dann aus der Werkstatt in den freien Arbeitsmarkt vermittelt werden.

Dazu bräuchten die Firmen auch Paten, die für die Beschäftigten mit Handicap da sind. 'Uns geht es darum, den jeweils besten Weg für die Leute zu finden', erzählt Gerlach. Ob in der Werkstatt oder draußen.

Beide sind Bayern-Fans

Andreas und Michael haben auch gestern am Welt-Down-Syndrom-Tag gearbeitet. Beim Down-Syndrom handelt es sich um eine geistige Behinderung infolge einer genetischen Veränderung, die von Geburt an besteht. Nicht mehr verwendet wird heute die frühere Bezeichnung 'mongoloid'. 'Wir machen auch mal Ausflüge oder gehen ins Kino', sagt Thiel. Integration gehöre zum Auftrag, erklärt Gerlach.

Beide Jugendlichen sind in die Kaufbeurer Ludwig-Reinhard-Schule gegangen. Sie verbindet auch die Liebe zum FC Bayern München. Michael feuert zudem regelmäßig die Westendorfer Ringer an und ist Fan des EV Füssen.

Einmal pro Woche trainiert er bei der Kaufbeurer Werkstatt-Fußballmannschaft mit: 'Da spiele ich in der Abwehr', erzählt Michael nicht ohne Stolz. Andreas spricht nur wenig. Deshalb stellt ihm Stefan Thiel die Fragen so, dass er mit Ja oder Nein antworten kann.

'Es macht ihm Spaß, etwas mit den Händen zu arbeiten', erzählt sein Vater Artur Ziegele. Andreas und Michael bekommen monatlich 70 Euro Taschengeld für ihre Arbeit. Sie können die Werkstattbereiche Holz, Metall, Elektro, Montage und Garten kennenlernen. Michael hat für die Zeit nach der Beruflichen Bildung schon einen Bereich im Blick: 'Die ,Fendtmontage’ gefällt mir am besten."

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