Pflege
Marktoberdorfer Tierheim voll belegt - Platz für Pensionstiere fehlt

Eine der Katzen hatte wohl keine Chance. «Wahrscheinlich ist sie in die Geltnach gefallen und ertrunken», sagt Tierpflegerin Michaela Schmid vom Marktoberdorfer Tierheim. Schmid war mit ihrem Team zu einem Hundeplatz an der B 12 bei Biessenhofen gerufen worden, um dort sechs ausgesetzte Katzen aufzulesen.

Diese jedoch waren so verstört, dass sie erst mal flüchteten. Eine Jungkatze verschwand dabei und ertrank wohl im nahen Fluss. Fünf Katzen konnten Schmid & Co in das Marktoberdorfer Tierheim an der Engratsrieder Straße retten.

<< So etwas macht man nicht >>, regt sich Heinz Krämer, Vorsitzender des Marktoberdorfer Tierschutzvereins, auf. Jemand habe die Tiere offensichtlich absichtlich dort ausgesetzt. Die Bundesstraße würde << das Problem >> schon lösen. << Früher sind in den Ferien immer mehr Tiere ausgesetzt worden als sonst >>, erzählt Krämer. Doch mittlerweile sei die Zahl an ausgesetzten oder im Tierheim abgegebenen Tieren das ganze Jahr über konstant hoch.

Abgeben statt aussetzen

Wobei Krämer die Aufnahme im Heim natürlich lieber ist als eine Katzensuche an der Bundesstraße: << Wir wissen dann wenigstens, wo die Tiere herkommen und ob sie geimpft sind. >> Doch nicht nur, dass ausgesetzte Tiere für Pfleger und Tierschützer ein unbeschriebenes Blatt sind. Die Gemeinde, in der das Tier gefunden wurde, ist per Gesetz zur Übernahme der Tierheimkosten verpflichtet.

In der Praxis müsse er dem Geld aber oft hinterherlaufen und Überzeugungsarbeit in den Gemeinden leisten, erzählt Krämer verärgert. Da zweifle der Bürgermeister schon mal an, dass das Tier tatsächlich auf seiner Gemeindeflur gefunden wurde.

Krämer wünscht sich deshalb, dass alle Gemeinden im Gebiet des Marktoberdorfer Tierheims eine Pauschale von 50 Cent pro Einwohner im Jahr bezahlen. Marktoberdorf und Unterthingau machen das laut Krämer bereits. Als Gegenleistung kümmert sich das Tierheim um alle Fundtiere aus den Gemeinden.

90 Tiere werden versorgt

Dass immer mehr Leute ihre Tiere im Heim abgeben, bringt den Tierschutzverein in finanzielle Schwierigkeiten: << Wir können im Sommer kaum Pensionstiere aufnehmen, weil wir voll belegt sind. >> Dabei wären Pensionstiere, die von Herrchen oder Frauchen während des Urlaubs ins Heim gebracht werden, eine wichtige Einnahmequelle - für die momentan der Platz fehlt. Derzeit wohnen laut Pflegerin Schmid 60 Katzen, 13 Hunde, zwölf Hasen sowie einige Meerschweinchen und Mäuse im Tierheim.

Geld reicht nicht mehr

<< Immer mehr Leute bringen ihre Tiere zu uns, weil es ihnen am Geld fehlt >>, sagt Schmid. Sie könnten die Tiere nicht mehr versorgen. Es gebe aber auch Fälle, wo Allergien gegen Tiere vorgeschoben würden, berichtet Krämer. << Wir können ja nicht sagen, das stimmt nicht.

>> Doch glaubhaft sei die Allergie der Tierbesitzer nicht immer. Für die Pflege der Abgabetiere bekommt das Tierheim überhaupt kein Geld. Weil es aber jeden Monat hohe Ausgaben hat - << allein einige Tausend Euro Tierarztkosten im Quartal >>, so Krämer -, können Tierfreunde Patenschaften übernehmen.

Den Betrag, mit dem man ein bestimmtes Tier fördert, bestimmt man selbst. Die Paten könnten << ihre >> Tiere auch besuchen, sagt Schmid. 15 Patenschaften existieren bereits. Ansonsten finanziert sich das Tierheim über Spenden, Mitgliedsbeiträge und eigene Aktionen wie Kalenderverkauf, Zeitschrift oder Tag der offenen Tür.

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