Ehrenamt
Marktoberdorfer Chirurg hilft beim Aufbau eines afrikanischen Krankenhauses

Er ist der Bitte seines Kollegen Dr. Soeren Gatz nachgekommen, als er vor vier Jahren zum ersten Mal nach Kamerun fuhr, um medizinische Hilfe zu leisten. Jüngst war der Marktoberdorfer Chirurg Dr. Michael Pahl zum dritten Mal und über sechs Wochen in dem westafrikanischen Staat. Aufbauhilfe braucht dort das Krankenhaus in Ndoungue. Das wurde schon 1906 errichtet. Seit es aber in den 90er Jahren von den Italienern, die es zuletzt betrieben, verlassen wurde, liegt es darnieder. Wie dringend es benötigt wird, zeigt allein Pahls Bilanz der Operationen nach sechs Wochen: Sie reicht vom Magen- und Dünndarmdurchbruch bis hin zu Leistenbruch- und Kropfoperationen sowie drei Kaiserschnitten. Ganz abgesehen von der Unfallambulanz. Nachdem ganz in der Nähe ein mit elf Personen besetztes Taxi gegen einen Baum geprallt war, waren alle Kräfte gefragt.

50 bis 80 Jahre, so schätzt Pahl, sei die medizinische Versorgung dort hintendran. Für den Marktoberdorfer Mediziner, der bis zu seinem Ruhestand am Landsberger Klinikum gearbeitet hat, eine Herausforderung. Denn neben Ärzten – ein Internist und rund 60 medizinische Hilfskräfte arbeiten dort – fehlt es an Ausstattung. Ein vorhandenes Röntgengerät war seit Jahren nicht in Gebrauch, weil der nötige Techniker nicht greifbar war.

Mitgebracht haben Gatz und Pahl jetzt ein neues Ultraschallgerät. Bei der nächsten Reise nach Kamerun im Herbst ist in Pahls Gepäck sicher ein Rektoskop. Auch Schrauben für die Befestigungsschienen bei Knochenbrüchen wird er mitnehmen. Für ein Notstromaggregat will er hier sammeln, um es an das Krankenhaus zu bringen. Denn das Krankenhaus kann sich all das nicht leisten.

Es gehört zwar der evangelischen Kirche Kamerun, deren Präsident die Gäste aus Deutschland auch begrüßte. Geld aber gibt es von der Kirche nicht. Die Patienten müssen alles selbst bezahlen. Drei Euro für das Bett, 1,50 für eine Laboruntersuchung und so weiter. Da war Pahl froh, dass die Rotarier aus Marktoberdorf, Kaufbeuren und Landsberg ein dringend benötigtes Spektrometer für das Labor gesponsert haben.

Bis zu 50 Patienten am Tag

40 bis 50 Patienten seien am Tag in das Krankenhaus zur Behandlung gekommen. Ziel sei, dort wieder 100 Betten betreiben zu können. Derzeit seien es mit allen Anstrengungen 60. Aber nicht nur der Aufbau der Klinik ist mühsam, auch der Aufenthalt in dem tropischen Klima machte dem Europäer zu schaffen. Und dennoch will Dr. Pahl den ehrenamtlichen Einsatz mit Mitstreitern des Landsberger Vereins 'Humanitäre Hilfe' fortsetzen.

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