Jubiläum
Künstlerhaus findet weit über Marktoberdorf hinaus Anerkennung

Dass die schönste Kunst ohne Geld nur schwer vorstellbar ist, zeigt im Künstlerhaus Marktoberdorf ein Bilderzyklus von Beate Passow: Auf Seide gestickt werden fingierte Ausstellungsbesuche in Venedig und New York, Basel und London abgerechnet. Der Beleg listet Zeichnungen für 45000 Dollar ebenso auf, wie den Katalog für 40 Euro. Daneben nehmen sich die Geldsorgen des etwas abseits gelegenen Museums in Marktoberdorf fast bescheiden aus. Dennoch: Die Finanzen waren bei der Eröffnung der Ausstellung 'Highlights im Abseits' zum Zehnjährigen wichtiges Thema.

'Ohne Risiko geht nichts', sagte Franz Schmid. Der frühere Ziegeleibesitzer, Altbürgermeister und aktive Kunstmäzen hatte 1997 eine Stiftung gegründet, die – vorwiegend mit Schmids Privatvermögen – den markanten Klinkerbau beim Rathaus errichtete.

Schmid erinnerte daran, dass die ersten Jahre durch Geldmangel geprägt waren. Denn als das Haus stand, blieben Zuschüsse der Stadt aus, um hochkarätige Ausstellungen zu finanzieren. Unverzagt und 'hervorragend' habe die damalige Kuratorin Birgit Höppel Ausstellungen konzipiert.

Sponsoren und der 1995 gegründete Kunstverein, der die aktuelle Schau mit 10000 Euro unterstützt, hätten die Kunstpräsentation getragen. Erst nach sechs Jahren war ein Kompromiss gefunden. Seither schießt die Stadt neben den Unterhalts- und Betriebskosten jährlich 75000 Euro zu.

Den Rest tragen Sponsoren. Schmid versprach, weiterhin etwas in dem Haus zu riskieren und sich nach oben zu steigern: 'So leicht geben wir nicht auf', meinte er zu den Kritikern.

'Nicht mehr wegzudenken'

Auf die Historie ging zum Jubiläum auch Bürgermeister Werner Himmer ein. Er erinnerte an die Kontroverse um den Neubau der Schweizer Architekten Bearth und Deplazes. Er zitierte Stadträte, die das Bauwerk als 'grausam' und als 'Kulturschande' bezeichnet hatten.

'Heute höre ich keine kritischen Stimmen mehr', meinte Himmer. Das Haus mit Ausstellungen namhafter Künstler trage überregional zum guten Ruf der Stadt bei, es sei 'angesehen und nicht mehr wegzudenken'.

Mit Schmid war er sich einig, dass dies besonders den bisherigen Kuratorinnen zu verdanken sei. Zur Ausstellungseröffnung brachte er drei Wünsche mit: Die Marktoberdorfer mögen sich noch stärker mit dem Haus identifizieren. Das Museum solle noch mehr aufgeschlossene Besucher bekommen und weiter so guten Zuspruch angesehener Künstler erhalten.

Dass im Künstlerhaus nicht nur Skulpturen und Gemälde Platz finden, zeigte eine Lesung von Jochen Striebeck zur Vernissage. Der Schauspieler, der seine Stimme schon Clint Eastwood geliehen hat, rezitierte aus Thomas Bernhards 'Alte Meister'.

Dieser setzt sich in seinem Buch mit dem 'Geschwätz der Kunsthistoriker' auseinander. Er zieht Vergleiche zwischen Polizei- und Museumsdienst, zwischen Museum und Kaffeehaus.

Beim einen fühle man sich ausgesetzt, beim anderen geborgen, verdeutlichte er zwei Grundbedürfnisse.

Am Ende dankte Maya Heckelmann dem Kunstförderer Schmid, der am Vortag seinen 88. Geburtstag gefeiert hatte: 'Ohne ihn würde es dieses wunderbare Haus nicht geben.' Gerne gehe sie auf dessen Mut und Risikobereitschaft ein.

Wie ihre Vorredner dankte sie dem Kunstverein und besonders den 49 Künstlern, die in der Ausstellung vertreten sind. Sie freute sich, dass sie auf die Arbeit ihre beiden Vorgängerinnen aufbauen durfte. Die musikalische Gestaltung übernahm das Vokaloktett Animato mit Begrüßungsjodler und Gospelbearbeitungen.

Die Ausstellung 'Highlights im Abseits' mit Werken von Achternbusch bis Zeiler ist bis 10. Juni zu sehen. Das Haus ist von Dienstag bis Freitag von 15 bis 18 Uhr geöffnet, am Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr.

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