Kirche umarmen
Kirche umarmen: In Marktoberdorf demonstrieren viele Gläubige für Pfarreienvielfalt

Eng standen die Menschen gestern in vielen Pfarreien des Dekanats Marktoberdorf rund um ihre Kirchen. Manche drängten sich sogar in zwei Reihen um das Gotteshaus. Damit machten sie deutlich, wie wichtig ihnen die kirchliche Arbeit in den vielen Gemeinden ist. 'Freut euch, wir sind Gottes Volk; erwählt durch seine Gnade!' Mit dieser Zeile aus einem Kirchenlied zeigten sie in Thalhofen, dass sie mit den Plänen zur Neuorganisation der Seelsorgeeinheiten im Bistum Augsburg und der Abwertung der Laien nicht einverstanden sind. An der Aktion beteiligten sich in vielen Pfarreien mehrere Hundert Gläubige.

Befürchtung: Keine Taufe und keine Erstkommunion im Dorf

'Wir wollen damit ein Zeichen setzen, dass wir mit den Plänen von Augsburg nicht einverstanden sind', betonte Pfarrgemeinderatsvorsitzende Brunhilde Friedrich gestern früh nach dem 9-Uhr-Gottesdienst in Thalhofen.

Wenn die Pfarrei zur Marktoberdorfer Pfarreiengemeinschaft St. Martin/St. Michael käme, müsse man erhebliche Folgen befürchten: 'Keine Taufen mehr, keine Erstkommunion ' Deshalb habe man vor vier Wochen einen Brief an die Diözese geschickt und klar gemacht, 'dass wir nicht nach Marktoberdorf wollen'. Eine Antwort stehe noch aus.

Über 120 Gottesdienstbesucher und weitere Gläubige bildeten nach der Messe eine Kette vor der Dorfkirche und beteiligten sich so am 'Kirche umarmen'. 'Ich finde es entsetzlich, was da geplant ist – das hätte für alte Leute und für junge Leute Nachteile', sagte Maria Häfele (76) mit Nachdruck, als sie sich einreihte.

Birgit Brücklmayr äußerte sich ähnlich: 'Da hat unser Gemeindereferent etwas ganz Tolles aufgebaut mit Gruppen, Zeltlagern, Besinnungstagen und mehr. Auch wir Jungen treffen uns privat untereinander.

Ich kann nicht verstehen, dass das alles nicht mehr so sein soll', drückte die 18-Jährige ihren Unmut aus. 'Das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Pfarrei ist uns sehr, sehr wichtig, das ginge verloren', warnte Gabi Riedler.

Wunsch: Zurück zu lebendiger Basiskirche

Nicht Teil der großen Stadtkirche Marktoberdorf werden zu wollen, das treibt auch 300 Menschen in Leuterschach um. Rund 25 Kinder stießen nach dem Kindergottesdienst im Pfarrheim mit dazu.

'Die Art wie der Bischof die Wortgottesdienste im Dorf schon im September abgeschafft hat, befremdet mich. Es gibt auch andere Möglichkeiten mit dem Priestermangel umzugehen.

Das Leben gehört ins Dorf', meint ein Teilnehmer und wendet sich gegen die Zentralisierung: 'Das Dorfleben stirbt noch mehr. Daher sollte zurück zur Basiskirche gegangen werden, damit Glaube wieder lebendiger wird. Der Bischof beschreitet den falschen Weg.'

Gebete: Für den Bischof und seinen Führungsstab

Auch in Geisenreid, so Pastoralreferent Toni Linder, war die Aktion mit knapp 300 Teilnehmern ein sehr guter Erfolg. Alle Pfarrgemeinderäte und Verantwortlichen waren mehr als zufrieden. Überall mussten die Menschen eng oder gar in doppelter Reihe stehen.

Danach standen viele Menschen in kleinen Gruppen noch lange zusammen, um zu reden. Weitere Projekte wurden terminiert. In allen Pfarreien wurden beim 'Kirche umarmen' für die eigene Gemeinde und für den Bischof und seinen Führungsstab gebetet.

Viele junge Familien und Jugendliche beteiligten sich, berichtet Linder aus der Pfarreiengemeinschaft. Zu beobachten waren auch Gläubige, denen vor Ergriffenheit die Tränen kamen, so Linder.

Ein Teilnehmer meinte zu ihm: 'Es ist eigentlich traurig, dass wir dies hier erst tun müssen, um zu zeigen, dass uns unsere Gemeinde wichtig ist.' Andere überlegen schon, wie es weitergeht: 'Was können wir noch tun? Wir wollen nicht immer nur schweigend zusehen!'

Bereitschaft: Laien wollen mehr Verantwortung übernehmen

In Obergünzburg beteiligten sich über 300 Gläubige an der Umarmung, zu der Kirchenpfleger Hermann Knauer und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Michael Bauer eingeladen hatten, während Pfarrer Walter Böhmer der Aktion fernblieb.

Nach dem Gottesdienst betonte Bauer, dass die Laien am nötigen Umbau der Diözese dem Bischof zur Seite stehen und weitere Verantwortung übernehmen möchten, um die Priester für die Eucharistie zu entlasten.

Knauer machte deutlich, wie viele sich bereits in der Pfarrei engagieren, und bot an, dass ausgebildete Laien Maiandachten, Kreuzweg- oder Ölbergandachten übernehmen.

Probleme für das dörfliche Gemeindeleben sahen beide in der Zentralisierung und dem Verbot von Wortgottesdiensten am Wochenende. Mit einer dichten Menschenkette um die St. Martins-Kirche bewiesen die Gläubigen, dass sie diesen Worten zustimmten und voll zu ihrer Kirche stehen.

In den Fürbitten während der Kirchenumarmung wurden solidarisch die Sorgen der Gemeinden in der ganzen Diözese aufgegriffen. Das Gebet beinhaltete die Bitte um Priesterberufungen und den Dank für das segensreiche Wirken der vier Geistlichen in Obergünzburg.

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