Gericht
Junger Betrunkener leistet Widerstand gegen einen Polizisten, der ihm helfen will

Ein Polizeibeamter wollte in der Silvesternacht in Marktoberdorf einen betrunkenen 19-Jährigen, dem ein Unbekannter eine Flasche über den Kopf geschlagen hatte, zu einem Rettungswagen führen. Anstatt die Hilfe anzunehmen, versuchte der Ostallgäuer, den Polizisten wegzustoßen. Für den Staatsanwalt war dies im Strafverfahren vor dem Kaufbeurer Jugendschöffengericht jetzt zwar «nicht der Riesen-Widerstand» gegen die Staatsgewalt. Angesichts von fünf Voreintragungen im Strafregister sahen er und das Gericht aber keine andere Ahndungsmöglichkeit als die Verhängung einer achtmonatigen Jugend-Bewährungsstrafe. Für die Dauer der zweijährigen Bewährung wurde dem Angeklagten, der bei der Tat rund 1,8 Promille hatte, das Einhalten einer Alkoholgrenze von 0,5 Promille zur Auflage gemacht. Er akzeptierte das Urteil sofort. Da auch der Staatsanwalt auf Rechtsmittel verzichtete, ist der Beschluss rechtskräftig.

Der junge Mann war an Silvester mit Freunden in Marktoberdorf unterwegs gewesen und zu vorgerückter Stunde offenbar als Schlichter bei einem Streit zwischen die Fronten geraten. Ein Unbekannter schlug ihm eine Flasche über den Kopf und fügte ihm eine heftig blutende Platzwunde zu.

Als die Polizei eintraf und ihn zum Rettungswagen bringen wollte, war der Verletzte wenig kooperativ und wollte sich stattdessen unbedingt auf die Suche nach dem Angreifer machen. Dann stolperte der junge Mann in Richtung Straße und brachte sich so selbst in Gefahr. Als ihn ein Polizist am Arm fasste und in Richtung Rettungswagen bugsieren wollte, versetzte er dem Beamten einen Stoß. Letzteres wusste der Angeklagte zwar nicht mehr - möglicherweise wegen seiner Alkoholisierung und seiner Platzwunde. Er ging aber davon aus, dass sich der Vorfall so zugetragen hatte.

Verhalten bedauert

Vor Gericht bedauerte er nun sein Verhalten gegenüber den Polizeibeamten und fügte hinzu: «Die machen auch bloß ihre Arbeit.» Der Angeklagte hatte sich damals ohne weiteren Widerstand ins Krankenhaus bringen lassen, wo seine Platzwunde genäht wurde. Obwohl der Ostallgäuer zur Tatzeit schon fast 20 Jahre alt war, erfolgte seine Verurteilung jetzt noch nach Jugendstrafrecht: Wie die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe ausführte, kommt der Mann aus «problematischen Familienverhältnissen», deren Belastungen bis heute nachwirkten. Insbesondere habe er wechselnde Bezugspersonen und wiederholte Umzüge verkraften müssen. Vor diesem Hintergrund gingen auch der Staatsanwalt und das Jugendschöffengericht für die Tatzeit von Reifeverzögerungen aus.

Der vorsitzende Richter stellte im Urteil in Rechnung, dass sich das Leben des Mannes, der in eine eigene Wohnung gezogen ist und einer geregelten Arbeit nachgeht, mittlerweile «deutlich stabilisiert» hat.

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