Volks- /Raiffeisenbanken
Interview mit Raiffeisenbanken-Kreisverbandschef über Genossenschaften

Die UNO hat heuer das Internationale Jahr der Genossenschaften ausgerufen. Ziel ist es, auf die Bedeutung der Unternehmensform für Gesellschaft, Wirtschaft und vor allem für den ländlichen Raum aufmerksam zu machen. Weltweit sind laut Genossenschaftsverband Bayern 800 Millionen Menschen in über 100 Ländern Mitglied einer Genossenschaft. Genossenschaften stellen demnach über 100 Millionen Arbeitsplätze bereit.

Über die regionalen Aspekte sprachen wir mit Armin Meindl, Vorsitzendem des Kreisverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken im Ostallgäu und Kaufbeuren.

Was macht die Unternehmensform der Genossenschaft aus?

Meindl: Die Idee der Genossenschaft lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Gemeinsam handeln – mehr erreichen.

In der Genossenschaft schließen sich Mitglieder freiwillig zusammen, um gemeinsam zu wirtschaften – und zwar aus eigener Kraft. Genossenschaften sind regional verwurzelt und demokratisch organisiert.

Wie weit reicht die Beteiligung?

Meindl: Die grundsätzlichen Entscheidungen trifft die Mitgliederversammlung, in der jeder unabhängig von der Höhe seiner Kapitalbeteiligung nur eine Stimme hat.

Ist das noch zeitgemäß?

Meindl: Die Stärke gemeinschaftlicher Selbsthilfe kann man besonders in Zeiten erkennen, in denen andere Unternehmen staatliche Garantien oder eine staatliche Beteiligung in Anspruch nehmen müssen.

Jetzt zahlt sich diese Beteiligungsform aus: Unternehmerische Entscheidungen werden in Genossenschaften nicht unter Renditevorgaben, sondern mit Blick auf die optimale Leistungserstellung für Kunden, Mitglieder und Arbeitnehmer getroffen.

Manch einer hält Volks- und Raiffeisenbanken dennoch für altmodisch und im Vergleich mit Direktbanken auch für finanziell wenig attraktiv.

Meindl: Auf den ersten Blick bieten viele Volks- und Raiffeisenbanken gerade im Vergleich mit Online-Direktbanken oder ausländischen Instituten weniger attraktive Konditionen.

Demgegenüber stehen aber viele Vorteile: Die Spareinlagen bei Kreditgenossenschaften werden durch eine bewährte Sicherungseinrichtung geschützt.

Seit ihrem Bestehen ab 1934 erlitt noch kein Kunde einen Verlust seiner Einlagen. Zudem sind wir in den Dörfern ansässig und bieten unseren Kunden ein dichtes Filialnetz – auch dort, wo sich andere Kreditinstitute längst zurückzogen.

Außerdem sind viele Kunden Genossenschaftsmitglieder und damit Eigentümer der Bank. Sie profitieren also auch vom Erfolg.

Das deutsche Genossenschaftswesen soll beispielhaft sein. Welche Parallelen gibt es zwischen einer landwirtschaftlichen Genossenschaft in China und einer im Allgäu?

Meindl: Das Prinzip ist überall und seit einem Jahrhundert das gleiche.

Um Hilfe zur Selbsthilfe ging es schon bei der genossenschaftlichen Idee des Friedrich Wilhelm Raiffeisen, als hierzulande vielerorts Geld-, Waren- und Viehwucherer ihr Unwesen trieben und Darlehenskassenvereine gegründet wurden.

Das ist aber nicht nur Modell für viele Länder, sondern nach wie vor auch für uns hier im ländlichen Raum.

Nennen Sie ein Beispiel?

Meindl: Eine Herausforderung für die Menschen auf dem Land ist die Energiewende. Als Volks- und Raiffeisenbanken mit viel Erfahrung im Genossenschaftswesen sehen wir es als unsere Aufgabe, regionale Projekte mitzugestalten.

Wir sind in der Lage, Bürgern objektive Informationen rund um Fotovoltaik, Biomasse und Windkraft zu geben und auf Abläufe und Risiken bei der Finanzierung hinzuweisen.

Welchen Standpunkt nehmen Sie bei Konflikten rund um den Landschaftsschutz ein?

Meindl: Gerade Windräder bieten neben dem energiewirtschaftlichen Potenzial auch viele Risiken und Streitpunkte. Wir befinden uns in enger Abstimmung mit Gemeinden und Landkreis.

Unsere Beratungsleistung erstreckt sich auf die Unternehmensform einer Genossenschaft und auch technische Dienstleistungen und Produkte, die von einer Tochtergesellschaft der Baywa angeboten werden.

In unserem Fokus stehen Bürgerbeteiligungen, bei denen die Akzeptanz der Anlagen allein durch die breite finanzielle Basis der Bürger größer ist.

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