Gerich- Tödl. Unfall
Innerorts zu schnell: Tödliche Kollision

Wegen fahrlässiger Tötung ist eine 24-jährige Frau vor dem Kaufbeurer Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu je 15 Euro und einem dreimonatigen Fahrverbot verurteilt worden. Sie hatte im Juli vergangenen Jahres in der Marktoberdorfer Schwabenstraße die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern um mindestens 23 Stundenkilometer überschritten und deshalb nicht mehr rechtzeitig vor einer Radfahrerin abbremsen können, die von rechts aus der nicht vorfahrtsberechtigten Nordstraße kam. Die 59-Jährige wurde bei der Kollision so schwer verletzt, dass sie noch am selben Tag im Krankenhaus verstarb.

Laute Musik im Auto

Die Angeklagte war seinerzeit mit ihrer Tante auf dem Weg zum Wertstoffhof gewesen und hatte sich mit dieser unterhalten, während im Auto laute Musik lief. Dass sie innerorts deutlich zu schnell unterwegs war, ergab sich aus dem Gutachten: Der Sachverständige errechnete darin eine Geschwindigkeit von 73 bis 76 Stundenkilometern und kam außerdem zu dem Schluss, dass für die Angeklagte noch bis zu einem Tempo von 61 Stundenkilometern ein Anhalten möglich gewesen wäre. Laut Gutachten hätte auch die Radfahrerin die Kollision vermeiden können, wenn sie die Vorfahrtsregelung beachtet hätte. Der Staatsanwalt stellte dies im Plädoyer in Rechnung, sah aber das «deutlich überwiegende Verschulden» bei der Angeklagten.

Der Anwalt der Familie des Unfallopfers übte dann als Nebenklagevertreter deutliche Kritik am sogenannten «Nachtat-Verhalten» der 24-Jährigen. Er stützte sich dabei insbesondere auf Aussagen der Tante der jungen Frau, die beim Unfall Beifahrerin war und gegenüber der Polizei und auch vor Gericht ein denkbar ungünstiges Bild von ihrer Nichte gezeichnet hatte. Danach habe sich diese vor allem um die Bezahlung ihres Sachschadens Gedanken gemacht und sei bereits zwei Tage nach dem Unfall wieder in der Disco gewesen. Letzteres war für den Verteidiger «blanker Unsinn», durch den ein völlig falscher Eindruck von seiner bis dato unbescholtenen Mandantin entstehe.

Die junge Frau, die kurz nach dem Unfall über ihn Kontakt zu den Angehörigen gesucht habe, sei vom Geschehenen «tief berührt» und befinde sich in psychologischer Behandlung. Aus der Aussage der Tante ging jetzt hervor, dass sie vom angeblichen Disco-Besuch nur vom Hörensagen wusste: Ein ehemaliger Bekannter ihrer Nichte habe es ihr «zugetragen». Auf Nachfrage des Verteidigers räumte die 46-Jährige ein, dass ihre Töchter die Angeklagte in einer E-Mail als «Mörderin» bezeichnet hatten.

Dass die Angeklagte nach dem Unfall zu ihrer Tante gesagt hatte, sie müsse «schauen, wo sie bleibt», bestätigte auch ihr Anwalt. Für die Richterin war diese Äußerung der jungen Frau im Urteil zwar primär «dummes Geschwätz», das sie nicht strafschärfend gewertet habe. Sie machte der Angeklagten aber deutlich, dass sie die Familie des Unfallopfers damit sehr verletzt habe.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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