Treffpunkte
Im Quartier der Geipels aus Marktoberdorf finden Pilger Familienanschluss

Treffpunkte gibt es in Marktoberdorf und Umgebung viele. Ein paar rücken wir in einer Serie in den Mittelpunkt.

Gestärkt mit Kaffee und Elfie Geipels selbst gemachter Marmelade machen sich Norbert Hadyn (53) und seine Lebensgefährtin Roswitha Blankenberger (50) morgens in Marktoberdorf auf den Weg nach Kempten, bepackt mit vier Kilo schweren Rucksäcken. Die rustikalen hölzernen Wanderstöcke, die sie in Händen halten, schnitzte Elfies Mann Erhard.

Doch nicht nur mit Essen gestärkt und mit Wanderstöcken gestützt wurden die Jakobspilger aus Mainz, die ihre letzte Etappe auf dem << Münchner Jakobsweg >> nach Kempten zurücklegen, in ihrer Herberge in Marktoberdorf. Als sie am Vorabend in << Elfies Pilgerquartier >> nahe des Alsterbergs ankamen, bekamen sie << persönliche Betreuung >>, betont der Beamte Norbert Haydn, wie sie sie während ihrer gesamten Wanderung nicht erlebt hätten.

Das fing damit an, dass Erhard Geipel, der mit seiner Frau Elfie selbst viele Male auf den Jakobswegen in ganz Europa wanderte, die Pilger aus dem Rhein-Main-Gebiet bereits an der Kurfürstenallee bei Bertoldshofen in Empfang nahm. Wenngleich das Zufall war, wie er sagt: << Ich habe eine Radtour gemacht. >> Er könne ja nicht all seinen Gästen entgegenfahren.

Wichtiger Erfahrungsaustausch

Doch das war nicht alles. Gespräche über Pilgerungen am << Camino >>, das richtige Gepäck und Streckentipps oder auch über das Älterwerden beim abendlichen Schoppen Wein versüßten den Gästen den Aufenthalt. Diese Gemeinschaft gefällt den Hausherren: << So vereinsamen wir nicht >>, sagt Elfie Geipel lachend. << Das Quartier ist ein Ruhestandsprojekt, das uns als Paar verbindet >>, ergänzt ihr Mann.

Private Pilgerquartiere wie das komfortable der Geipels in Marktoberdorf sind für die Wanderer regelrechte Treffpunkte, in denen sie sich mit pilgererprobten Herbergsvätern und -müttern austauschen und andere Wanderer kennenlernen können. Was den persönlichen Kontakt angehe, sei so etwas höchstens mit den am Weg liegenden Klöstern Wessobrunn oder Andechs vergleichbar, sagt Norbert Haydn.

Solche Pilgerquartiere, die ein wenig an irische Bed-and-Breakfast-Unterkünfte erinnern, sind in Deutschland erst im Kommen, in Frankreich gibt es sie längst. Apropos Kontakte: Am Jakobsweg selbst, zumindest nahe des Kemptener Waldes, ist es an diesem Tag sehr ruhig. Außer einzelnen Hunden und einem freundlichen Oberthingauer, den die Pilger nach dem Weg fragen, ist niemand zu sehen. << Das ist normal >>, meint Haydn. << Man sieht untertags keine Menschenseele und wundert sich dann in den Herbergen, wo die ganzen Pilger plötzlich herkommen. >>

Nach einer Woche Wandern mit täglich bis zu 30 Kilometern Fußmarsch reden Norbert Haydn und seine Lebensgefährtin wie erfahrene Pilger. Dabei sind beide Frischlinge auf dem Jakobsweg. Sie loben die, zumindest außerhalb der Ortschaften, gute Ausschilderung des Weges in der Region, schwärmen von der << Häufung toller Barockkirchen >>, von der Bergkette, den Seen und dem saftigen Grün.

Nur eines würden sie nicht mehr machen: sich ein Rückfahrticket mit Zugbindung kaufen. << Man sollte einfach loslaufen und sich angucken können, was einem Spaß macht >>, meint Norbert Haydn. << Und offen lassen, wo man ankommt >>, ergänzt Roswitha. Auch das hätten sie << von Elfie und Erhard gelernt >>.

Diese hatten sich ihnen sofort mit Vornamen vorgestellt. Beim Pilgern sei man nun einmal << auf Du und Du >>, betont Elfie Geipel.

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