Führung
«Gott ist groß» - auf Arabisch

Als «Gott ist groß» beziehungsweise «Allahu Akbar» von der Kanzel schallt, herrscht andächtige Stille unter den gut 50 - deutschen - Besuchern, Männern wie Frauen. Das Besondere daran? Der Gebetsruf, den der studierte Iman Ismael Senkul singt, ist auf Arabisch und wir befinden uns nicht in einer Kirche, sondern im Männer-Gebetsraum der Marktoberdorfer Moschee im Micheletal.

Der Kontaktkreis der evangelischen Kirche hatte zu der Führung in der neu erbauten Moschee eingeladen, die der angehende Erzieher Ahmet Cakirogullari (22) mit Iman Senkul übernahm. Dessen eingangs geschilderter Gebetsruf diente dazu, den Marktoberdorfern das Gebet als eine der fünf Säulen des Islam zu veranschaulichen. «Aber wenn Sie 15 Minuten eher da gewesen wären, hätten sie am Nachmittagsgebet teilnehmen können», begrüßte Ahmet Cakirogullari mit Humor die «erfreulich zahlreichen» Besucher.

Während diese bequem auf dem roten, samtweichen Gebetsteppich saßen, erläuterte Cakirogullari den Aufbau der Moschee mit der nach Mekka ausgerichteten Gebetsnische, der oberen Kanzel für Freitags- und Festtagspredigten, der weiteren «Predigt-Kanzlei» (einer Art Pult) und den getrennten Gebetsräumen für Frauen und Männer. Wegen des Bilderverbots bilden zwei arabische Kalligrafien dort den einzigen Wandschmuck.

Bei der Führung entspann sich ein lebhafter Dialog zwischen ihm und den Besuchern, die viel fragten. Etwa, als er erläuterte, dass Mohammed der Koran vom Erzengel Gabriel diktiert worden sei. «Wurde er sofort aufgeschrieben oder erst mündlich überliefert», wollte ein Besucher wissen. Nach islamischer Lehre hat Mohammed seine Offenbarungen sofort Gelehrten berichtet, die sie dann «eins zu eins» übertrugen. Die heutige Fassung sei 23 Jahre nach Mohammeds Tod, also circa 655, verschriftlicht worden.

«Ich bete nicht fünfmal am Tag»

Ob es jemals eine autorisierte deutsche Ausgabe des Korans geben werde, fragte Wilhelm Müller. Das sei schwierig, hieß es, weil ein arabisches Wort im Deutschen 20 Bedeutungen habe. Ob der Besuch einer Koranschule Pflicht sei? Keineswegs, meinte Cakirogullari, der sehr offen sprach und immer wieder das Verbindende der drei mosaischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam herausstellte. «Ich bete nicht fünfmal am Tag», plauderte er aus dem Nähkästchen. «Ob ich deshalb ein schlechter Muslim bin, muss Allah entscheiden.»

Apropos Beten: Das Gebet findet in Marktoberdorf auf Türkisch statt. «Unsere Gemeinde besteht zu 95 Prozent aus Türken», so Cakirogullari. Hinzu kämen einzelne Pakistanis, (Kosovo-)Albaner, Ägypter und ein deutscher Konvertit. 1500 Muslime gehören laut Iman Senkul zu der Gemeinde.

Der vom türkischen Staat vorerst für fünf Jahre bestellte Iman ist seit einem halben Jahr in Markoberdorf und lebt mit seiner Frau und seinen vier Kindern in einer Wohnung in der Moschee. Er betet vor und führt in den Koran und die arabische Sprache ein. Zugleich besuche er einen Integrationskurs und lerne allmählich Deutsch, wie Cakirogullari humorvoll betonte: «Lästern Sie nicht. Er könnte Sie verstehen.»

Nach der Führung lobte Teilnehmer Wilhelm Müller deren «offene, zwanglose Atmosphäre». Als Beispiel hob er hervor, dass dabei Männlein wie Weiblein in dem sonst Männern vorbehaltenen Gebetsraum Platz nehmen durften. Umgekehrt seien Türken und Muslime in Marktoberdorf voll akzeptiert.

Diese Ansicht teilte Karin Schmidt, die mit einer türkischen Familie befreundet ist, nicht ganz: «Die Integration ist für die Türken nicht ganz leicht, auch weil wir ihnen nicht so offen gegenüberstehen.» Um so positiver fand sie das große Interesse der Marktoberdorfer an der Führung. Hildegard Rabus, die Vorsitzende des Kontaktkreises, hatte eingangs, wie Cakirogullari, das Verbindende der drei mosaischen Weltreligionen betont.

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