Porträt
Fairer Handel fährt immer mit

«Ganz fair geht noch nicht», sagt Martin Stowasser lächelnd und blickt dabei auf sein nicht fair produziertes, kariertes Hemd. Doch der Vorsitzende des Vereins «Eine-Welt-Kreis Marktoberdorf» setzt sich durch seine Mitarbeit beim hiesigen Weltladen für ein gerechteres Miteinander ein.

Ein weltfremder Idealist ist Stowasser deshalb keineswegs. Er arbeitet bei AGCO/Fendt als Ingenieur in der Entwicklung. Dass er 1993 den fairen Handel in Marktoberdorf mitbegründet hat, daran seien eigentlich Kindheit und Jugend in Gießen schuld, erzählt Stowasser schmunzelnd. Dort war er bei der «Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg». Heute ist der gebürtige Hesse 62 Jahre alt und Vater von vier erwachsenen Kindern, im Grunde ist er aber Pfadfinder geblieben: «Jeden Tag eine gute Tat» ist nach wie vor sein Motto.

Stowasser ist gläubig und sitzt seit Anfang der 90er Jahre im Pfarrgemeinderat von St. Martin. Als er sich da dem Ausschuss Mission angeschlossen hatte, kam die Idee auf, die Situation in Entwicklungsländern durch den örtlichen Verkauf fairer Produkte zu verbessern. Das Ziel sei, so Stowasser, dass die Erzeuger fairer Produkte ein Einkommen erzielen, von dem sie in ihrem Land gut leben können.

Außerdem würden Einrichtungen wie Krankenhäuser und Schulen mit den Erlösen aus fairem Handel gefördert.

Potenzial sieht Stowasser übrigens noch genügend: «Faire Produkte sollte es noch stärker in den regulären Geschäften geben, dann bräuchte man gar keine Weltläden.»

Doch angestoßen haben den fairen Handel nun mal kleine Läden wie der in Marktoberdorf, der seit 2004 in einem Raum des Pfarrheims St. Martin untergebracht ist. 2009 wurde ein Rekord-Netto-Umsatz von knapp 100000 Euro erzielt. «Ein sehr gutes Ergebnis», findet Stowasser - und zwar für die gute Sache. Die 40 Ehrenamtlichen, die beim Weltladen mitmachen, arbeiten unentgeltlich. Ihr Einkommen bekommen sie wie Stowasser von woanders.

Dessen Frau Jutta setzt sich ebenso für den Weltladen ein - und das (fast) überall: «Wenn wir in eine andere Stadt fahren, suchen wir dort immer den Weltladen», gesteht Martin Stowasser.

Exkursion nach Peru

Nächstes Jahr machen die Stowassers mit Gleichgesinnten sogar eine Exkursion nach Peru. Das werde sowohl eine touristische Fahrt als auch eine Bildungsreise in Sachen fairer Handel.

Da wird sich das Ehepaar Stowasser auch an frühere Tage erinnern. Mit den Pfadfindern, bei denen sich die Eheleute einst kennengelernt hatten, seien sie ebenso in verschiedenen Ländern unterwegs gewesen, so Martin Stowasser. Ausgeglichen und ruhig erzählt er das alles bei einer Tasse fairen Kaffees. Dabei möchte er nach dem Gespräch mit der Zeitung am Abend nochmals in die Arbeit.

Gestresst wirkt er deshalb aber überhaupt nicht. Vielleicht die Ruhe eines Pfadfinders.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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