Fachkräftemangel
Fachkräftemangel: Selbst ausbilden der Königsweg

Der viel beschworene Fachkräftemangel macht auch vor den Firmen im Ostallgäu nicht halt. 'Wir suchen gerade händeringend einen Elektriker oder Mechatroniker, ' berichtet etwa Thomas Hübner aus Marktoberdorf: 'Aber am Arbeitsmarkt ist eine Auswahl so gut wie nicht vorhanden.' Wie Hübner geht es gerade einigen Firmen- beziehungsweise Personalchefs im Landkreis.

Wobei alle auf dasselbe Patentrezept schwören, um das Problem fehlender Facharbeiter oder Ingenieure erst gar nicht aufkommen zu lassen: 'Wir bilden selbst stark aus und ziehen damit unsere Fachkräfte größtenteils selbst heran', sagen Hübner und die anderen Unternehmer. Wie Hübner, Geschäftsführer des gleichnamigen Galvanikbetriebs, betont, sei das der Königsweg, um an Fachkräfte zu kommen.

Spezialisten schwer zu finden

Denn am Arbeitsmarkt sehe es mit Spezialberufen wie Galvaniseur mau aus. Auch was ungelernte Kräfte angehe, sei der Markt im Raum Marktoberdorf geschrumpft. Die Suche nach Lehrlingen sei einfacher: 'Wir konnten alle unsere Lehrstellen besetzen', berichtet Hübner.

'Gerade bei Industriekaufleuten können wir uns die Lehrlinge aussuchen', sagt auch Norbert Leege, Prokurist des Spanntechnik-Spezialisten Ott-Jakob in Lengenwang. Im technischen Bereich sei das kaum anders. Wie die anderen von der AZ befragten Firmenvertreter begründet er das mit dem 'guten Ruf' seines Betriebs sowie mit intensivem Personalmarketing. Von Vorteil sei, dass das Allgäu 'industriell relativ strukturschwach ist' und viele junge Menschen 'landwirtschaftlich geprägt sind': Die seien das Arbeiten gewohnt und mit Werkzeugen und Materialen schon vertraut.

Azubis ans Unternehmen binden

Entscheidend sei, so Leege, die Azubis ans Unternehmen zu binden, um Fachkräftemangel vorzubeugen. Von diesem sei Ott-Jakob nur in Einzelfällen betroffen. Obwohl der Arbeitsmarkt für Zerspaner, Schleifer oder Dreher dünner werde. Herbert Mayr, Betriebsleiter der Schwesterfirma Allmatic-Jakob in Unterthingau, bestätigt Leeges Angaben: 'Wir spüren noch keinen Fachkräftemangel.'

Den spürt auch Sepp Nuscheler, Sprecher von AGCO/Fendt in Marktoberdorf, kaum: 'Nur bei Ingenieuren suchen wir mal länger. Aber auch da sind wir innerhalb eines halben Jahres in der Lage, alle Stellen zu besetzen.' Zudem sei es nicht ganz leicht, in Sparten wie IT und E-Technik Lehrlinge zu finden. Auch Fendt schwöre darauf, eigene Leute aus- und weiterzubilden.

Probleme, Auszubildende für den Beruf des Papiertechnologen zu finden, meldet Technocell in Günzach. Das liegt laut Personalchef Thomas Gläser weniger am Fachkräftemangel als am Berufsbild. Ansonsten könne seine Firma ihren Bedarf an Fachkräften mit eigenen Leuten decken – zumal die Fluktuation dabei gering sei. 'Das wird sich aber ab 2017 ändern', fürchtet Gläser. Dann gingen deutlich mehr Arbeitnehmer in Rente, 'als wir ausbilden können'.

Den demografischen Wandel sieht zwar auch Mike Wasel, Personaldirektor von Huhtamaki in Ronsberg, als Gefahr an. Er hält aber nichts von Schwarzmalerei. 'Die Geburtenrate hier ist über dem Bundesdurchschnitt', sagt er. Wie Gläser hebt er die geringe Fluktuation der Beschäftigten hervor.

'Der Allgäuer' sei eben heimatverbunden, so seine Erklärung, und damit leicht ans Unternehmen zu binden. Die zunehmende Spezialisierung der Firmen begünstige indes den Fachkräftemangel. Polymerchemiker oder Fachleute im Lebensmittelrecht etwa bekomme man nicht auf dem Arbeitsmarkt, so Wasel: 'Die müssen wir ausbilden.'

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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