Auszeichnung
Ein Dankeschön der Staatsregierung

Sie will ein selbstverständliches Miteinander behinderter und nicht behinderter Menschen. Sie will den Blick auf Barrieren öffnen, die den Alltag erschweren. Denn öffentlich genutzte Bauten, egal ob Schule oder Supermarkt, sollen barrierefrei zugänglich sein. Waltraud Joa wirbt auch darum, im Privatbereich möglichst viele Wohnungen barrierefrei zu erstellen. Die Liste der Aufgaben, die sich die Marktoberdorfer und Ostallgäuer Behindertenbeauftragte und die Stellvertretende Vorsitzende der Vereinigung kommunaler Interessenvertreter von Menschen mit Behinderung in Bayern (VKIB) stellt, ist lang. Seit Jahrzehnten setzt sie sich dafür ein, die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung zu verbessern. Dafür wurde die 67-jährige SPD-Kreisrätin aus Marktoberdorf nun mit der Bayerischen Sozialmedaille ausgezeichnet. «Mit hohem Engagement und gesundem Ehrgeiz machen Sie sich für die Förderung und die Wahrnehmung der Belange von Menschen mit Behinderung oder chronischen Krankheiten im Freistaat stark», sagte Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer bei der Verleihung der Auszeichnung, mit der im Münchener Residenzsaal 20 Personen aus Bayern - darunter der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog - bedacht wurden.

«Anerkennung für das Netzwerk»

Zum Festakt begleitet wurde Joa von Bürgermeister Werner Himmer und von einer ihrer wichtigsten Unterstützerinnen, Renate Dantinger von der Offenen Behindertenarbeit Ostallgäu (OBA). Viel Hilfe bekommt sie auch von ihrem Mann. «Ohne seine Unterstützung könnte ich meine umfangreiche ehrenamtliche Arbeit nicht leisten», unterstreicht Joa, die selbst von einer Behinderung betroffen ist.

Sie freue sich sehr über diese Anerkennung, sagt die Marktoberdorferin. Sie sehe sie aber nicht nur als Dankeschön für sich selbst, sondern für das ganze Netzwerk, dessen Teil sie sei. Ihre Beharrlichkeit hat sich bereits vielfach ausbezahlt. Auch weil sie von Landrat Johann Fleschhut, von der OBA und von vielen Bürgermeistern volle Rückendeckung habe, betont sie.

Bewegung ist derzeit im Projekt «Allgäu-Tirol barrierefrei», bei dem das Ostallgäu und das benachbarte Tirol zusammenarbeiten. Bei Bauprojekten bringt sie ihr Wissen über gesetzliche Bestimmungen und Bedürfnisse behinderter Menschen ein. Am meisten aber freut sie sich, wenn sie jungen Menschen mit Handicap helfen kann, einen Arbeitsplatz oder einen Ausbildungsplatz zu finden.

Um das Ostallgäu auf höherer Ebene zu vertreten, wirkt Joa auch im Bayerischen Behindertenrat mit. Ihr Rat zählt in zahlreichen Gremien. Durch solches Engagement wurde aus dem Ehrenamt ein Vollzeitjob. «Es macht mir Spaß», beteuert sie. Es gehe für sie nicht allein um den Einsatz für andere, sondern die Aufgabe gebe auch ihr selbst Erfüllung.

Als Kind hatte sie sich mit Kinderlähmung (Polio) infiziert. Sie leidet seit vielen Jahren an Spätfolgen dieser Krankheit und ist seit längerem im Rollstuhl. Die Krankheit war es auch, die ihre Ausbildung zur Kontoristin in jungen Jahren abrupt stoppte. Viele Jahre arbeitete sie als Telefonistin bei Alpenmilch in Biessenhofen, war dort auch freigestellte Betriebsrätin. Vor zehn Jahren gründete sie die Allgäuer Selbsthilfegruppe «Post-Polio» und sie ist stellvertretende Landesvorsitzende der Bayerischen Polio-Selbsthilfegruppen. Ehrenamtliches Engagement gehörte immer zum Leben von Waltraud Joa. Mehr als 25 Jahre war sie für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) aktiv, davon war sie 18 Jahre Vorsitzende des Ortsverbandes, der sie 2002 zur Ehrenvorsitzenden ernannte. Für die SPD war sie zwölf Jahre im Stadtrat.

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