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Geschichte
Ein Besuch im Heimatmuseum: Herbert Eigler sammelt seit über 30 Jahren Geschichten aus Marktoberdorf

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In der heutigen Zeit ist es oft hektisch, ständig läuft der Fernseher und die Menschen haben wenig Sinn für Gemeinschaft. Da schwelgt Herbert Eigler, 59, lieber in den Geschichten der Vergangenheit. Geschichten, die sich vor vielen Jahrzehnten in Marktoberdorf zugetragen haben.

Herbert Eigler sitzt in der Bauernstube des Hartmannhauses in Marktoberdorf und erzählt. Da fällt ihm zum Beispiel eine Anekdote des ehemaligen Landtagsabgeordneten Wengenmeier ein: "Er hat mir Geschichten von der alten Badeanstalt in Marktoberdorf erzählt. Wie er als kleiner Bub mit seinen Freunden beim Mädchenschwimmen zugeschaut hat - was streng verboten war. Der Bademeister hat die Buben dann erwischt und ist beim Schimpfen rückwärts ins Becken gefallen. Es ist überliefert, dass dieser Bademeister nicht schwimmen konnte und die Buben mussten ihn dann retten."

Die Mausefallen-Sammlung

Eigler arbeitet hauptberuflich als Grundschulleiter. Sein Interesse für Heimatgeschichte brachte ihn vor über 30 Jahren zum Heimatverein, für den er heute noch ehrenamtlich tätig ist. Er hat in den 80er Jahren mitgeholfen, im Hartmannhaus in der Meichelbeckstraße das Heimatmuseum einzurichten. Seitdem sammelt Eigler nicht nur Geschichten, sondern auch Gegenstände für das Museum. Und auch da sind kuriose Dinge dabei: "Es gab einen Mausefallenspezialisten in Marktoberdorf, der hat hunderte Mausefallen gesammelt", erzählt der 59-Jährige.

Wenn man sich diese Mausefallen-Sammlung im ersten Stock des Hauses anschaut, glaubt man fast nicht, was die Leute sich vor über hundert Jahren ausgedacht haben, um Mäuse grausam hinzurichten. Ein dreifacher Galgen ist da dabei, ein Maus-Zerstampfer und so etwas wie ein Mini-Bolzenschussgerät. Man bekommt vor Ort eine Vorstellung davon, wie groß das Mäuseproblem damals gewesen sein muss. So einfallsreich wie die Leute zu dieser Zeit waren.

Das Hartmannhaus (Baujahr: 1544) ist für damalige Verhältnisse sehr groß. Es ist mehrstöckig und hat zahlreiche Zimmer. Als es noch bewohnt war, wohnten hier mehrere Parteien. Als der Heimatverein 1983 vor der Aufgabe stand, das Haus auszustatten, war es komplett leer. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. "Das Haus ist mittlerweile ziemlich vollgestopft", sagt Eigler. "Die Leute sind gegenüber dem Museum sehr aufgeschlossen. Gerade ältere Menschen haben oft das Gefühl, die Kinder oder Erben haben nicht das nötige Interesse an den alten Gegenständen. Dann geben sie die Sachen lieber dem Museum."

Die vielen Zimmer sind ganz verschieden eingerichtet. Da gibt es Räume, die möglichst originalgetreu eingerichtet sind, wie Bauernstube, Küche und Schlafzimmer. Aber auch Schauräume, wie zum Beispiel die Wintersportsammlung, wo unzählige Paar Ski an der Wand lehnen, wo man große und kleine Schlitten, Eishockeyausrüstungen und alte Schlittschuhe sieht.

Die Zimmer im Museum sind so gut gefüllt, dass es auch zu Missverständnissen kommt. Josephine Heddergott arbeitet bei der Stadt und ist für das Hartmannhaus zuständig. Sie erzählt, dass es schon Museumsführungen mit Kindern gab, die fragten: "Waren denn die Leute damals so reich?" Sie erklärt dann, dass Menschen, die in dem Haus wohnten, natürlich nicht all die Sachen zur Verfügung hatten, die jetzt da sind.

Herbert Eigler ist stolz auf jedes Ausstellungsstück. "Da überkommt einen einfach die Zuneigung zu alten Gegenständen", sagt der 59-Jährige. "Selbst wenn die Sachen beschädigt sind: Die Gebrauchspuren der Menschen, die damit gearbeitet haben, sind ja gerade das Spannende." In der Bauernstube steht etwa ein kleiner, mit Tellern gedeckter Esstisch. Besteck gibt es auf den ersten Blick nicht. Unter der Tischplatte findet man aber an jedem Platz einen Löffel. Die Erklärung: Jeder hatte seinen eigenen Löffel, den er nach dem Essen abgeschleckt und dann wieder unter dem Tisch verstaut hat. Die Menschen damals waren genügsam und zufrieden.

Das Leben war früher ein anderes

"Wenn man sich das Leben früher vorstellt, in diesen Räumen, dann fällt sofort auf: Es fehlt jegliche bekannte Unterhaltung. Es gibt keinen Fernseher. Wir haben hier ein uraltes Radio, aber das war damals schon das Maximum", erzählt Eigler. Das Leben, wie es vor der Einführung des elektrischen Stroms war, ist für uns heute unvorstellbar. "Es war zunächst sicher langweilig im Vergleich zu heute, es war einfach langsamer. Die Abende waren nicht gefüllt mit Fernsehprogrammen, sondern mit Unterhaltungen und Spielen. Die Unterhaltungen waren das Highlight des Tages. Das fehlt den Menschen heute oft, einfach das Miteinander."

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